27. Juli 2017, 18:31 Uhr

Mehr unsichere Jobs

27. Juli 2017, 18:31 Uhr

Vogelsbergkreis (pm). Rund 17 300 Menschen im Vogelsbergkreis arbeiten in Teilzeit, Leiharbeit oder haben einen Minijob als alleiniges Einkommen. Damit ist der Anteil der sogenannten atypischen Beschäftigung an allen Arbeitsverhältnissen im vergangenen Jahr auf einen Rekordwert von 45 Prozent gestiegen. Das kritisiert die IG Bauen–Agrar–Umwelt (IG BAU).

Die Gewerkschaft beruft sich auf eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung, die die Entwicklung am Arbeitsmarkt im Vogelsbergkreis seit dem Jahr 2003 untersucht hat. Damals lag die Quote atypischer Jobs bei 36 Prozent. IG BAU-Bezirkschefin Doris Hammes spricht von einem »Alarmsignal an die Politik«: »Es kann nicht sein, dass wir einerseits einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben, aber andererseits so viele Menschen in prekären Verhältnissen arbeiten.« Hier sei »grundsätzlich etwas in Schieflage geraten«. Der unbefristete Vollzeit-Job müsse dringend wieder zum Normalfall werden, fordert die IG BAU Mittelhessen.

Nach Angaben der Böckler-Stiftung hat im Vogelsbergkreis besonders die Teilzeitbeschäftigung drastisch zugenommen: Arbeiteten 2003 noch etwa 5700 Erwerbstätige in Teilzeit, waren es 2016 bereits rund 9400 – ein Anstieg von 64 Prozent. »Gerade für Frauen ist es nach einer Familienpause schwer, wieder voll in den Beruf einzusteigen. Hier brauchen wir endlich ein verbrieftes Rückkehrrecht in Vollzeit«, fordert Hammes. Auch bei Minijobs gibt es der Studie zufolge keine Entwarnung.

Rund 7400 Menschen im Vogelsbergkreis waren 2016 ausschließlich geringfügig beschäftigt (2003: 6700). In der Gebäudereinigung machten Minijobs mittlerweile die Hälfte aller Arbeitsplätze aus. Auch hier seien es insbesondere Frauen, die nach einem Jobverlust oder einer Trennung oft schnell in Hartz IV abrutschten. Mit Blick auf die Bundestagswahl fordert die IG BAU von den Parteien klare Konzepte »gegen die Unwucht am Arbeitsmarkt«.

Dazu müsse die Abschaffung der Befristungen ohne sachlichen Grund genauso gehören wie die Einbeziehung von Minijobs in die Sozialversicherung. »Dabei sind auch die Arbeitgeber in der Pflicht. Statt aufs Billig-Prinzip sollten Chefs auf Kontinuität setzen«, betont Hammes.

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