15. September 2017, 12:00 Uhr

Renovierung

Museum leuchtet in Rot

Eine Betonplatte im Fachwerkhaus – das kann nicht gut gehen. Und auch sonst wird bei der Renovierung einiges anders: Jetzt wird das Neurathhaus in Alsfeld Rot statt Grün.
15. September 2017, 12:00 Uhr
Die Balken werden rot, die Schnitzereien braun-orange, wie Ansgar Brockmann (r.) beim Ortstermin mit Bürgermeister Stephan Paule (l.) und Bauamtschef Bernhard Hofmann erläutert. (Fotos: jol)

Alsfelder und Besucher haben sich daran gewöhnt, dass seit drei Jahren die eine Hälfte des Regionalmuseums in Folie verpackt ist. Im Dezember werden sie wieder den gewohnten Anblick des Neurathhauses haben können. Dann allerdings in rot, denn die bislang grün gestrichenen Balken werden rot, wie es zur Bauzeit in der Renaissance üblich war. In den letzten drei Jahren ist das stark ramponierte Fachwerk komplett zurück- und wieder fachgerecht neu ausgebaut worden, wie kürzlich bei einem Pressetermin deutlich wurde.

Eigentlich wollte die Stadt vor drei Jahren nur die Fassade des mächtigen Fachwerkgebäudes instand setzen, wie Bürgermeister Stephan Paule sagte. Aber die Schäden waren viel größer, als man zunächst angenommen hatte. »Wir mussten das Neurathhaus vollständig entkernen.« Michael Hölscher vom Bauamt verwies darauf, dass »unglaublich viele Dinge« gefunden wurden und mit der Denkmalpflege abgearbeitet werden mussten. Ein Beispiel war der Boden im dritten Obergeschoss, der mit einer Betonplatte versiegelt war. »Das ist ein massives bauphysikalisches Problem, denn die Luft von unten kondensiert unter der kalten Betonplatte,« wie Bauleiter Florian Hönig erläuterte. In der Folge sind die Balkenköpfe verrottet, die Decke hing gleichsam in der Luft.

In handwerklich sehr sauberer Arbeit ist das Fachwerkhaus wieder hergestellt worden, lobte Bezirks-Denkmalpfleger Ansgar Brockmann. Inzwischen wurden Fachwerk und Fachungen mit passenden Materialien ergänzt, nun nehme man die Farbgestaltung in Angriff. Kopfzerbrechen bereitet die Beschichtung der Balken mit dem Farbton umbra, einem Grünton, der bei der Sanierung von 1973 bis 1977 gewählt wurde. E

in Restaurator hat die Farbschichten auf den Balken der Fassade eingehend untersucht und stieß auf rot. »Das Fachwerk war erst rot, dann grau-blau und rotbraun und wurde später zugeputzt,« erläuterte Brockmann. Schnitzereien wie gedrehte Säulen und Engelköpfe waren vermutlich »farbig abgesetzt«, der Originalton ist aber nicht erkennbar. Deshalb entschieden die Verantwortlichen, die Balken in rot und die Schnitzereien in braun-orange zu fassen.

Beim Ausbau des großen Fachwerkbaus wird viel Wert auf materialgerechte Arbeit gelegt. Denn wenn Feuchtigkeit eindringt und nicht abtrocknen kann, werden die Balken von Fassade und Decken zerstört, sagte Brockmann. Zudem muss in einem öffentlichen Bau auch an Brandschutz und den Einbau eines Aufzugs gedacht werden. Bernhard Hofmann vom Kreisbauamt lobte die fachgerechte Sanierung.

Die handwerklich saubere Arbeit sorge für eine nachhaltige Sicherung des alten Gebäudes. Nun werden die neuen Fenster eingebaut, im Inneren laufen die Arbeiten am Aufzug, kündigte Hölscher an. Ziel ist es, im Dezember, das Baugerüst an zwei Seiten abzunehmen. Mitte nächsten Jahres hofft Hölscher auf den Abbau des Gerüsts an der letzten Seite.

Dann wird es auch an den Innenausbau in Abstimmung mit dem Museumsplaner gehen. Stephan Paule lobte besonders die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Geschichts- und Museumsverein sowie dem hessischen Museumsverband. »Da entsteht ein modernes Museum.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Museen und Galerien
  • Rot
  • Schnitzerei
  • Stephan Paule
  • Alsfeld
  • Joachim Legatis
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos