12. Oktober 2017, 19:29 Uhr

Wer’s glaubt, wird selig

12. Oktober 2017, 19:29 Uhr
»Viele Redewendungen kommen aus der Bibel«: Neben einer Figur von »Luther« Referent Adolf Wallbott und Seniorenbeiratsvorsitzender Peter Krug. (Foto: eva)

Im Rahmen der Kulturwochen hatte der Seniorenbeirat zum Vortrag »Wer’s glaubt, wird selig – Martin Luther und die deutsche Sprache« in den evangelischen Gemeindesaal in Nieder-Gemünden eingeladen. Als Referent der sehr gut besuchten Veranstaltung begrüßte Seniorenbeiratsvorsitzender Peter Krug Adolf Wallbott aus Fernwald.

Eine ganze Reihe von Redensarten und Redewendungen, die heute noch zum alltäglichen Sprachgebrauch gehören, gehen auf die Texte der Bibel oder deren Übersetzungen zurück. Vor allem die Übersetzung der Bibel von Martin Luther hat die deutsche Sprache geprägt. Manche Wendung geht auf exakt zu benennende Bibelstellen zurück, wobei aber oft die Herkunft aus der Bibel nicht mehr zu erkennen ist, weil sich die Aussagen inzwischen »verweltlicht« haben.

»Wer’s glaubt wird selig«, diese bekannte Redensart wird man so in der Bibel nicht finden, erklärte Wallbott. Wie es im Markus-Evangelium steht, beauftragte Jesus seine Jünger: »Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden, wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.« Sage man heute »wer’s glaubt wird selig«, vermittele dies den Eindruck, dass man Versprechen nicht glaubt. Damit werde die Formulierung aus der Bibel aber missbraucht, um eine ganz andere Aussage zu treffen.

»Es gibt viele solcher Redewendungen, die aus der Bibel stammen, aber heute gebraucht werden, um einen Sachverhalt bildhaft zum Ausdruck zu bringen, ohne dass der Bezug zur Bibel direkt hergestellt wird«, sagte Wallbott und hatte noch einige solcher Beispiele. So heißt unter anderem »im Adamskostüm dastehen« so viel wie völlig unbekleidet sein. Es werde auch immer nur vom »Adamskostüm«, jedoch nicht vom »Evakostüm« gesprochen. Die Bezeichung »Adamsapfel« für einen auffälligen Kehlkopf gehe auf den Volksglauben zurück, dass Adam beim Sündenfall der verbotene Apfel im Hals stecken geblieben ist und Männer daher mit diesem Mal gekennzeichnet sind. »Der menschliche Körper und vor allem einige Körperteile und Organe spielen in der Bibel eine besondere Rolle, wenn es um sprichwörtliche Redensarten geht«, sagte Wallbott. Als besonderes Organ sei das Auge zu nennen. Man sage zum Beispiel, jemanden »wie seinen Augapfel hüten«, also besonders auf ihn aufpassen. »Mit Blindheit geschlagen sein«, also das Naheliegende nicht zu erkennen, darum geht es im 1. Buch Moses. Das Auge ist wichtig zum Überleben, wenn man es verliert, muss man »im Dunkeln tappen«.

Adolf Wallbott hatte noch zahlreiche bekannte Redensarten im Gepäck, deren Bezug zur Bibel sicher oftmals erstaunten. So unter anderem »Er soll mir nicht mehr unter die Augen kommen«, jemanden »auf Herz und Nieren prüfen«, »was das Herz begehrt«, »sich etwas zu Herzen nehmen« sowie »aus dem Herzen keine Mördergrube machen«, »Gift und Galle spucken«, oder gar »Perlen vor die Säue werfen«, wozu es in der Bibel heißt: »Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben und eure Perlen nicht vor die Säue werfen, auf dass sie dieselben nicht zertreten mit ihren Füßen und sich wenden und euch zerreißen«. Diese Redewendung wird heute vor allem benutzt, wenn von Menschen gute Ratschläge nicht ernst genommen werden.

Die rund 40 Besucher, die während des Vortrages von den Mitgliedern des Seniorenbeirates mit Kaffee und Kuchen verköstigt wurden, waren am Ende von dem Vortrag regelrecht begeistert.

»Einige fragten mich, warum denn der Vortrag schon nach einer Stunde zu Ende war. Sie hätten gerne noch länger zugehört«, sagte Peter Krug, der sich bei Adolf Wallbott mit der Überreichung des Gemündener Heimatbuches für den lebendigen Vortrag bedankte.

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