15. Oktober 2008, 19:58 Uhr

Kreis braucht 850 Plätze für Kleinkindbetreuung

Vogelsbergkreis (pm). Familiendezernentin Sylke Emmermann und Jugenddezernent Landrat Rudolf Marx sind sich einig: um zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gelangen, kommt im ländlich strukturierten Vogelsbergkreis dem Ausbau von Tagespflege-Angeboten eine zentrale Bedeutung zu.
15. Oktober 2008, 19:58 Uhr

Vogelsbergkreis (pm). Familiendezernentin Sylke Emmermann und Jugenddezernent Landrat Rudolf Marx sind sich einig: um zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gelangen, kommt im ländlich strukturierten Vogelsbergkreis dem Ausbau von Tagespflege-Angeboten eine zentrale Bedeutung zu. Der Bundesgesetzgeber will mit dem Tagesbetreuungsausbaugesetz bis 2013 erreichen, dass im Durchschnitt für 35 Prozent der Kinder von Null bis Drei eine Betreuungsmöglichkeit zur Verfügung steht. Danach sieht das Gesetz sogar einen generellen gesetzlichen Anspruch vor. Gegenwärtig stehen für rund zehn Prozent der unter dreijährigen Kinder - rund 250 Plätze - Angebote im Kreis zur Verfügung. Die vom Bund geforderten 35 Prozent - das wären dann rund 850 Plätze - sollen zu zwei Dritteln baulich geschaffen werden, ein Drittel soll durch Tagespflege abgedeckt werden. Das Jugendamt schätzt, dass rund 350 Plät-ze in vorhandenen Kindertageseinrichtungen zusätzlich geschaffen werden müssen, der Kreis selbst werde etwa 250 qualifizierte Tagespflegepersonen benötigen.

Im Rahmen des neuen Gesetzes werden zusätzliche Kindertageseinrichtungen mit 90 Prozent vom Bund gefördert. Der Kreis steuert die Gelder, Akteure vor Ort sind die Städte und Gemeinden. Das Bundesgesetz wird vom Kreis und den Kommunen als echte Herausforderung gesehen, sagte Landrat Marx in Lauterbach. Das Vorhaben sei jedoch gesellschaftspolitisch hochrangig, denn in der positiven Umsetzung gehe für junge Familien das »Signal aus, dass ihre Kinder gut aufgehoben sind«. Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei mittlerweile zu einem wirtschaftspolitischen Standortfaktor geworden.

Ziel: Ein Drittel der Nachfrage sollen Tagesmütter und Tagesväter abdecken

Landrat, Familiendezernentin und Jugendamt gehen davon aus, dass etwa ein Drittel des zusätzlichen Gesamtbedarfs über Tagespflege-Mütter oder -Väter abgewickelt werden. »Wir werden die Tagespflegemöglichkeiten jetzt massiv ausbauen«, sagte Emmermann bei der Vorstellung eines neuen Prospekts, der sich sowohl an interessierte Eltern als auch an interessierte Tagespflegepersonen wendet.

Kindergarten, Kindertagesstätte, Kinderhort und Kinderkrippe gelten aus Sicht des Jugendamts als »Grundpfeiler« der Versorgung, zu denen eine »vom Kreis verantwortete deutlich verstärkte Kindertagesbetreuung« trete. Landrat Marx gab sich in Rahmen einer Fachtagung mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern vor wenigen Tagen überzeugt, dass der Kreis und alle Kommunen »die Herausforderungen des Bundesgesetzes schultern werden«, und zwar überschaubar, mit Übergangsfristen, »Schritt für Schritt«. Der Landrat lobte die Kommunen für ihre hohe Flexibilität in diesem Bereich. Der Kreis als Träger der Jugendhilfe steuert die Bundeszuschüsse. Für 2008 sind knapp 900 000 Euro für den Ausbau von Kinderkrippen bereit gestellt worden, weitere etwa 1,3 Millionen Euro werden für das kommende Jahr für den Vogelsbergkreis in Aussicht gestellt. Der Kreis will den Kommunen bei der Bedarfserhebung helfen.

Mehreren Bürgermeistern, darunter Kirtorfs Rathauschef Ulrich Künz, geht die 90-Prozent-Förderung nicht weit genug. Er fordert 100 Prozent Kostenübernahme durch den Bund. Klar sei, dass zusätzliche Angebote von den Bürgern nicht geschultert werden könnten. Einige Bürgermeister stellten die Frage, ob der Bedarf überhaupt vorhanden und die 35-Prozent-Versorgungsquote für den ländlichen Raum passend ist, während Lauterbachs Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller forderte: »Wir müssen endlich in die Puschen kommen!« und meinte damit auch den Bereich der Tagespflege, denn der Bedarf sei klar vorhanden.

»Kindertagespflege im Vogelsbergkreis - Vereinbarkeit von Familie und Beruf« heißt das Informationsblatt des Jugendamts, das gegenwärtig an vielen öffentlichen Stellen verteilt wird. Diplom-Sozialpädagogin Susan Jusseaume ist seit Kurzem im Amt für Jugend, Familie und Sport für die Bedarfserhebung und die Koordination der Tagespflegeangebote zuständig. Sie stellte mit Jugendamtsleiterin Dagmar Scherer und ihrem Stellvertreter Helmut Benner den Dezernenten den neuen Flyer und die Vorgehensweise des Jugendamts vor. Das Jugendamt möchte zum einen in Erfahrung bringen, wer Bedarf an neuen Angeboten hat und zum anderen Menschen gewinnen, sich zu qualifizieren.

Wer möchte Tagesmutter oder Tagesvater werden? - Was sind die Voraussetzungen?

Das Jugendamt erteilt die Erlaubnis, Kinder von null bis 14 Jahren zu betreuen. Ganz wichtig: Man muss mindestens 21 Jahre alt sein und an einer 45-stündigen kostenfreien Basis-Qualifizierung und weiteren regelmäßigen Fortbildungen teilnehmen. Man darf im Regelfall höchstens drei Kinder gleichzeitig betreuen. Das Jugendamt prüft die persönliche Eignung eingehend und fordert zum Beispiel ein polizeiliches Führungszeugnis. Das Jugendamt stellt die pädagogische Begleitung und Beratung sowohl der Eltern als auch der Tagespflegepersonen sicher. Wer Interesse an einer Betreuungstätigkeit hat oder als Eltern den Bedarf für eine Betreuung anmelden möchte, kann sich bei Susan Jusseaume melden, Telefon 06641 / 977-420, weitere Informationen gibt es im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.vogelsbergkreis" text="www.vogelsbergkreis" class="more"%>. de (Stichwort: Jugend, Familie und Sport).



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