20. Oktober 2017, 08:00 Uhr

Beratungsstelle »Freiraum«

Hier finden Sie Hilfe bei Ängsten und Streit

Früher hatte der christliche Hintergrund einen Stellenwert, inzwischen kommen auch nicht religiös ausgerichtete Menschen in die Beratungsstelle »Freiraum«. Jetzt gab es einen Führungswechsel.
20. Oktober 2017, 08:00 Uhr
Der scheidende Leiter Bernhard Kuhl (l.) begrüßt seinen Nachfolger Günther Kreß. (Foto: sf)

Dieser Tage fand ein Leitungswechsel in der Beratungsstelle »Freiraum« des Chrischona-Werkes statt. Bernhard Kuhl, Jugend- und Eheberater, gibt nach 15 Jahren die Leitung in die Hände von Günther Kreß, Sozialpädagoge und Familientherapeut. Schwungvoll wurde der feierliche Nachmittag vom Auswahlchor begleitet. Ein kleiner Projekt-Chor hatte ein Lied für ihn gedichtet: »Psychokrise, Depression, Ehestreit, Disput, wir vom Freiraum kennen das – machen andern Mut.«

Bernhard Kuhl ließ seinen Werdegang Revue passieren und man spürte, dass es ihm nicht leicht fällt, Abschied zu nehmen. Krankheitsbedingt musste er sein Amt niederlegen. Als im Jahr 1988 die »Christliche Beratungsstelle« in Mücke ihre Arbeit begann, lebte man im »Jahrzehnt der Angst«. Politisch herrschte der »Kalte Krieg«, die atomare Bedrohung war spürbar, der eiserne Vorhang verbreitete Kälte, das Waldsterben nahm bedrohliche Züge an, und wissenschaftliche Untersuchungen sprachen vom baldigen Weltende. Auffallend war, dass in diesen Jahren Angststörungen und Depressionen gesellschaftsübergreifend zunahmen. Diese Angst war vermehrt auch in den christlichen Gemeinden spürbar.

Das Dilemma war: Zum einen gab es nicht genügend Therapeuten, um diesen Ängsten begegnen zu können, zum anderen bestand bei religiös geprägten Menschen ein großer Vorbehalt gegenüber »weltlichen Therapien«. Nicht selten empfanden sie es so, als müsste ihr Glaube erst einmal weg therapiert werden, bevor man an die eigentlichen Störungen kam. In diese Stimmung hinein beschloss das Chrischona-Gemeinschaftswerk in Gießen, eine eigene Beratungsarbeit zu installieren, um diesem Dilemma fachlich zu begegnen. Der Gründer der Beratungsstelle, Heinrich Kaufmann, wurde für diese Arbeit freigestellt, bildete sich entsprechend weiter und begann mit der Beratungsarbeit im November 1988.

 

Christen genießen Vertrauen

 

Bereits zwei Jahre vorher unterhielt man eine Beratungsstelle in Gießen, die vor allem mit Ehrenamtlichen besetzt war. Den Standort Mücke wählte man, weil mit dem »Flensunger Hof« ein Seminarhaus zur Verfügung stand. Die »Christliche Beratungsstelle Mücke« war jedoch nicht nur Anlaufpunkt für Christen, sondern Menschen unterschiedlichster Hintergründe nutzten das Angebot. Viele äußerten: »Christ bin ich keineswegs, aber ich vertraue denen, die sich so bezeichnen.« Niemals wollte die Beratungsstelle Konkurrenz zu den Kirchen (z.B. Seelsorge der Pfarrer) sein, sondern sie stand zwischen den Kernbereichen Seelsorge einerseits und Therapie andererseits. Die Arbeit boomte. Es kamen zum Teil ehrenamtliche Mitarbeiter, aber auch Honorarkräfte zum Team dazu. Das Team hatte durchgehend Supervision, um den Teamgeist zu reflektieren und die Arbeit zu evaluieren. Dabei bildete man sich nicht nur selber weiter, sondern installierte auch ein Ausbildungsprogramm, um Mitarbeiter für die semiprofessionelle Seelsorge in den Gemeinden zu schulen.

Depressionen, Angststörungen, Beziehungskonflikte, Ehe- und Paarberatung, Erziehungsberatung, usw. waren die Schwerpunktthemen der ersten Jahre. 1997 kam Bernhard Kuhl als zweiter vollzeitlicher Mitarbeiter ins Team, das zu diesem Zeitpunkt aus acht Personen bestand. Als ausgebildeter Eheberater (DAJEB) entwickelte er ein Angebot, das auf Paare zugeschnitten war. 2002 übernahm Bernhard Kuhl die Leitung von Heinrich Kaufmann.

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