14. August 2017, 08:00 Uhr

Kulturwochen

Vier Saxofonisten zaubern den Sommer herbei

Mit ihrem virtuosen Saxofonspiel begeisterten am Samstagabend die Frauen vom Quartett Sistergold das Publikum in der Homberger Stadthalle.
14. August 2017, 08:00 Uhr
GKM
Tolle Musikalität und hoher Unterhaltungswert: Sistergold. (Foto: gkm)

Wegen des schlechten Wetters musste das Konzert hierher verlegt werden. Doch sie würden vermutlich mit ihrem charmant vorgetragenen Gute-Laune-Programm sogar in der Wüste Schatten spenden können. Die vier Musikerinnen passten sich souverän der Umwandlung ihrer Vorstellung von »open air« zu »indoor« an und kommentierten gelassen den fehlenden Sommer zu ihrem Sommerkonzert.

Doch es wäre gar nicht nötig gewesen, denn es dauerte nicht länger als einen Jazz-Klassiker oder, wie dessen Titel: »Take five« andeutet, fünf Minuten, um die Wetterlage vor der Tür vergessen zu machen.

Dass dies so blieb, dafür sorgte das von Beate Goßfelder-Michel von der Kulturinitiative angekündigte »grandiose Entertainment«. Mit ihrem Programm »Glanzstücke« sorgten Inken Röhrs (Sopransaxofon), Elisabeth Flämig (Altsaxofon), Sigrun Krüger (Tenorsaxofon) und Kerstin Röhn (Baritonsaxofon) dafür, dass schnell die ersten Fußspitzen mehr oder weniger im Takt mitwippten und mancher Kopf hin und her wiegte.

Die Musikerinnen, die seit 2009 als Quartett zusammenspielen, boten ein breites Repertoire an Stücken aus verschiedenen Stilrichtungen. Neben Jazz wurden Bezüge hergestellt zu Blues, Klezmer, Pop, Funk und klassischer Musik.

Die meisten Stücke sind selbst arrangiert oder komponiert. Wie eindrucksvoll es den vier gelingt, ein Stück saxofongerecht aufzubereiten, wurde deutlich anhand des Concerto D-Dur des Barock-Komponisten Georg Philipp Telemann. Aus einer gelungenen Komposition für vier Geigen haben sie ein noch gelungeneres Stück für vier Saxofone gemacht.

Dabei überzeugten die vier sowohl im präzisen Zusammenspiel als auch bei zahlreichen Solo-Passagen. Die angekündigte »Liebe zum Instrument, ein übereinstimmendes Verständnis von Musik und Humor und nicht zuletzt die Freundschaft« wurden für das Publikum deutlich spürbar.

Insbesondere wenn zwei der Musikerinnen sich mit ihren Instrumenten in einen Dialog begaben, zeigten sich diese Spielfreude und Kreativität. Besonderen Beifall spendeten die rund 160 Zuhörer den Soli. Große Begeisterung fand auch das virtuose Spiel der Soli im Backstage-Blues, den Wolfgang Schlüter für »Sistergold« arrangiert hat, von Elisabeth Flämig auf ihrem Altsaxofon, gefolgt von Inken Röhrs auf dem Sopransaxofon. Sigrun Krüger brillierte mit ihrem Tenorsaxofon solo in »Blondes Gift«, das Baritonfrau Kerstin Röhn komponiert hat.

Und jetzt Fingerschnipsen

Zum hohen Unterhaltungswert des Konzerts trugen neben den musikalischen Akzenten die pointierte Moderation, wechselweise durch Röhn und Röhrs, bei. Letztere zeichnete sich zudem mit einer Stepeinlage zu »Ain’t She Sweet« aus. Immer wieder ermunterte das Ensemble das Publikum, mitzumachen, etwa durch Fingerschnipsen zu »Hit the Road Jack«. Im Kontakt mit dem Publikum zeigte sich die Bühnenerfahrung des Quartetts. Neben ihrer musikalischen Ausbildung bringt jede ihr Hintergrundwissen aus den Bereichen Figurentheater, Improvisationstheater und Comedy ein.

Als »Glanzstücke« verstehen die vier Musikerinnen vor allem persönliche Lieblingsstücke. Welche Verbundenheit das bedeutet, wurde spürbar, als sie ein Stück des Buena Vista Social Club spielten. »Chan Chan« in einer rein instrumentalen Version ließ kubanisches Lebensgefühl erwachen, auch ohne den Gesang eines Ibrahim Ferrer.

Der anhaltende Applaus am Ende zeigte nicht nur, dass dieser kleine Ausflug in die Karibik in Anbetracht des real existierenden Wetters dankbar aufgenommen wurde, sondern auch dass es der Kulturinitiative und der Stadt erneut gelungen ist, ein herausragendes Ereignis zu organisieren – trotz widriger äußerer Umstände.

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