13. September 2017, 20:04 Uhr

Vieles besser machen

Mit Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl will Andreas Sommer die Diskussionskultur in der Politik verbessern, wenn er Bürgermeister wird. Deshalb sieht der unabhängige Bewerber bei einem Wahlsieg kein Manko in der Koalition aus FW und SPD, während ihn CDU und Grünen unterstützen. Die Kraft holt sich der gelernte Förster beim Entspannen in Garten und Natur sowie bei Bergwanderungen rund um Königsee und Watzmann.
13. September 2017, 20:04 Uhr
Andreas Sommer möchte neuer Bürgermeister in Mücke werden. (Foto: pm)

Hatten Sie vor dem stressigen Wahlkampf einen angenehmen Sommerurlaub?

Andreas Sommer: Ja, ich hatte einen entspannenden Urlaub in Österreich, in Wien. Wir haben die Kaffeehausatmosphäre genossen, meine Frau eine Melange, ich einen kleinen Braunen. Außerdem gefallen mir die Friedhöfe dort. Wir haben auf dem Zentralfriedhof die Gräber von Persönlichkeiten wie Falco und Udo Jürgens besucht.

Was macht der Wahlkampf? Sie plakatieren, machen Hausbesuche. Was unternehmen Sie noch zur Werbung?

Sommer: Seit etwa neun Wochen mache ich Hausbesuche. Nach der Arbeit gehe ich zwischen 17 und 19 Uhr von Haustür zu Haustür, denn später würde ich die Leute stören. 14 Tage vor der Wahl habe ich Urlaub, dann kann ich auch tagsüber werben. Zudem biete ich sieben Gesprächsabende in zentralen Ortsteilen an. So kann mich jeder kennenlernen.

Wie werden Sie an der Haustüre empfangen? Haben Sie ein erstes Stimmungsbild?

Sommer: Viele sagen: »Schön, Sie mal zu sehen.« Es ist auch Freude auf einen Wechsel erkennbar. Hinweise kommen zu Mängeln in der Infrastruktur, etwa zu Schäden an Straßen und Gehwegen.

Nach den vielen Kontakten – wissen Sie schon, wo den Mücker der Schuh drückt?

Sommer: Die Vereine müssen mehr beteiligt werden, sie müssen das Gefühl haben, dass ihr Engagement anerkannt wird. Beispielsweise wird das Backhaus in Ober-Ohmen rege genutzt, aber der Ofen ist schadhaft. Das könnte man mit geringem Aufwand beheben. Die Kinderbetreuungsstätte Sellnrod ist ein anderes Beispiel. Dort haben sich sehr viele Eltern und Großeltern eingesetzt. Die Nachfrage ist so groß, dass jetzt die dritte Tagesmutter beginnt. Aber die Ehrenamtler dort haben das Gefühl, dass sie das trotz der Gemeinde auf den Weg gebracht haben. Der Bürgermeister muss Ideen zulassen, und dafür bedarf es Einfühlungsvermögens. Auch die Bürgergenossenschaft Hallenbad ist ein sehr gutes Beispiel für Engagement. Wobei ich klarstellen muss, dass ein Verlustausgleich von der Gemeinde nicht in jeder Höhe übernommen werden kann.

Sie wollen den Bürgern mehr Mitsprache geben, sie mehr einbinden. Das Projekt Mücke 2020 hatte mal mit vielen Besuchern begonnen, dann ließ das Interesse nach. Wie wollen Sie gegensteuern?

Sommer: Natürlich gibt es bei jeder Aktion eine Anfangseuphorie. Deshalb muss man als Bürgermeister dazu beitragen, die Gruppen am Leben zu halten. Dazu ist Motivation nötig. Und wenn sich Arbeitskreise bilden, müssen die betreut werden. Es muss zu den die Gemeinde betreffenden Themen mehr Info-Veranstaltungen geben. Und der Bürgermeister muss sich auch um Förderungen kümmern. Beispiel ist der Windhainer See. Dazu hätte es eine 100-prozentige Förderung gegeben, aber das wurde vom Bürgermeister abgelehnt. Ganz grundsätzlich ist es nötig, dass man sich als Bürgermeister um die jeweils aktuellen Fördertöpfe kümmert.

Wie kann man sich die Info-Veranstaltungen in der Gemeinde vorstellen?

Sommer: Nehmen wir das Beispiel Windenergie. Wenn irgendwo gebaut oder was verändert wird, kann man die Bürger gezielt informieren. Das öffentliche Auslegen von Unterlagen ersetzt das nicht. Niemand wird sich durch 5 Meter Leitz-Ordner kämpfen.

Apropos Windkraft. In Mücke wurden in den letzten Jahren viele Anlagen gebaut, etwa bei Ober-Ohmen, die hohen Anlagen der neuen Generation stehen jetzt bei Atzenhain. Wie ist Ihre Haltung dazu?

Sommer: Generell stehe ich der Windenergie positiv gegenüber. Werden sie nicht mehr genutzt, können sie störungsfrei abgebaut werden. Für den Forst bewirken Windkraftanlagen auch etwas Positives, denn auf den Ausgleichsflächen legen wir fehlende Eichenbestände an. Für den Vogelsberg meine ich, dass es nicht mehr Anlagen sein sollten. Schaut man mal in den Taunus, so herrscht dort die gleiche Windhöffigkeit, aber es stehen kaum Anlagen dort.

Sie haben verlautet, dass in der Verwaltung Verbesserungen greifen müssen. Was meinen Sie damit?

Sommer: Der Mensch muss mehr im Mittelpunkt stehen. Die Bediensteten in der Verwaltung sind sehr belastet, es gibt auch Fälle von Mobbing. Außerdem werde ich Sprechstunden des Bürgermeisters einführen.

Sie wollen nicht alles anders, aber vieles besser machen. Wie seht das aus bei der Dorfentwicklung, den Ortsbeiräten und der ärztlicher Versorgung?

Sommer: Was die Leerstände in den Ortsteilen anlangt, so müsste ein Liegenschaftskataster aufgestellt werden. Es gibt Beispiele, dass Altbauten abgerissen wurden, um Platz für moderne Häuser zu machen. Da muss die Denkmalpflege mitspielen, die Dörfer dürfen nicht zum Fachwerkmuseum verkommen. Die Verwaltung muss helfen, auch wenn das eine zusätzliche Arbeit bedeutet. Ich würde das auch betreuen, mir liegt das von meiner seitherigen Arbeit her. Die Ortsbeiräte müssen mehr eingebunden als nur gehört werden. Sie sollten einen eigenen kleinen Haushalt nutzen können. So kann man auch das Ehrenamt unterstützen, denn in den Ortsbeiräten wirken Aktivposten des Dorfes. Zur Stabilisierung der ärztlichen Versorgung muss man mit allen Ärzten reden, die Niederlassung von Interessenten unterstützen, etwa indem man bei der Wohnungssuche behilflich ist. Zudem könnte man Fahrten in die Sprechstunden organisieren, montags zu Arzt X, dienstags zu Arzt Y.

Wo sehen Sie Mücke bei der interkommunalen Zusammenarbeit?

Sommer: Für eine Fusion ist Mücke zu groß. Kooperieren kann man sicher in den verschiedensten Bereichen.

Die Gemeinde hat den Bahnhof Mücke erworben: Wie könnte der in sechs Jahren genutzt werden?

Sommer: Man kann ihn sicher als Ergänzung des kulturellen Angebotes im Aquariohm verwenden. Und er böte Raum, dem Kunstturm Mücke mehr zu bieten als die gegebenen, beengten Verhältnisse.

Was reizt Sie als 54-Jähriger an der hohen Belastung des Bürgermeisteramtes?

Sommer: Ich habe Lust auf die große Aufgabe. Es wäre eine tolle Herausforderung.

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