24. September 2017, 05:00 Uhr

Steile Karriere

Ein Millionär aus Erbenhausen

Heinrich Weber gelangte einst als Baumeister des Jugendstils speziell in Darmstadt zu großem Ansehen. An seinem Lebensabend hatte er 19 Villen. Geboren wurde er im ärmlichen Erbenhausen.
24. September 2017, 05:00 Uhr

Auch aus kleinen Dörfern können Genies hervorgehen. Dorfgeschichten erzählen von diesen Menschen, die erstaunliche Erfindungen oder Entdeckungen vollbracht haben. Die meisten sind heute vergessen. Aber manche sind auch in Erinnerung geblieben. So hat in dem kleinen Dorf Erbenhausen vor über 100 Jahren ein Bauernbub eine unglaubliche Karriere hingelegt.

Der kleine Junge wurde im Jahr 1879 geboren, seine Eltern mit Familiennamen Weber nannten ihn Heinrich. In der Kirchbergstraße 52 wuchs er wohlbehütet auf. Im benachbarten Homberg erlernte der Junge das Bau- und Zimmerhandwerk. Sein besonderes handwerkliches Können fiel dem Lehrherren und den Kunden schnell auf und sprach sich herum. Man empfahl ihn nach Darmstadt. Dort gelangte gerade der Jugendstil zu seiner vollen Blüte und faszinierte ganz Europa. Das betraf Möbel, Wohnaccessoires und vor allem Architektur. Der Erbenhausener Bub Heinrich Weber fand nun Eingang in Architekten-, Künstler- und Ingenieurskreise. Er erhielt Einladungen von Professoren sowie deren Familien und unternahm Reisen, gründete Architekturbüros und Baugeschäfte. Ab und zu besuchte er noch sein Heimatdorf Erbenhausen.

19 Villen gehörten ihm

Bei einem erlesenen Abendessen in Darmstadt lernte er dann seine spätere Frau, das Fräulein Emilie Stockhecke kennen. Sein Geschäft mit dem bauen von Gebäuden florierte. Millionärsgattinnen »bestellten« sich ihre Häuser bei ihm. In weitem Umkreis bewunderte man seine stilsicheren Entwürfe, die den Jugendstil auf das Feinste umsetzten.

Sein Ansehen wuchs und sein Bankkonto ebenso. Nach der Heirat zog Weber zu den Schwiegereltern nach Solingen. Im höheren Lebensalter gehörten ihm 19 Villen. Nach seinem beispiellosen Aufstieg starb der Baumeister und Architekt Heinrich Weber im Alter von 68 Jahren. Von seiner Familie lebt niemand mehr in Erbenhausen.

Dagmar Dörner hat in der Reihe der »Offenbacher Editionen im Jahr 2006 ein Buch zum Thema heraus gebracht. Es beschäftigt sich allerdings vorwiegend mit den Menschen und ihrer Lebensweise in den beiden Weltkriegen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

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