22. November 2017, 08:00 Uhr

Buchhandel

Kleine Läden setzen sich kreativ durch

Unerfreuliche Post erhielten Buchhändler in Kleinstädten. Eine Kette bot an, den Laden zu kaufen, ansonsten würde man eine Filiale aufmachen. »Das ist Erpressung«, sagen heimische Händler.
22. November 2017, 08:00 Uhr
Bücher wohin man blickt – und Geschenkartikel – bieten Ulrike Sowa (r.) und Sabine Pfeil an. (Foto: jol)

Kleine Geschäfte geraten immer mehr unter Druck, aus Innenstädten sind individuelle Läden weitgehend verschwunden. Verbreitet sind Ketten, Bäckereien genauso wie Modegeschäfte und Buchläden. Geht man durch eine Fußgängerzone, sind die Geschäfte meist austauschbar. Doch die inhabergeführten Stätten der Literatur haben einen heimlichen Verbündeten: Die Preisbindung. Überall in Deutschland dürfen Bücher nur zu einem Preis verkauft werden. Das ist mit ein Grund, warum es im Verbreitungsgebiet der AAZ noch zwei inhabergeführte Buchläden gibt, einen in Alsfeld, den anderen in Homberg. Mit öffentlichkeitswirksamen Sonderaktionen wie Lesungen und dem Bemühen, auch die ausgefallenste Wünsche zeitnah zu erfüllen, behaupten sich die kleinen Läden noch. Aber wie geht es weiter?

»Wenn die Buchpreisbindung per Gesetz gekippt wird, mache ich am nächsten Tag zu,« sagt Ulrike Sowa. Die Inhaberin der Homberger Buchhandlung erläutert, dass sie nur kleine Rabatte beim Großhandel bekommt. Große Ketten bekommen Druckwerke billiger, was sie an Kunden weitergeben könnten – »da kann ich nicht mithalten«.

Fan von kleinen Verlagen

Deshalb ist Sowa froh, dass ihr Service über den stabilen Preis entgolten wird. Denn sie besorgt jedes Buch, auch wenn es aufwendig ist - das machen große Ketten nicht, sie beschränken sich auf das gängige Sortiment. Sowa ist hingegen ein Fan der kleinen Verlage, so hat sie neulich Axel Dillmann zu Gast gehabt, der mit seinem Verlag ein Programm abseits der Bestseller anbietet.

Sowa und Mitarbeiterinnen besorgen auch antiquarische Bücher oder Publikationen aus dem Selbstverlag. Erst dieser Tage hat sie ein Buch über den Botanischen Garten Gießen herein telefoniert, »so etwas macht keine Kette«. Sie liebt es zu lesen und den Kunden »etwas schönes und passendes vorzustellen«. Sie empfiehlt gerne Bücher aus kleinen Verlagen, da gibt es erstaunliche Perlen. Wichtig ist ihr, dass der Buchladen Teil der Lebensqualität ist – wer im Internet kauft, braucht sich über Leerstand nicht zu beklagen.

Es gab mal drei Buchläden

Eine Institution unter Buchhändlern ist Helmar Bünnecke mit »Buch 2000« in Alsfeld. Er ist seit 60 Jahren Buchhändler mit Leib und Seele. Als er angefangen hat, gab es noch drei Buchhandlungen im Ort. Hinzu kamen zwei Leihbüchereien, im Amerikahaus konnte man im Lesesaal schmökern. Die Auswahl war nicht so groß wie heute, wenn 90 000 Bücher jährlich auf den Markt geworfen werden. Aus drei Buchläden ist einer geworden, die sechs fetten Bände des Buch-Großhandels von früher sind ins Internet gewandert. Geändert hat sich das Leseverhalten, einst reichten die Kataloge des Großhandels für die Neuerscheinungen eines ganzen Jahres. Heute sind gut nachgefragte Bücher drei bis sechs Monate in den Auslagen, dann werden sie von neuen Druckwerken verdrängt. Bünnecke hat den Vorteil, dass er viele Kunden kennt. Anregungen für die Leser kommen auch aus Lesungen, die beide Buchhandlungen anbieten. Bünnecke bei »Der Vulkan lässt lesen« mit der OVAG beteiligt.

Bücher kommen über Nacht

Technisch haben die unabhängigen Buchhandlungen aufgerüstet. Wer bei ihnen bis 18 Uhr bestellt, hat meist das Buch am nächsten Morgen in den Händen. Bei Ulrike Sowa ist die Bestellung per Messenger-Dienst ein Hit. Da können Schüler auf dem Weg von der Schule bestellen und am nächsten Tag ist das benötigte Buch da.

Bünnecke schätzt die kommunikative Seite seines Berufs. Er führt gern ein offenes Gespräch mit seinen Kunden – übrigens zu Zweidrittel Frauen – »es ist schön, dass man dabei noch etwas lernt«. Und Ulrike Sowa meint nur knapp, »Buchhändler ist der schönste Beruf der Welt«.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Erpressung
  • Filialen
  • Händler
  • Kreativität
  • Verlagshäuser
  • Homberg
  • Joachim Legatis
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos