30. August 2017, 19:24 Uhr

Auf Luther mit einem »Trinity« anstoßen

30. August 2017, 19:24 Uhr
Die Theaterszenen zu den vier Eckpunkten der Reformation (Gnade, Glauben, Bibel, Christus) haben Jugendliche mit Denny Buhle, Matthias Schmidt und Pfarrer Markus Witznick in den Ferien erarbeitet und geprobt. (Foto: sf)

Am 19. und 20. August stand ganz Ober-Ohmen im Zeichen Martin Luthers. Alles begann mit einer Pilgerwanderung auf dem Lutherweg, die in der Kirche mit dem Segen ihren Anfang nahm. Über 80 Teilnehmer begaben sich mit Pilgerführerin Birgit Kurmis auf Schusters Rappen zu einem wunderschönen Ausblick oberhalb von Ober-Ohmen, wo Sitzgelegenheiten und Getränke warteten. Der älteste Teilnehmer war mit 86 Jahren Willi Weiß.

Den Abschluss erlebte die große Pilgergruppe erneut in der Kirche, um die herum ein buntes Markttreiben begonnen hatte. Kaffee und Kuchen wurden feilgeboten, ein Schmied beschlug vor den Augen der interessierten Zuschauer ein Pferd, zahlreiche Spiel- und Bastelangebote sowie das Kinderschminken luden ein, viele Mitarbeiter trugen mittelalterliche Gewänder.

Auch bei den Spiel- und Bastelaktionen wurde auf klassisches Material geachtet: Nadelfilzen, Ringwerfen und unzählige Holzklötze passten zum Motto.

Der Kindergarten unterstützte die Spielstationen tatkräftig. Für die Erwachsenen stand ein liebevoll und kreativ gestalteter Besinnungspfad bereit sowie gleich zwei Mal das Luther-Lieder-Singen mit Vikar Jörg Niesner im mittelalterlichen Turm der Kirche, dem ältesten Gebäude Ober-Ohmens. Jugendliche kamen beim Luther-Live-Escape-Room, einer Art Rätsel-Raum, bei dem ein Team gemeinsam eine Aufgabe rund um den Reformator zu lösen hatte, bei Denny Buhle und den Jugendlichen der Jugendscheune auf ihre Kosten. Für das leibliche Wohl sorgten bezüglich Kaffee und Kuchen die Kirchengemeinde und die Chrischona-Gemeinde gemeinsam. Die Getränke wurden vom Gaudi-Club organisiert und verkauft, für Bratwürstchen zeichnete der TSV verantwortlich und Hähnchenkeulen wurden von den Geflügelfreunden zubereitet.

Edith Schneider, Kirchenvorstandsvorsitzende, merkte nachher an: »Gerade die Tatsache, dass wir es gemeinsam gestemmt haben, hat dem Wochenende Strahlkraft gegeben.« Um 18 Uhr begann das Bühnenprogramm, durch das Gemeindepädagoge Denny Buhle führte. Eröffnet wurde das Programm durch festliche Klänge des Chrischona-Posaunenchors aus Unter-Seibertenrod. Bühnenreif wurden dann die 95 Thesen von Luther an eine Tür geschlagen – woraus sich das Gespräch Martin Luthers mit einem Menschen aus dem Jahr 2017 ergab. In 4 weiteren Theaterszenen machte Luther seine Erfahrungen mit der Gegenwart.

Mundartlieder à la Fäägmeel

So machte er Erfahrungen mit Bergsteigern, Handys als Navigationsgeräten und der Werbung im Fernsehen. Die Theaterszenen zu den vier Eckpunkten der Reformation (Gnade, Glauben, Bibel, Christus) hatten Jugendliche mit Denny Buhle, Matthias Schmidt und Pfarrer Markus Witznick in den Ferien erarbeitet, geprobt und dann uraufgeführt. Der Energy-Drink »Trinity« beispielsweise wird den Zuschauern wohl in Erinnerung bleiben. In einer Podiums-Interview-Runde sprachen Salome Schneider, Edith Schneider, Irmtraud Pfeil und Vikar Jörg Niesner sehr persönlich darüber, was die Reformation von vor 500 Jahren mit ihrem Alltag und Leben heute zu tun hat.

Musikalisch wurde der Abend weiterhin vom Gesangverein Ober-Ohmen gestaltet, der mit gemischtem Chor, Männerchor und Mixed Generation gleich drei Mal auftrat und passende Stücke zum Besten gab. Auch Peter Horst aus Sellnrod brachte sich musikalisch ein. Ganz nach dem Luther-Motto »dem Volk aus Maul geschaut« luden Mundart-Lieder der Gruppe Fäägmeel von ihm interpretiert zum Mitsingen ein. Weiterhin gaben Pfarrer Witznick und Gemeinschaftspastor Matthias Schmidt Einblicke in ihre persönlichen Berufungserfahrungen sowie in Eckpunkte und Aussagen Martin Luthers zur Reformation, wobei das Publikum einbezogen wurde. Mal mussten pantomimisch Begriffe dargestellt, mal der Nachbar massiert werden oder das Ende von Werbesprüchen erraten werden. Abgerundet wurde der Abend erneut vom Posaunenchor.

Ein abwechslungsreicher Tag mit durchgehend gutem Wetter und vielen Besuchern ging zu Ende. Das Luther-Wochenende fand seine Fortsetzung am Sonntagmorgen im Gottesdienst. Die neuen Konfirmanden hatten alle etwas mitgebracht, was zur Person passt. Der Erlös des Wochenendes soll anderen zugute kommen. So wurde entschieden, dass 50 Prozent einem Projekt des Ortes dienen sollen, von dem alle profitieren. Die Wahl fiel auf die Renovierung des Backhauses. Die andere Hälfte wird man einem Bildungsprojekt in Kambodscha zukommen lassen.

Wer sich noch im Nachhinein an das Wochenende erinnern möchte, der kann einen original Luther-Ober-Ohmen-Becher für sieben Euro bei Pfarrer Markus Witznick erwerben. Diese wurden bereits am Wochenende an Interessierte ausgegeben.

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