20. November 2017, 20:38 Uhr

Überwinden von Abgrenzungen nötig

20. November 2017, 20:38 Uhr
Vertreter der Reservistenkameradschaft und der Ortsvorsteher für die Gemeinde legen je einen Kranz am Ehrenmal nieder. Die Gedenkrede hält Pfarrerin Susannen Gessner. (hso)

In einer gemeinsamen Gedenkfeier, gestaltet von der Kirchengemeinde Groß-Felda, dem Ortsbeirat und der Reservistenkameradschaft, gedachte man am Volkstrauertag den Opfern der beiden Weltkriege, von Gewaltherrschaft und Terror. Dazu traf man sich am Ehrenmal auf dem Friedhof in Groß-Felda.

Nach einer Eröffnungsmusik durch den evangelischen Posaunenchor und einer kurzen Begrüßung durch Ortsvorsteher Hans Jürgen Schneider sprachen Pfarrerin Susanne Gessner und Hans Gelhar von der Reservistenkameradschaft zur Gemeinde. Pfarrerin Gessner erinnerte rückblickend an den 9. November 1989, als in Berlin die Mauer fiel und weitere Grenzen in Europa. »Damals schien es, als ob die Weltgeschichte eine neue Richtung eingeschlagen habe. Ein Krieg in Europa, das wurde immer unwahrscheinlicher, dachten damals viele. Aber wie wir heute wissen, hatte sich die Kriegsgeschichte nur eine Atempause gegönnt«, bedauerte Gessner.

Inzwischen sehe man mit Schrecken, wie brüchig die Festung Europa geworden ist. Die Kriege im Nahen Osten und in Afrika habe man immer gern weit weg geschoben, aber das gehe nicht mehr. »Sie kommen uns in Europa nah.« Scheinbar gelinge es aber durch Populismus immer wieder zu verdrängen, welchen »Anteil wir als reiche Völker des Nordens an Elend und an der Armut der Menschen im Süden haben«. Weiter werde über Grenzen und Obergrenzen verhandelt, aber letztlich sei der Wunsch nach Schutz vor Flüchtlingsströmen absurd. »Es gibt keinen Schutz vor dem verzweifelten Verlangen der Kriegs- und Hungerflüchtlingen nach Brot, Wasser, Sicherheit und Frieden.« Gessner stellte fest, dass es erschreckend klar sei, dass der Norden nicht ohne den Süden überleben könne. »Wir müssen gerechte Strukturen schaffen.« Nationale und auch religiöse Abgrenzung provozierten nur Hass und Krieg. Ebenso stelle sie die Frage: »Ist die Welt noch zu retten? Politiker und Militärs werden darauf ihre eigenen Antworten finden. Christen und Christinnen suchen in ihrem Glauben nach diesen Antworten. »Die Überwindung von nationalen und religiösen Abgrenzungen ist für alle von uns überlebenswichtig.« »Wir müssen uns über alle Vorurteile und Ängste hinweg die Mühe machen, diese gemeinsamen Wurzeln zu entdecken«, fasste Pfarrerin Susanne Gessner zusammen.

Appell an Machthaber

Nach einem weiteren Choralvortrag durch den evangelischen Posaunenchor sagte Hans Joachim Gelhar, die Reservisten trauerten um ihre gefallenen und vermissten Kameraden sowie auch um die zivilen Opfer der vergangenen Kriege. In Anlehnung an die Worte des ehemaligen Bürgermeisters von Berlin schloss der Vorsitzende der Reservisten mit dem Ausspruch: »Ihr Machthaber in der Welt, schaut auf die Toten auf den Soldatenfriedhöfen und beendet den Irrsinn der Kriege«.

Zum Gedenken legte er mit Vertretern der Reservistenkameradschaft und dem Ortsvorsteher für die Gemeinde je einen Kranz am Ehrenmal nieder. Der Posaunenchor spielte dazu das Lied »Ich hatt’ einen Kameraden«. Mit einem Gebet, dem gemeinsam gesprochenen Vaterunser, und einer Schlussmusik des Posaunenchores endete die Andacht zum Volkstrauertag.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Evangelische Kirche
  • Gedenkfeiern
  • Gewaltherrschaft
  • Jürgen Schneider
  • Pfarrer und Pastoren
  • Posaunenchöre
  • Terrorismus
  • Weltkriege
  • Feldatal
  • Herbert Schott
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos