07. Juni 2017, 12:00 Uhr

Müll

Die Wegwerfer sind immer schneller

Alte Badezimmerkacheln, Schaufensterpuppen, Pfefferminzlikörflaschen. Wenn die Gemeindearbeiter in Mücke Müll einsammeln, dann kommen sie ins Staunen.
07. Juni 2017, 12:00 Uhr
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Von Rolf Schwickert
Über eine halbe Stunde lang säubern zwei Gemeindearbeiter mehrfach in der Woche am Bahnhof Bahnsteige und Umfeld. (Fotos: rs)

Das haben die Arbeiter des gemeindlichen Bauhofes auch noch nicht gefunden: Mit einer Art recht skurriler Schaufensterpuppe kommt Jürgen Werther aus dem Gebüsch am Pendlerparkplatz bei Atzenhain. Das Modell ist zwar kopflos, aber ganz ansprechend in Jeans-Optik gehalten, als liegender Blickfang konzipiert. Leider ist der rechte Unterschenkel kaputt, also ab ins Gebüsch damit. So mag ein Geschäftsinhaber gedacht haben, als er zufällig auf dem Parkplatz Rast machte und sich an die Puppe im Kofferraum erinnerte. Oder sollte er den Parkplatz absichtlich angesteuert, die Puppe bewusst ins Gebüsch gezerrt haben?

»Denen ist alles zuzutrauen«, sind sich Werther und sein Kollege Tobias Grün einig. »Denen«, das sind die Bürger, sicher viele Durchreisende, wenn man an die Lastwagenfahrer denkt. Aber mehrere Schubkarrenladungen Grünschnitt mit Laub oder die lindgrünen Kacheln der 1970er Jahre als Überbleibsel einer Badezimmerrenovierung? Es gibt wohl auch in der heimischen Region Menschen, die es nicht so mit einer geordneten Abfallbeseitigung haben.

Vom Mücker Bauhof in Nieder-Ohmen aus macht sich das Reinigungsteam täglich auf eine Säuberungstour. Neben den drei neu- ralgischen Punkten Industriegebiet Gottesrain, Pendlerparkplatz Atzenhain und Bahnhof Mücke betreuen sie in den zwölf Ortsteilen die Mülleimer an Straßen und Plätzen, auf den Friedhöfen und schauen sich die öffentlichen Grünanlagen nach Weggeworfenem an.

Überraschungen im hohen Gras

Montag morgen um 8 Uhr, die »Brennpunkttour« beginnt am Bauhof. Jürgen Werther und Tobias Grün fahren mit einem Pritschenwagen den Pendlerparkplatz, den Gottesrain und den Bahnhof an. Am Donnerstag der Vorwoche haben sie diese Plätze letztmals aufgesucht. Nach dem Wochenende ist zu erwarten, dass Reisende in ihren Fahrzeugen aufgeräumt haben, wieder überall Müll herumliegt. Am Pendlerparkplatz gehen die beiden Gemeindearbeiter an den Rändern mit Müllsack und Greifzange entlang, picken viel Verpackungsmüll, leere Becher und auch Flaschen (das Pfand scheint noch zu niedrig bemessen) auf. Erfahren wie sie sind, werfen die beiden Arbeiter auch immer wieder mal einen Blick ins angrenzende Gebüsch und werden mehrfach fündig. Die schon erwähnte Jeans-Schaufensterpuppe wird zutage gefördert, Grün reicht noch einen voluminösen Drucker heraus, offenbar ein älteres Modell.

Dann nehmen sich die Arbeiter die Ringstraße im Industriegebiet vor. Dort stehen üblicherweise viele Lastwagen aus Osteuropa, deren Fahrer sich einen gebührenpflichtigen Standplatz am Autohof nicht leisten können. An diesem Montag morgen ist es für Werther und Grün überraschend sauber, es stehen auch nur noch zwei Lastwagen am Straßenrand. Neben Verpackungsmüll von Lebensmitteln liegen viele Kaffeebecher herum, Medikamentenplister und eine OP-Haube, auf die sich die beiden Arbeiter keinen Reim machen können. Nicht ganz logisch erscheint auch, dass jemand seinen Abfall sorgsam in eine Plastiktüte verpackt und diese dann weggeworfen hat. Die leeren Flaschen von Ur-Köstritzer und Pfefferminzlikör häufen sich, je näher man dem Autohof kommt. Wenn das Gras am Straßenrand nicht so hoch ist, kommen die beiden Arbeiter mit der Reinigung gut zurecht, ist es höher werden sie mitunter von Hinterlassenschaften überrascht, die darauf hinweisen, dass der Gang zu einer Toilette zu beschwerlich war. Das ist auch im Umfeld des Mücker Bahnhofes ein Problem, zwischen den Büschen sieht man immer wieder einschlägige Überbleibsel. Dazwischen liegen Flaschen und Unmengen von Zigarettenstummeln. An der Lagerhalle, die sich in den letzten Monaten zu einem Treffpunkt junger Leute entwickelt hat, haben die Arbeiter zwei Müllsäcke aufgehängt, sie sind jedes Mal gut gefüllt, wenn der Reinigungstrupp vorbei kommt, und auch die Mülleimer auf dem Bahnsteig laufen über.

Als die Arbeiter weiter fahren sind alle Mülleimer geleert. Aber sie sind pessimistisch: Ihnen wird die Arbeit nicht ausgehen.



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