12. September 2017, 08:00 Uhr

Neue Masche

Vorsicht, wenn der Dachhai klingelt

Ihr Ruf ist zweifelhaft – mal nennt man sie »Asphalt-Mafia«, mal »Dachhaie«. Und besonders gern sind die Trupps auf dem Land unterwegs. Im Vogelsberg klingeln sie oft bei älteren Leuten.
12. September 2017, 08:00 Uhr
Wenn jemand vor der Tür steht und mal eben das Dach neu decken will, sollte der Hausbesitzer hellhörig werden. (Foto: dpa)

Selbst würden sie sich selbstverständlich ordentliche Handwerker oder Arbeiter nennen, die auf der Suche nach einem lukrativen Job sind. Und natürlich gibt es unter ihnen etliche, die für einen ordentlichen Preis solide Arbeit anbieten. Dennoch gibt es immer wieder Hinweise, dass Reparaturen unterm Strich zu teuer ausfallen. Die Alsfelder Allgemeine Zeitung erreichte jetzt ein Hinweis aus Feldatal, dass Vertreter des reisenden Gewerbes unliebsam in Erscheinung getreten sind.

Mitarbeiter der Volksbank Feldatal waren hellhörig geworden, nachdem zwei langjährige Kunden kurzfristig recht viel Bargeld abheben wollten. Im Gespräch ergab sich der Hintergrund. Stefan Wiederspahn vom Vorstand der Bank hat sich inzwischen über das Geschäftsgebaren näher informiert und bittet darum, vor den durchreisenden Handwerkern zu warnen. »Gerade alte Leute werden oft überrumpelt.«

Offenkundig machten sich die Handwerker an alte Menschen auf dem Land heran, um sie mit einer überteuerten Rechnung für Arbeiten an Haus oder Hof über den Tisch zu ziehen. Vor einigen Jahren waren es häufig irische Teerkolonnen, inzwischen sind es öfter Handwerker aus Osteuropa, die anbieten, das Dach zu reparieren oder neu zu decken.

 

Rechnung plötzlich niedriger

 

Oft suchen sie gezielt nach Wohngebieten mit vielen alten Häusern, der Vogelsbergkreis scheint sich hier anzubieten. Es gibt in vielen Dörfern alte Gehöfte und Häuser, in denen ältere oder allein stehende Menschen wohnen. Oft haben diese gar nicht Absicht, etwas reparieren zu lassen. Entweder weil sie die Schäden noch nicht bemerkt haben oder weil unter Umständen gar kein Schaden vorliegt. Genau das wird aber von den Arbeitern suggeriert, wenn sie an der Haustür klingeln.

Mitunter machen die Dachdecker den Eigentümern Angst, dass gravierende Folgen drohen, wenn die Schäden nicht umgehend repariert werden.

Die ahnungslosen Eigentümer willigen meist ein und erteilen den Auftrag. Wenn die Rechnung in bar beglichen werden soll, ist diese nicht selten ein happiges Sümmchen fällig. So wurden in einem der Fälle aus dem Feldatal für zwei Tage Arbeit am Dach 25 000 Euro in Rechnung gestellt. Meistens sind es Handwerker, die einen sogenannten Reisegewerbeschein haben, mit dem sie ihre Dienste anbieten können. Doch ihre Methoden sind oft nicht zimperlich und recht rüde. So geht Wiederspahn nach allem, was er gehört hat, davon aus, dass »die Leute massiv unter Druck gesetzt werden.

So wurde ihnen gesagt, sie müssten sofort zur Bank gehen und das Geld holen.« In diesem Fall sah sich der Rentner mit sieben Handwerkern aus Polen konfrontiert. Im ersten Anlauf hatte der Kunde 7500 Euro in bar abgehoben, wenige Stunden später wollte er dann noch einmal 17 000 Euro haben. Das kam den Bankmitarbeitern, die ihre Kunden meist über viele Jahre kennen, etwas seltsam vor. Denn auch beim berüchtigten Enkeltrick werden gern hohe Beträge von älteren Leuten gefordert, die bar übergeben werden sollen.

Eine Kontrolle der Polizei ergab übrigens, dass im Prinzip »alles im grünen Bereich« war, wie es ein Schutzmann formulierte. Die Kolonne aus sieben Mann konnte das notwendige Dokument für das Reisegewerbe vorzeigen. »Für uns gab es keinen Grund einzuschreiten,« sagte ein Polizeivertreter. Allerdings hatte die Handwerker offenbar doch kurzerhand eine »Eingebung« erreicht. Denn der Rechnungsbetrag, den der Feldataler zahlen sollte, wurde noch deutlich nach unten korrigiert. Die Sache war halbwegs glimpflich abgelaufen. Dennoch will die Volksbank Feldatal ihre Kunden jetzt mit einem Aushang in der Bank vor diesen »Haustürgeschäften« warnen.

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