13. April 2017, 13:40 Uhr

Digitales Trampen

Die Mitfahrbank war früher

Einkaufsmöglichkeiten konzentrieren sich im Kreis auf wenige Orte. Nicht mobile Menschen haben oft Schwierigkeiten dorthin zu gelangen. Doch es gibt verschiedene Lösungsansätze.
13. April 2017, 13:40 Uhr
In Amöneburg gibt es bereits die Mitfahrbank, in Homberg wird noch drüber nachgedacht, und in Romrod startet demnächst das Zusammenführen von Fahrern und Mitfahrern über Computer. (Foto: Archiv)

Mitfahrbänke kennt man bereits seit einigen Jahren in einer ganzen Reihe von Kommunen in Deutschland, ein Projekt in Amöneburg hat jetzt im benachbarten Homberg die Diskussion angestoßen. In Romrod geht man sogar noch einen Schritt weiter: Digital statt analog. Denn an einer Fahrt interessierte Personen setzen sich nicht auf eine Bank und warten, sondern registrieren ihren Wunsch in einem Computer, Fahrer geben gleichermaßen ihr Ziel ein. So finden beide Seiten zusammen. In Romrod wurde das Pilotprojekt bei einem Live-Testtermin Vertretern aus Behörden und Politik vorgestellt, Startschuss soll nach Ostern noch im April sein.

Erste Testfahrt absolviert

Die digitale Version einer Mitfahrbank nennt sich »Fairfahrt« und verbindet die Stadtteile mit dem Rewe-Markt in Romrod. Es handelt sich dabei um das erste Konzept, das im Rahmen des Modellvorhabens »Mobilität und Daseinsvorsorge« (MoDaVo) entwickelt und jetzt zur Umsetzung gebracht wurde. Erster Kreisbeigeordneter und Wirtschaftsdezernent Dr. Jens Mischak hieß die Teilnehmer des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur sowie der Forschungsassistenz in Romrod willkommen – sie hatten schon eine erste Testfahrt vom Bahnhof in Zell zum Rewe-Markt absolviert.

»Mobilität und Versorgung sind derzeit überall Thema. Nicht die Entfernungen sind maßgebend, sondern die Fahrzeit und die Verkehrsmittel zählen«, führt er an. Aus Mitteln des Modellvorhabens wurde das Konzept und Teile der Umsetzung von »Fairfahrt« finanziert. Man wolle ausprobieren und schauen, ob ein solches Angebot auszuweiten oder auch in den regionalen Nahverkehrsplan zu integrieren sei.


Terminals in den Stadtteilen

Im Markt selbst demonstrierte Jonathan Waschkewitz, einer der vier Entwickler, die Funktionsweise direkt am Gerät: Jeder interessierte Mitfahrer oder Fahrer lässt sich registrieren und erhält eine Chipkarte. Mit der loggt er sich ein und gibt sein Fahrtziel an – derzeit sind das die vier Stadtteile Zell, Strebendorf, Ober- und Nieder-Breidenbach. »Das wird dann auf dem Bildschirm angezeigt, so dass ein Einkäufer beim Rausgehen sieht, dass jemand nach Zell möchte und ihn mitnehmen kann«, so Waschkewitz. Die Wartenden sollten sich an dem Terminal aufhalten, dort wird auch noch eine Bank aufgestellt. In den Stadtteilen stehen jeweils Terminals an zentralen Stellen, betrieben werden sie mit Batterie und Solarstrom, um netzunabhängig zu sein.

Der Vogelsbergkreis ist einer von 18 Landkreisen im Modellvorhaben »Langfristige Sicherung von Versorgung und Mobilität in ländlichen Räumen«. Es sollen Konzepte erarbeitet werden, mit denen in Zukunft sowohl die Daseinsvorsorge und Nahversorgung als auch die Mobilität gewährleistet werden können. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur fördert solche Projekte. »Fairfahrt« in Romrod ist das erste Konzept, das nun erprobt wird. Es ist komplett kostenfrei, für alle Nutzer. Auch Kinder beziehungsweise Jugendliche ab zwölf Jahren können einen Chip erhalten, der allerdings gekoppelt ist an ein Elternteil. »Das dient der Sicherheit, so dass im Falle einer Mitnahme der Elternteil auch eine Meldung auf sein Smartphone erhält«, erläutert Waschkewitz.

App für Smartphones



Apropos Smartphone: Es gibt eine dazugehörige App, die aber nicht nötig ist, um »Fairfahrt« zu nutzen. »Wir wollten niemanden benachteiligen, der kein Smartphone nutzen kann oder will«, so die einfache Erklärung. In der App sind auch nur Angebote einstellbar, keine Suche nach Mitfahrgelegenheiten. »Jeder soll einfach zum Treffpunkt gehen und dort mitgenommen werden können – es ist im Grunde wie Trampen, nur ein bisschen sicherer.« Weitere Informationen gibt es unter fairfahrt.de.

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