07. November 2017, 20:56 Uhr

Tagsüber etwas für guten Schlaf tun

07. November 2017, 20:56 Uhr
Was, wenn man nicht schlafen kann? Eine Reihe Gründe kann es dafür geben. (Foto: dpa)

Gemünden (pm). Mit diesem Thema und mit der Wahl des Referenten lag der Seniorenbeirat kürzlich richtig. Fast 30 Zuhörerinnen und Zuhörer folgten im Seniorentreff dem äußerst interessanten Vortrag von Werner Cassel vom Schlafmedizinischen Zentrum am Universitätsklinikum Gießen/Marburg. Der Psychologe erklärte unter anderem, warum wir schlafen, wie wir schlafen und wie sich der Schlaf mit zunehmendem Lebensalter verändert. Beim Älterwerden kommt es zu typischen Schlafstörungen. Die Teilnehmer erfuhren, wie sie selbst auf natürlichem Weg etwas dafür tun können, ihren Schlaf zu verbessern.

Ein Faktor, der sehr großen Einfluss auf den Schlaf hat, ist das Licht. So wird schlafgestörten Patienten unter anderem nahe gelegt, mit Licht sinnvoll umzugehen. Denn die innere Uhr kann sonst nicht oder nur schlecht auf »Nachtbetrieb« umschalten.

Grundsätzlich besteht auch ein sehr großer Unterschied zwischen der Beleuchtung in der freien Natur und der Beleuchtung in geschlossenen Räumen während des Tages. So sagen Chronobiologen, dass der moderne Mensch sein Leben in biologischer Dunkelheit verbringt. Abends ist es dagegen aus biologischer Sicht oft zu hell. »Mit künstlichem Licht verbannen wir die Dunkelheit aus unserem Leben, um den Tag zu verlängern.« So stören sogenannte kalte Lichtfarben die innere Uhr besonders.

Gerade das Badezimmer ist in vielen Wohnungen der Raum, in dem am meisten Licht auf das Gesicht fällt, dort herrscht oft eine sehr helle Beleuchtung.

Wenn man diese helle Beleuchtung abends einschaltet, dann bricht die Melatoninproduktion plötzlich zusammen. »Da unsere innere Uhr abends und nachts an niedrige Lichtstärken gewöhnt ist, besteht bei hellem Licht das Risiko, dass sie auf Tagesbetrieb umschaltet.« Schon eine normale Badezimmerbeleuchtung kann die Melatoninproduktion stören.

Hinzu kommt laut Cassel ein weiterer Faktor. Wenn man sich tagsüber viel im Freien aufgehalten hat, beeinflusst künstliches Licht abends und in der Nacht die Melatoninproduktion nicht so stark wie bei Menschen, die sehr wenig Licht ausgesetzt waren, weil sie den Tag in einem Raum mit relativ schwacher Beleuchtung verbracht haben. Wie geht man richtig mit Licht um? Solange man einigermaßen beweglich ist, kann man sich an einem möglichst hellen Plätzchen in der Wohnung oder noch besser auf dem Balkon oder im Garten aufhalten. Vielen Menschen sei gar nicht bewusst, dass man schon tagsüber etwas für den Schlaf tun muss.

Guter Schlaf fängt also schon mit dem Aufstehen an. Wichtig sei es generell, sich mehr zu bewegen und auch nicht zu lange im Bett zu liegen, was gerade bei älteren Menschen ein häufiges Problem ist. Ein gesunder 60-Jähriger ist im Durchschnitt oft wacher als ein 18- bis 20-Jähriger. Doch nach der Berentung gehen viele Menschen zur gleichen Zeit ins Bett wie früher, gegen 22 oder 23 Uhr – nur mit einem Unterschied: Als sie noch im Berufsleben standen, hat ihr Wecker um sechs Uhr geklingelt. Im Rentenalter stellen die meisten Menschen keinen Wecker, sondern genießen es, morgens so lange schlafen zu dürfen, wie sie möchten – mit dem Ergebnis, dass ihre Ruhezeit deutlich ansteigt. Der Preis besteht darin, dass sie dann oft nicht mehr so gut durchschlafen können und öfter und länger wachliegen.

Man solle realistische Ansprüche an den Schlaf haben und gelassener mit nächtlichen Wachliegezeiten umgehen – oder noch besser versuchen, die Gesamtruhezeit etwas zu reduzieren. Vor allem aber solle man eine möglichst gelassene Einstellung zum Schlaf entwickeln. »Innere Anspannung vertreibt den Schlaf.« Statt sich krampfhaft aufs Einschlafen zu konzentrieren, solle man abends lieber noch ein schönes Buch lesen, sich ein Hörbuch anhören oder sich von Musik in den Schlaf wiegen lassen. Auch bei längeren nächtlichen Wachzeiten ist es am besten, im Bett liegenzubleiben. Aus evolutionsbiologischer Sicht ist das sogar eine sehr sinnvolle Einrichtung der Natur. Unsere Vorfahren schliefen nachts nicht in Häusern, sondern oft im Freien und konnten jederzeit von Säbelzahntigern, Wölfen oder Bären angegriffen werden. »Durchschlafen wäre für unsere Vorfahren tödlich gewesen.«

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