23. November 2017, 20:32 Uhr

Bis zu zehn Jahre Haft

Millionenbetrug bei der Sparkasse: Prozess beginnt

Dem ehemaligen Mitarbeiter, der die Sparkasse Oberhessen in gut zehn Jahren um fast neun Millionen Euro betrogen haben soll, wird ab Donnerstag, 30. November, der Prozess gemacht.
23. November 2017, 20:32 Uhr
Wie konnte der Sparkassen-Angestellte immer wieder Geld abzwacken? Diese Frage wird nun erörtert. (Symbolfoto: dpa)

Dem beschuldigten 44-Jährigen drohen bis zu zehn Jahren Haft. Er war langjähriger Mitarbeiter der Bank. Als Fachbereichleiter im Rechnungswesen soll er durch Insider-Kenntnisse und unter Aushebelung des Vieraugenprinzips ein ausgeklügeltes System entwickelt haben, mit dem er höhere Beträge auf sein Privatkonto abzweigte – und das über zehn Jahre lang.

 »Enorme kriminelle Energie«

Der Mann, der in seinem Wohnort Limeshain Vorsitzender des Gemeindeparlaments war, genoss wohl auch beruflich ein hohes Ansehen. Seine Vorgehensweise soll für andere kaum zu bemerken gewesen sein, heißt es. »Auch den unabhängigen Wirtschaftsprüfern war es nicht möglich, das zu erkennen«, sagte Landrat Joachim Arnold im August. Die Sparkasse selbst spricht von »enormer krimineller Energie«.

Nicht die eigenen Sicherungssysteme der Sparkasse deckten den Betrug auf: Den entscheidenden Tipp erhielt die Sparkasse von der deutschen Kreditbank in Berlin, die eine sogenannte Geldwäscheverdachtsmeldung in die Wetterau schickte, nachdem ihr bei Überweisungen Unregelmäßigkeiten aufgefallen waren.

Vorgesetzter musste gehen

Nach Bekanntwerden des Falles wurden Sparkassen-Mitarbeiter aus dem Umfeld des Fachbereichleiters entlassen oder versetzt. Auch ein stellvertretendes Vorstandsmitglied der Sparkasse, der direkte Vorgesetzte des Fachbereichsleiters, musste gehen.

Nicht nur die Öffentlichkeit stellt sich die Frage: Wie kann es sein, dass so ein Fall über Jahre unbemerkt bleibt? Die Sparkasse wollte sich dazu bislang nicht äußern. Ende des Monats soll der Vorstandsvorsitzende Günter Sedlak in einer nichtöffentlichen Ausschusssitzung des Kreistags den Kommunalpolitiker Rede und Antwort stehen. Auch er war in die Kritik geraten. Die »Bild« nannte ihn wegen seines Schweigens schon »Direktor Drückeberger«.

Frühere Taten sind verjährt

Antworten dürfte es nun im Prozess am Landgericht Gießen geben, der am Donnerstag, 30. November, beginnt. Bereits Ende des Jahres soll es ein Urteil geben, denn der Beschuldigte ist laut Thomas Hauburger, Sprecher der Staatsanwaltschaft Gießen, geständig. Er könne jedoch nur für seine Umbuchungen zwischen Mai 2012 und April 2017 juristisch belangt werden. Frühere Taten sind verjährt – bei gewerbsmäßiger Untreue gilt eine Fünf-Jahres-Frist.

Auf Konten des Limeshainers haben die Ermittler gut 4,3 Millionen Euro des veruntreuten Geldes sichergestellt. Die restlichen 4,6 Millionen will sich die Sparkasse zurückholen, vermutlich über ein zivilrechtliches Verfahren. Der 44-Jährige sitzt seit ein paar Monaten in Untersuchungshaft. Nach Informationen des HR war ein Haftbefehl gegen ihn erlassen worden, da er Kontakte ins Ausland unterhalte und einen Urlaub in Ägypten geplant habe.

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