10. September 2017, 20:22 Uhr

Im Gespräch überfahren

10. September 2017, 20:22 Uhr
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Aus der Redaktion
Zu viele Passanten sind an Straßen vom Smartphone abgelenkt, wie Gerd Wegel vom ACE am Ludwigsplatz in Alsfeld feststellt. (Foto: pm)

WhatsApp, Facebook, Twitter, Nachrichten und Apps: Augen, Ohren und Gedanken sind bei vielen Fußgängern nicht bei der Sache, wenn sie eine Straße überqueren. So amüsant der Anblick der in ihr Smartphone vertieften Zeitgenossen auch manchmal ist, so gefährlich ist doch dieser fragwürdige Trend. Und das, obwohl sie die schwächsten Verkehrsteilnehmer sind – innerorts stellen sie 60 Prozent aller Verkehrstoten dar. Deshalb machte der ACE, Deutschlands zweitgrößter Autoclub, im Rahmen der Verkehrssicherheits-Aktion »Finger weg!« Fußgänger in Alsfeld auf die Gefahr durch Ablenkung im Straßenverkehr aufmerksam.

Hintergrund sind stagnierende Unfallzahlen in den vergangenen Jahren. Insgesamt 31 589 Fußgänger verunglückten im Jahr 2015 im Straßenverkehr, 534 davon tödlich. Mehr als jeder zehnte Tote im Straßenverkehr war ein Fußgänger. Zu den Gründen für Unfälle zählten neben der Rotlicht-Missachtung, mit etwa 40 Prozent die häufigste Unfallursache, auch die Tatsache, dass sich immer mehr Fußgänger im Straßenverkehr abkapseln. Mit Kopfhörern auf den Ohren und dem Blick aufs Smartphone können sie beim Laufen das Verkehrsgeschehen kaum noch wahrnehmen.

Die Aktion in Alsfeld bestätigt diesen Trend, wie der ACE bilanziert. Von 175 Fußgängern waren 33 mit dem Handy oder Smartphone beschäftigt, bei Kindern und Jugendlichen lag die Quote sogar bei 21 Prozent. Bei der 60-minütigen-Zählaktion an dem Beobachtungspunkt Schellengasse/Obergasse in Alsfeld wurden die ehrenamtlich engagierten Mitglieder des Kreisverbandes Mittelhessen, Gerd Wegel und Hans-Jürgen Funk, vom ACE-Club-Mitarbeiter Uwe Völker tatkräftig unterstützt. Im Einzelnen stellten sie fest, dass rund 21 % der Männer (10 von 38) und 14 % der Frauen (9 von 54) mit dem Handy telefonierten oder mit Kopfhörer abgelenkt waren. Bei den Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre fielen beim Überqueren der Ampel die Prozent-Quoten wie folgt aus: Rund 15 % der Jungen (6 von 33) und 32 % bei den Mädchen (8 von 17) waren mit dem Smartphone abgelenkt.

»Jeder spricht vom Multitasking, doch es handelt sich dabei um einen gefährlichen Mythos: Niemand kann gleichzeitig Nachrichten checken und auf den Verkehr achten. Das ist ganz klar eine lebensgefährliche Selbstüberschätzung«, sagt Gerd Wegel, stellvertretender ACE Kreisvorsitzender Mittelhessen. »Mit unserer Aktion wollen wir einen Denkanstoß liefern.«

»Jeder hat sein Leben selbst in der Hand – besonders deutlich wird das, wenn man sieht, wie viele Fußgänger als ›Smombies‹ durch die Städte laufen. Mit unserer Aktion richten wir uns vor allem auch an Eltern und Erwachsene: Sie sollen Vorbild sein und Handys und Smartphones bewusst gebrauchen – oder im Zweifel eben auch einmal stecken lassen«, fügt Hans-Jürgen Funk, Kreisvorstandsmitglied im Kreisverband Mittelhessen an.



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