22. Oktober 2017, 08:00 Uhr

Soziale Medien

Retter oder Geldverschwendung?

Retten sie das Dorf oder kosten sie nur Geld, das die Gemeinde nicht hat? Der Streit um die Social Media Scouts für Feldatal ging im Ausschuss in eine neue Runde, und es bleibt spannend.
22. Oktober 2017, 08:00 Uhr
Das strittige Projekt für die Social Media Scouts soll jungen Leute unter anderem vermitteln, über soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook für die Gemeinde und Feldataler Veranstaltungen zu werben. (Foto: Archiv)

Es ist ein Projekt, das von Anfang an unter keinem guten Stern stand. Seit einem Jahr streitet die Gemeindevertretung über die sogenannten Social Media Scouts (SMS). Sind sie die neuen Dorfretter oder sind die rund 86 000 Euro für das Projekt hinausgeworfenes Geld der Steuerzahler?

Darum geht es im Kern, aber auch darum, dass sich viele nicht richtig informiert fühlten, nicht wissen, was das Ganze soll. Immerhin hatte die Bundesanstalt für Ernährung und Landwirtschaft die Gemeinde unter 200 Mitbewerbern für das Projekt ausgewählt.

Jetzt hat sich im DGH Kestrich noch einmal der Haupt- und Finanzausschuss mit dem Thema befasst und zur Sitzung waren alle Vereine der Gemeinde geladen, die mit Jugendarbeit zu tun haben. Das Ergebnis: ein Vereinsvertreter (Rolf Schmidt von der Jugendhilfe Feldatal) und zwei junge Leute, dazu zwei Frauen, die sich im touristischen Arbeitskreis beteiligen und eine weitere Zuschauerin. Sie wollte »mal schauen, wie viele kommen, aber ich sehe nur zwei junge Leute. Wo sind denn die anderen alle?«

Viele Spekulationen

Woran hat’s gelegen? Dass sich die Jugend lieber auf dem Grünberger Gallusmarkt amüsiert? Dass sie nicht Bescheid wussten, weil die Gemeinde nicht auf Facebook oder Twitter aktiv ist? Dass die Gemeindepolitik auf Jugendliche extrem abschreckend wirkt? Dass junge Leute das Projekt für überflüssig halten? Die Spekulationen gingen in viele Richtungen. Ausschussvorsitzender Michael Bierbach (CDU) gab sich jedenfalls redlich Mühe, das Projekt detailliert vorzustellen, um eventuelle Informationsdefizite zu beheben.

Erster Beigeordneter Daniel Wolf teilte noch mit, dass der Arbeitsaufwand für die Gemeinde dafür schwer zu ermitteln ist. Man schätze ihn so auf einen Monat Arbeitszeit eines Mitarbeiters.

Monika Becker (FWG) verteidigte das Projekt. »Das bedeutet auch mehr als eine App und ein bisschen was im Internet machen, wie manche meinen.« Es gebe so viel Positives im Feldatal, das einfach besser vermarktet werden müsse. Karl-Friedrich Dörr (CDU) kritisierte unter anderem, dass bei solchen Projekten viel Geld an Planungsbüros gehe. Seine Kinder hätten das Vorhaben in einer Befragung für überflüssig erklärt »und eigentlich war es doch schon erledigt.« Zudem wisse man, dass es bei jungen Leuten oft eine Anfangseuphorie gibt, aber ein Vorhaben nicht bis zum Ende durchgehalten wird. Er warnte vor überzogenen Erwartungen. »Auch die Sternwarte hat uns leider nicht das gebracht, was wir uns davon erhofft haben.« Wenn das Interesse wirklich da wäre, »müssten heute abend 100 hier Leute sitzen.« Enttäuscht vom geringen Interesse zeigt sich auch Michael Bierbach.

Über Ablehnung erschüttert

Hans-Werner Völzing (SPD) nannte das Vorhaben im Kern sehr gut, bei einem ausgeglichenen Haushalt wäre er sofort dafür gewesen. »Bei unserer desaströsen Haushaltslage geht es nicht.« Gabriele Geiß warb intensiv für das Projekt, es koste nur recht wenig und biete dafür große Chancen. »Ich bin erschüttert über die Ablehnung.« Endlich könne das Feldatal einmal zeigen, was es alles hat, und dann solle es an 12 500 Euro scheitern. Dass so wenig Interessenten gekommen waren, erklärt sie damit, »dass sie frustriert sind, weil das Projekt schon tot war.«

Rolf Schmidt (Jugendhilfe Feldatal) nannte das Projekt grundsätzlich gut. »Es rettet uns aber nicht.« Vieles daran sei aber lachhaft, auch die sogenannten Belohnungen in Form von PCs oder Notebook. Zudem seien junge Leute auch so in den sozialen Medien aktiv. Erster Beigeordneter Daniel Wolf sieht es entschieden anders. Aus seiner Sicht ist das Projekt kaputtgeredet beziehungsweise völlig falsch angegangen worden. Er selbst würde das Projekt gern machen und ehrenamtlich begleiten, sicherte er zu. Und die 12 5000 Euro würden die Gemeinde auch nicht rausreißen. Es sei schon so viel Geld »für nichts und wieder nichts verpulvert worden und hier könnten wir einen echten Mehrwert schaffen.« Und wie sieht die Empfehlung aus? Am Ende waren zwei Ausschussmitglieder für das Projekt, zwei dagegen, zwei enthielten sich, damit wäre es abgelehnt. Jetzt haben die Gemeindevertreter am 9. November das letzte Wort.

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