16. Juni 2017, 18:58 Uhr

Spatenstich für zwei »Spargel«

Der Winterschlaf der Haselmaus musste erst abgewartet werden. Nun konnten die Spaten geschwungen werden. Auf »Kopf« und »Köppel« bei Ulrichstein werden weitere Windkraftanlagen gebaut.
16. Juni 2017, 18:58 Uhr
Erster Spatenstich in Ulrichstein für zwei weitere Windkraftanlagen, unter anderem mit Rainer Schwarz (3. v. r.), links daneben Dr. Hans-Peter Frank, Investor Andy Bohn und Edwin Schneider sowie weitere Firmenvertreter. (Foto: pm)

Fast fünf Jahre Vorplanung und eine aufwendige Umweltverträglichkeitsprüfung waren erforderlich, bis die Vorbereitungen zum Bau von zwei weiteren Windenergieanlagen am Standort Ulrichstein-Kopf und Köppel begonnen werden können und es nun zum ersten Spatenstich kam.

Das Regierungspräsidium hatte den Bau von zwei Anlagen vom Typ Enercon E 101 mit einem Rotordurchmesser von 101 Metern, einer Nabenhöhe von 149 Metern und einer Nennleistung von je drei Megawatt im Dezember 2016 genehmigt. Ende Februar ließ das Forstamt Schotten die Baumfällarbeiten erledigen. Bis Ende Juli finden die konkreten Vorbereitungen auf der Baustelle statt. Im August soll der Turmbau beginnen. Mit den Erdarbeiten wurde zum Schutz von Haselmäusen erst ab Mitte Mai nach dem Ende von deren Winterschlaf begonnen.

Investoren und Betreiber für das Projekt sind die ovag Energie AG aus Friedberg und der in Schwalmtal ansässige Unternehmer Andy Bohn, die gemeinsam eine Projektgesellschaft, die Windpark Kopf & Köppel GmbH & Co. KG gegründet haben. Schon mehrfach hatte die HessenEnergie, ein Tochterunternehmen der ovag Energie AG, mit Familie Bohn zusammengearbeitet. Diese Zusammenarbeit wurde beim Vorhaben in Ulrichstein jetzt weiter vertieft, betonen die gleichberechtigten Geschäftsführer der Projektgesellschaft, Dr. Hans-Peter Frank, Prokurist bei der ovag Energie AG, und Andy Bohn. Am ersten Spatenstich nahmen Vertreter der Vertragsparteien teil wie Rainer Schwarz, Vorstand der ovag Energie AG. Er erläuterte, das Großprojekt solle rund zehn Millionen Euro kosten. Für diesen Standort würden neben der für einen Mittelgebirgsstandort sehr guten Stromertragsprognose auch die bereits vorhandenen sieben bestehenden Anlagen westlich des neuen Windparks sprechen, zudem das vorhandene Wegenetz sowie die angrenzende Landesstraße.

Wiederaufforstung für Baumverlust

»Durch Nutzung gemeindeeigener Flächen, für die wir jährliche Pachterlöse erhalten, bleibt ein nennenswerter Teil der Wertschöpfung in der Kommune«, sagt Ulrichsteins Bürgermeister Edwin Schneider.

Die Auswirkungen auf die Allgemeinheit und die Nachbarschaft seien im aufwendigen Verfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) durch das Regierungspräsidium unter Beteiligung von mehr als 20 Trägern öffentlicher Belange geprüft worden. Dazugehören die Themen Naturschutz und Avifauna, Schall, Schattenwurf, Denkmal- und Gewässerschutz sowie Landschaftsbild, um nur einige zu nennen. Verschiedene Gutachten mussten vorgelegt werden. Von ursprünglich vier geplanten Anlagen lassen sich nach dem Verfahren nur zwei am Standort realisieren, sagte Hans-Peter Frank. »Aber mit der hier erwarteten Windstromproduktion von rund 16,4 Mio. kWh pro Jahr lässt sich rechnerisch der Stromverbrauch von jährlich zirka 4800 Haushalten decken.« Neben der Errichtung der Windenenergieanlagen sind die Verlegung der Anschlussleitungen zur Einspeisung des Stroms sowie der Bau der Zuwegung notwendig.

Nach dem Bau wird wieder aufgeforstet, aber einige Bereiche rund um die Anlagen und ein Teil der Zuwegung müssten baumfrei bleiben. »Für den Waldverlust finden Ersatzaufforstungen statt«, sagt Manuel Esterle. Eine ökologische Baubegleitung sorge dafür, dass der Eingriff in die Natur »schonend« erfolge. Damit nach der geplanten Betriebsdauer der Anlagen ein Rückbau sicher erfolgen kann, verlangt die Behörde eine Rückbaubürgschaft, welche die Investoren hinterlegen müssen. Voraussichtlich im Spätsommer sollen die beiden Anlagen errichtet werden und im Herbst in Betrieb gehen.

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