28. Dezember 2017, 20:17 Uhr

»Ohne uns geht in Frankfurt das Licht aus«

28. Dezember 2017, 20:17 Uhr
Avatar_neutral
Aus der Redaktion
Die Veranstaltung der SPD-Landtagsfraktion vor Ort mit Swen Bastian, Torsten Warnecke und Heinz Lotz. (Foto: Müller)

»Neue Kraft fürs Land – Ideen für den ländlichen Raum« – so lautete dieser Tage der Titel einer Veranstaltung der hessischen SPD-Landtagsfraktion, die in Lauterbach-Rimlos stattfand. »Unser Vogelsberg ist das Original des ländlichen Raums – viel ländlicher wird es in Hessen nicht mehr«, so begrüßte Swen Bastian die Besucher. In 128 Dörfern des Kreises leben jeweils weniger als 500 Einwohner.

Diese Bürger hätten das gleiche Recht auf erreichbare und gute Angebote der täglichen Daseinsvorsorge wie die Bewohner von Städten. »Arbeitnehmer, Handwerker, Unternehmen, Wasser und Energie halten das Rhein-Main-Gebiet mit am Laufen. Ohne die Leistungen unserer Region geht im Ballungsraum das Licht aus und weiteres Wachstum wäre unmöglich, was dort leider kaum jemand wahrnimmt«, sagte Bastian, der mehr Interesse der Landespolitik an einer positiven Entwicklung der heimischen Region einforderte.

Ortskerne erhalten

Gäste waren die beiden Landtagsabgeordneten Torsten Warnecke aus Bad Hersfeld und Heinz Lotz aus Steinau an der Straße. »Wir im ländlichen Raum sind die Mehrheit in Hessen, denn hier leben die meisten Menschen«, erklärte Warnecke. Deshalb sei es unabdingbar, die Ortschaften im ländlichen Raum zukunftsfähig zu machen und die Ortskerne zu erhalten. Mehr und bessere Angebote für das Wohnen auf dem Land seien gefragt, ebenso wie eine ärztliche Versorgung vor Ort. Das klassische Hausarztmodell eines selbstständigen Landarztes mit langen Arbeitszeiten, Bereitschaft rund um die Uhr und hoher Belastung sei für angehende junge Mediziner immer weniger attraktiv. Kommunale Kliniken und medizinische Versorgungszentren, in denen die Leistungen von angestellten Ärzten angeboten würden, könnten eine Alternative sein.

»Kaum jemandem ist bewusst, dass die Geburtenrate in den ländlichen Regionen zum Teil deutlich höher ist als im Ballungsraum. Viele junge Leute gehen dann jedoch zum Studieren in die Städte«, so Warnecker, der die Frage stellte, warum Auszubildende aus der Stadt nicht das gute Angebot der dualen Ausbildung im ländlichen Raum wahrnehmen können. Entsprechende Landesfachklassen im Vogelsbergkreis böten hierfür die besten Voraussetzungen.

»Der ländlichen Raum hat eigentlich positive Perspektiven. Was wir brauchen, sind mehr Entscheidungsräume, ein stärkeres Interesse der Landesregierung und mehr Geld«. Schwarz-Grün erhöhe zwar formal das Volumen beim Dorfentwicklungsprogramm, kürze aber die Fördersummen im Einzelnen. Heinz Lotz legte seinen Schwerpunkt auf die Land- und Forstwirtschaft, die eine besondere Bedeutung habe. Für eine nachhaltige Bewirtschaftung fehle Hessenforst ausreichend Personal – ähnlich wie beim Straßenbau. Mittel aus Förderprogrammen der EU würden nicht abgerufen, weil die Landesregierung keine eigenen Mittel dazugeben wolle. Kritik übte Lotz an der in Hessen beschlossenen Schonzeit für Waschbären, die sich im Vogelsbergkreis und andernorts zusehends zu einer Plage entwickeln. Die Grünen wollten aber trotz der bekannten Probleme nicht, dass den niedlichen Tierchen etwas passiere.

In der anschließenden Diskussion spielte unter anderem das Thema »Kommunaler Finanzausgleich« eine Rolle. Warnecke machte sich dafür stark, dass es neben dem KFA ein Gesamtförderprogramm für den ländlichen Raum geben müsse. Angesprochen wurde auch der schleppende Breitbandausbau. »Wir dürfen die Telekom nicht aus ihrer Verantwortung entlassen, den Vogelsbergkreis wie versprochen auszubauen.

Das Unternehmen steht in der Pflicht, seine Zusagen einzuhalten. Als selbsternannter Weltkonzern kann die Telekom sich nicht einfach einen schmalen Fuß machen, wenn Zeitpläne nicht eingehalten werden. Die Umsetzung des Ausbaus muss mit dem notwendigen Nachdruck eingefordert und umgesetzt werden«, sagte Bastian.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos