25. Oktober 2017, 19:52 Uhr

Störzonen mit Trinkwasser

»Jetzt« – Leo Zinaburg rammt neben einem grauen Kasten einen Metallstab in den Boden und Ilja Beilin schaut gebannt auf den Monitor am Handgelenk. Zacken sind zu erkennen, der Sensor im Kasten hat die Schwingungen des Stoßes erfasst. Damit prüft Beilin, wo erfolgreich der neue Brunnen für Ulrichstein gebohrt wird.
25. Oktober 2017, 19:52 Uhr
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Von Joachim Legatis

Da haben die Ulrichsteiner Stadtverordneten schnell geschaltet: Für 6000 Euro erkundet die Firma retagg solutions den Bereich beim Hochbehälter Ulrichstein, um dort einen Brunnen zu bohren. Mit einer Präsentation überzeugten drei Vertreter der Firma aus Remscheid am Montag die Stadtwerke-Kommission, den Suchauftrag zu erteilen. In der Sitzung des Haupt- und des Bauausschusses stimmte auch der Magistrat zu. Hintergrund ist die vergebliche Suche nach gutem Trinkwasser für die Kernstadt, weil die oberflächennahe Schürfquelle immer wieder verkeimt. Deshalb hat die Stadt bereits für 150 000 Euro vergeblich nach einem Brunnen bohren lassen, wie Bürgermeister Edwin Schneider resümierte. Andreas Hoffmann, Frank Weller und Ilja Beilin von retagg solutions boten nun an, mit ihrer Bodenuntersuchung einen Brunnen zu finden. Das Verfahren ist unter Geophysikern umstritten, sagten die retagg-Vertreter, aber sie sicherten eine fast 100-prozentige Trefferquote zu.

»Sehr, sehr zuversichtlich«

Die Wiese am Hochbehälter Ulrichstein hat Beilin bereits am Nachmittag vor der Ausschusssitzung grob untersucht. Er fand zwei Stellen mit tektonischen Störzonen, die erfolgversprechend sind. Nötig ist aber eine genaue Untersuchung, die am Mittwoch startete. »Ich bin sehr, sehr zuversichtlich«, sagte er beim Sichten der ersten Ergebnisse.

Zur Illustration haben Hoffmann, Weller und Beilin am Montag eine Dokumentation des ZDF-Magazins »Terra Xpress« mitgebracht, die vom »Wasserwunder in Philippsreut« handelte. In dem bayerischen Ort hat retagg binnen eineinhalb Tagen einen Brunnenstandort gefunden, der nun Wasser für den ganzen Ort liefert. Auch in der indischen Wüstenregion Rajastan haben die retagg-Leute einen Brunnen erschlossen. »Es gibt fast überall Wasser, man muss nur an der richtigen Stelle bohren«, gab sich Beilin überzeugt. Wenn man zwei Meter neben einer Tektonik bohre, komme nicht genug Wasser. Auf die Frage nach Erfahrungen sagte Weller, man habe über 100 Untersuchungen gemacht, bislang sei die Trefferquote 100 Prozent bei einer oder zwei Bohrungen.

So beschloss die Betriebskommission der Stadtwerke, retagg mit der Untersuchung am Hochbehälter zu beauftragen. Die eigentliche Brunnenbohrung werde rund 70 000 Euro kosten, sagte Hoffmann. Wenn Wasser in ausreichender Menge gefunden wird, will retagg eine Erfolgsprämie von 70 000 Euro für Suche und Bohrbegleitung. Über die Vergabe der Brunnen-Bohrung entscheiden die Parlamentarier später.



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