05. August 2009, 20:08 Uhr

Aufträge aus Deutschland sichern Arbeitsplätze

Schwalmtal-Storndorf (jol). Jürgen Stehr hat den Kanaldeckel erfunden, der vom Schwerverkehr nicht mehr in die Straßenoberfläche gedrückt wird, produziert mit seiner Baumaschinenfirma erfolgreich Geräte, die verseuchte Böden recyclen und will nun Geräte anbieten, die Aushub in Schlamm verwandeln, der problemlos beim Kanalbau verwendet werden kann.
05. August 2009, 20:08 Uhr
»Dieses Material können sie wieder einbauen«, Stehr präsentierte die von einem Gerät klein gemahlenen ausgebauten Baustoffe, die als Untergund im Straßenbau verwendet werden, mit: von rechts Mario Döweling, Karl Zissel, Dr. Hermann Otto Solms. (Fotos: jol)

Schwalmtal-Storndorf (jol). Jürgen Stehr hat den Kanaldeckel erfunden, der vom Schwerverkehr nicht mehr in die Straßenoberfläche gedrückt wird, produziert mit seiner Baumaschinenfirma erfolgreich Geräte, die verseuchte Böden recyclen und will nun Geräte anbieten, die Aushub in Schlamm verwandeln, der problemlos beim Kanalbau verwendet werden kann. Dazu ist er ein Kritiker hoher Steuern und dubiosen Ingenieur-Leistungen und damit ein interessanter Gesprächspartner für den FDP-Bundestagsabgeordneten Dr. Hermann Otto Solms. Beim Besuch des Bundestags-Vizepräsidenten und des Landtagsabgeordneten Mario Döweling zeigten sich dieser Tage viele Gemeinsamkeiten, so im Befürworten von Atomkraftwerken, Kritik am CDU-Ausschluss Martin Hohmanns und Skepsis über den Umgang von Banken mit der Wirtschaftskrise.

Positiv: Die ökonomische Flaute trifft den Betrieb mit 40 Mitarbeitern kaum, da er nach einem sehr guten Jahr 2008 kaum Schulden hat. Dennoch ärgert sich Stehr über die Experten der Kreditbranche, da er seine innovativen Projekte auch vorfinanziere. Erst kürzlich habe er zwei Bankvertreter abgewiesen, mit denen er über eine Finanzierung beraten habe. »Wenn man einen Kredit über 200 000 Euro haben will, soll man Sicherheiten von 300 000 bieten«, das gehe doch nicht. Zudem könnten Bänker den Wert einer Firma nicht einschätzen. »Der Wert meines Betriebs sind die Mitarbeiter«, die Finanzbranche würde hingegen auf den Standort achten - wenn sein Unternehmen in Frankfurt säße, würde dessen Wert gleich viel höher eingeschätzt.

Scharf wandte er sich gegen Ingenieure, die zum Teil mit »kriminellen Methoden« danach trachteten, die Baukosten im Tiefbau hochzutreiben. Es sei nicht hinnehmbar, wenn ein Büro auch noch an der Entsorgung belasteter Erde mit verdiene. Er setze hingegen darauf, Aushub an Ort und Stelle zu entseuchen und einzubauen - das spare Transport- und Ablagerungskosten. Seine Verfahren finden bereits Verwendung bei der Sanierung von radioaktiver Erde im Wismutabbaugebiet und bei der Reinigung von giftigen Sprengstoffresten in Stadtallendorf.

Klar warb er für Steuersenkungen: Die Region solle ihre starken Seiten ausspielen, indem sie billigere Steuersätze als die größeren Städte bietet. Dann kämen mehr Unternehmen in die ländliche Gegend, war sich Stehr unter Zustimmung von Dr. Solms und Döweling sicher.

Stolz ist Stehr über die Innovationskraft seines Betriebs, die sich auch an über 30 Stehrschen Patenten zeigt. So stellte er eine Bodenfräse vor, die für die Kabelverlegung eingesetzt werden soll. Das Zusatzgerät zieht einen schmalen Graben für die Verlegung von Strom und Datenkabeln, das sei billiger als der Einsatz eines Baggers mit einer Schaufel. Erfolg hat die Baumaschinenfirma bereits mit einem Zusatzgerät zur Bodenverdichtung, das an einem Bagger angebracht wird. Die massive Walze bringe einen Druck von 200 Kilogramm pro Zentimeter auf den Untergrund, eine herkömmliche Walze komme auf 50 kg/cm. Zudem vermeidet man Vibrationen, die beim Kanal- und Straßenbau die Stabilität von Gräben gefährden.

Speziell für den Kanalbau in Städten hat Stehr ein neues Verfahren entwickelt. Dort verlaufen viele Versorgungsleitungen, deshalb kann der Untergrund für eine Fahrbahn nicht so leicht verdichtet werden. Problemlösung: Der Boden wird vor Ort gemahlen und mit einer Zement-Lehmmischung verflüssigt. Der dabei entstehende Schlamm passt sich dem Untergrund an und härtet binnen 24 Stunden aus. »Wir sehen uns als Problemlöser«, umschreibt Stehr das Konzept, um im Wettbewerb mit größeren Herstellern mithalten zu können. Und das geht seit 26 Jahren gut, aus kleinen Anfängen ist der Betrieb auf 40 Mitarbeiter gewachsen.

Man arbeite mit regionalen Zulieferern, so bei der Bodenverflüssigung mit Firmen aus Alsfeld und Wartenberg. Auch die Mitarbeiter stammen aus der Gegend, er sei froh, dass die Beschäftigten mit Fahrrad zum Arbeitsplatz fahren können, so Stehr. Bodenständig ist der Unternehmer auch in finanziellen Dingen, das Wachstum der Firma und Geländekauf wurde aus Einnahmen der Vorjahre finanziert - ein Grund, weshalb er nun wenig Druck durch die Wirtschaftskrise verspürt. Entlassen hat er aus wirtschaftlichen Gründen niemanden. Aber aus den USA und Russland, bislang wichtige Länder für seine Firma, kommen nur wenig Aufträge. Die Auftragslage aus Deutschland ist recht gut, so Stehr. Sein Vorteil: Seine Geräte sind im Betrieb billiger als die anderer Firmen, deshalb kaufen Unternehmen bei ihm, um rentabler zu arbeiten.

Im Gespräch mit Dr. Solms streifte Stehr einige allgemeinpolitische Themen. So erklärte er seinen Austritt aus der CDU mit dem Ausschluss von Martin Hohmann, den er sehr schätze. Dieser war wegen antisemitischer Äußerungen ausgeschlossen worden, was Stehr nicht nachvollziehen konnte - unter Zustimmung von Dr. Solms. Stehr meinte, Atomkraftwerke seien weiter notwendig, was Dr. Solms mit dem Zusatz versah, man solle die Anlagen solange laufen lassen wie sie sicher seien.

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