05. Januar 2018, 22:07 Uhr

Angepackt statt weggefahren

05. Januar 2018, 22:07 Uhr
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Aus der Redaktion
Peter Brack, Polizeipräsident Günther Voß, Ersthelferin Helena Landeck und Sohn Maximilian, Dennis Schade. (Foto: pm)

Alsfeld (pm). Samstagabend, kurz nach 20 Uhr. Das Ehepaar Helena und Clemens Landeck fährt gemeinsam mit seinem erwachsenen Sohn Maximilian auf der Autobahn A 5 in Richtung Alsfeld. Es regnet stark. Einige hundert Meter vor ihnen fahren auf der linken Spur ein gelber Seat und davor ein Motorrad. Vermutlich übersieht der 31 Jahre alte Autofahrer das Zweirad.

Er touchiert es, was zu einem schweren Unfall führt. Familie Landeck gelangt nur wenig später zu diesem »Trümmerfeld«. Den Unfall gesehen haben sie nicht, doch sie halten sofort an. Einige Fahrzeuge vor ihnen waren einfach weiter gefahren. »Das ist für mich völlig unverständlich«, erklärt Helena Landeck im Gespräch.

Polizeipräsident Günther Voß (Polizeipräsidium Osthessen) hatte sie jetzt eingeladen, um sich bei ihr und ihrer Familie zu bedanken. In den Räumen der Autobahnpolizei in Bad Hersfeld empfing der Chef der osthessischen Polizei die Ersthelferin und ihren Sohn und konnte kaum glauben, was die Familie ihm schilderte.

Am besagten Tag im September handelte Familie Landeck sofort. Ihr 24-jähriger Sohn stoppte den Verkehr, ihr Mann verständigte die Rettungsdienste. Frau Landeck selbst kümmerte sich um den verunfallten Motorradfahrer.

Dieser wurde bei dem Unfall so schwer verletzt, dass er ein Bein verlor. Den Ernst der Situation erkannte die Ersthelferin schnell: »Ich dachte nur, dass der Mann sterben wird, wenn ich ihm nicht helfe«, erklärt sie. Von den auf der Straße herumliegenden Kleidungsstücken aus dem Motorradkoffer schnappte sie sich ein Hemd und band damit den Stumpf am Bein ab.

Als weitere Autofahrer helfen wollten, handelte die Familie instinktiv richtig. So schickten sie zum Beispiel einen Mann den Rettungskräften entgegen, so dass eine ordnungsgemäße Rettungsgasse entstand. Wertvolle Sekunden wurden dadurch gewonnen. Ausgebildete Rettungssanitäter und sogar eine Seelsorgerin, die im Stau standen, konnten an die Unfallstelle gelangen.

Während die Seelsorgerin sowohl die Verunfallten wie auch die Helfer stärkte, sammelten die ehrenamtlichen Sanitäter von den ersten Fahrzeugen im Stau die Verbandskästen ein und halfen damit den Verletzten. Schließlich banden sie mit dem Gürtel von Clemens Landeck das Bein des 59 Jahre alten Motorradfahrers so lange ab, bis die Rettungskräfte eintrafen. Polizeipräsident Voß bedankte sich ausdrücklich für die Hilfe der Familie. »Ich selbst war in den vergangenen Jahren täglich viele Kilometer auf der Autobahn unterwegs und weiß, dass man schnell in eine solche Ausnahmesituation geraten kann«, erklärte der Behördenleiter.

Umso mehr freute es ihn, dass es so motivierte und engagierte Menschen gibt. Den Dank gab Frau Landeck gerne an ihren Ehemann weiter, der nicht mit zum Gespräch kommen konnte. »Dies war keine Alleinleistung. Viele haben in dieser Situation geholfen und gehandelt«, erklärte die Frau.



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