27. April 2017, 12:00 Uhr

Industrie

Roboter sollen bei FFT Jobs sichern helfen

Parallel zur Hannover-Messe rüstet sich der Mücker Anlagenbauer FFT für die nächste Stufe der technischen Weiterentwicklung. Mit einem cleveren Konzept will die Firma Arbeitsplätze sichern.
27. April 2017, 12:00 Uhr
Moderne Technik für die Industrie 4.0: Fertigungsleiter Bernd Orth erläutert einen Roboter von FFT zum Einsetzen von Heckscheiben im Auto. (Foto: jol)

Manfred Hahl nutzte den jüngsten Besuch von IHK-Präsident Rainer Schwarz (die AAZ berichtete), um die bedeutende Mücker Firma FFT vorzustellen. Weltweit arbeiten über 2200 Menschen für die Flexible Fertigungs-Technik, ein Unternehmen der Aton-Gruppe mit Sitz in München. Einen besonderen Schwerpunkt setzt der FFT-Geschäftsführer auf die künftige Entwicklung unter der Überschrift Industrie 4.0, die einen rasanten Wandel bringt. Deshalb müsse man die Leute qualifizieren, erläuterte er bei der Entgegennahme der Auszeichnung »Ausbildungsbetrieb 2016«.

Das gehe nach der Ausbildung weiter. So unterhält FFT in Fulda ein eigenes Berufsbildungszentrum. Das arbeitet eng mit dem Entwicklungszentrum des Unternehmens zusammen. Dabei scheut Hahl nicht davor zurück, Qualifikationen für andere Betriebe anzubieten: »Wir geben unser Wissen auch weiter.« Dadurch werde keine Konkurrenz herangezogen, denn zur Umsetzung des Wissens brauche man eine eigene Firmenphilosophie, – »und die haben wir«, gibt sich Hahl selbstbewusst.

Übrigens ist FFT weltweit auf drei Standorte verteilt, das Knowhow wird mit den Zentralen in Mexiko und im chinesischen Shanghai geteilt. Die Mitarbeiter an allen Standorten profitieren vom Wissen, das im globalen Unternehmen anfällt, dazu zählt Hahl rund 180 Patente, die FFT hält.

Dabei betreiben die Entwicklungs-Ingenieure keine Grundlagenforschung. Die Entwicklungen sind für die Praxis gedacht. »Das Ziel ist es, die gleiche Qualität zu bieten, aber 30 Prozent billiger.« FFT ist Entwickler und Hersteller von kompletten Fertigungsanlagen für die Auto- und Flugzeugindustrie. Es werden Produktionsstraßen und Arbeitsstationen für namhafte Pkw-Firmen, für Airbus und Boeing gebaut.

Im Angebot sind auch Laserkabinen, Steuerförderbänder und Klebesysteme. Dabei bietet FFT die gesamte Produktion aus einer Hand an. »Die eigene Kompetenz ist Garant dafür, dass wir uns verbessern können«, so beschreibt es Hahl. Stolz verweist er darauf, dass eine Produktionsanlage zur Fertigung von Backöfen eines Küchengeräte-Herstellers so effektiv läuft, dass die Produktion in Deutschland rentabel ist.

Das sichert Arbeitsplätze im Land, die ansonsten in ein Land im östlichen Europa abgewandert wären. Dabei befruchten sich die Arbeitsbereiche gegenseitig. Erkenntnisse aus der Serienfertigung im Automobilbereich werden etwa auf Flugzeughersteller angewandt. Im Gegenzug kommen neue Werkstoffe aus der Luftfahrt der Autoindustrie zugute. Kritisch sieht Hahl allerding den Modebegriff Industrie 4.0, der nur ein Oberbegriff ohne konkreten Inhalt ist. Jedenfalls sieht er einen Trend in der Autofertigung hin zu flexiblen Systemen.

Früher gab es die Mercedes S-Klasse in drei Varianten, heute sind es sieben. »Die Kunden wollen Flexibilität in der Produktion«, das sei mit bisherigen Fertigungsstraßen nicht zu schaffen. Hahl wirbt für Mensch-Roboter-Systeme. »Dann sucht der Mensch die richtige Heckklappe für das Modell heraus, das gerade montiert wird«, ein Roboter sei damit überfordert. Die Roboter sind für das Verschweißen und Verkleben zuständig. In der Pkw-Fertigung werden künftig mehr Hybrid-Antriebe und Elektromotoren verbaut, es werde mehr Bodengruppen geben. Aufgabe von FFT ist es, eine Anlage zu bauen, über die verschiedene Modelle laufen, weil das billiger ist.

Hier kommen Einflüsse aus dem Flugzeugbau zum Tragen: Dort will man Gewicht und damit Sprit sparen. Deshalb werden Kohlefaserkomponenten eingesetzt, die sind 70 Prozent leichter als Stahl. FFT entwickelt bereits Anlagen, die erst in sieben oder acht Jahren eingesetzt werden. So sollen schwere Karosserieteile durch Kohlefaser-Technik leichter werden. Der Roboter kann 50 Prozent billiger gebaut werden, weil er keine Schwerlast bewegen muss.

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