08. September 2017, 20:49 Uhr

Nachwuchs redet ein Wörtchen mit

08. September 2017, 20:49 Uhr
Der Vorstand des Kreisjugendparlaments Vogelsbergkreis mit (v. l.) Lea Möller, Hazeem Ahmed Bhatti, Thomas Schmidt und Leonie Hergert. Foto: Gaby Richter)

Erbitterten Parteien-Streit und politisches Machtstreben sind ihnen fremd. Die Mitglieder des KreisJugendparlaments (KJP) agieren nicht nach der politischen Farbenlehre, sie fühlen sich den Interessen ihrer Altersgenossen verpflichtet. »Bei uns gibt es keine parteipolitischen Diskussionen. Die Gesprächsatmosphäre schätze ich konstruktiver ein als in manchen Erwachsenen-Parlamenten. Wir versuchen gemeinsam, das Beste zu erreichen und an einem Strang zu ziehen«, sagt der Vorsitzende des KJP, Thomas Schmidt (18) aus Schlitz. Die Trend setzende Idee eines Gremiums zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen aus dem Landkreis feiert am heutigen Samstag 25-jähriges Bestehen. Bei seiner Gründung 1992 war es die erste politische Interessenvertretung auf Kreisebene in ganz Deutschland für den Nachwuchs. »Wir wollten neue Wege gehen in der politischen Jugendbildung. Mittlerweile ist das KJP eine ernsthafte Größe in der Kreispolitik. Der demografische Wandel zum Beispiel ist ohne die Jugend nicht zu gestalten«, sagt Silvia Lucas, Mitinitiatorin des KJP und Sachgebietsleiterin für Jugendbildung.

Das KJP bietet für die Heranwachsenden eine Chance zur Mitbestimmung. Sie können Themen, Ideen, Anregungen und Wünsche einbringen. Im Kreistag haben sie ein fest verankertes Antrags- und Rederecht. »Wenn es um regionale Entwicklungskonzepte geht, sind die KJP-Mitglieder unsere jugendlichen Sachverständigen. Sie haben schon viele Impulse gegeben«, erklärt Lucas.

Interessante Themen für die jungen Leute liegen vor allem im Bereich Bildung und Soziales, wenn es zum Beispiel um die Ausstattung von kommunalen Jugendräumen geht. Auch über Extremismus wird gesprochen. Ein Riesenthema ist der Öffentliche Personen-Nahverkehr (ÖPNV). »Als es um das Schülerticket ging, haben wir uns stark eingebracht«, sagt Schmidt. Denn für Jugendliche ist ein guter Busverkehr vor allem im ländlichen Raum extrem wichtig. Expertise ist von den Nachwuchspolitikern auch gefragt, wenn es um die Sanierung und Ausstattung von Schulen geht. Jugendparlamente gibt es in Hessen mittlerweile auch an anderen Orten. In den Städten Lauterbach und Schlitz sowie im Landkreis Marburg-Biedenkopf zum Beispiel.

Mitmachen können Schüler, die mindestens die 7. Klasse besuchen und zur Wahl noch nicht volljährig sind. Gewählt werden die bis zu 27 Vertreter der Kommunen an den Schulen. In Amt und Würden sind die Auserkorenen für zwei Jahre. Ihre Sacharbeit betreiben sie in Arbeitsgemeinschaften, vergleichbar mit Ausschüssen. Abgestimmt wird bei den Sitzungen, viermal im Jahr.

Experten begrüßen das Mitwirken von Jugendparlamenten im Politik-System. »Wenn ihnen Kompetenzen bei der Entscheidungsfindung eingeräumt werden, sind Jugendparlamente als Beteiligungsform eine sinnvolle Einrichtung«, sagt die Berliner Soziologin Katja Stephan der Deutschen Presse-Agentur. Der KJP-Vorsitzende im Vogelsberg betont, dass der Austausch nicht einseitig stattfinden müsse. »Die Erwachsenen-Politiker können sich bei uns auch anschauen, was für Themen die Jugendlichen umtreibt«, erklärt Schmidt. Das KJP will als Nächstes eine Info-Kampagne zum Thema Datenschutz auf die Beine stellen. »Das Thema wird zum Beispiel beim Surfen im Internet und dem Gebrauch von Social Media noch von vielen unterschätzt«, begründet Schmidt.

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