08. März 2017, 08:00 Uhr

Tierwelt

Wer sieht den ersten Luchs?

»Der hat Augen wie ein Luchs« – Den Spruch kennt jeder, aber einen echten Luchs? Den hat außer im Zoo wohl noch kaum ein Vogelsberger gesehen.
08. März 2017, 08:00 Uhr
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Aus der Redaktion
Der Luchs ist vor rund 100 Jahren im Vogelsberg ausgestorben, jetzt wird er wieder im Hohen Vogelsberg erwartet. (Foto: pm)

Der Luchs war zwar wahrscheinlich bis um das Jahr 1900 im Vogelsbergkreis präsent, durch die Bejagung allerdings in abnehmender Dichte. Irgendwann starb er dann aus. Seit einigen Jahren streift der Luchs allerdings wieder durch Hessens Wälder, und der Vogelsberg stellt einen optimalen Lebensraum dar: großräumig, unzerschnitten, ruhig. Doch noch ist das heimliche Pinselohr dort nicht zu Hause. Gemeinsam mit Naturschützern, Jägern und Schafhaltern setzen sich die Forstleute dafür ein, ihn eines Tages im Vogelsberg willkommen zu heißen.

»Dem Luchs im Vogelsberg endlich wieder ein Zuhause zu bieten, ist schon lange ein Traum von uns«, wünscht sich Dr. Berndt Ott, Forstamtsleiter in Schotten. Um herauszufinden, ob die Großkatze hier bereits ihre Fährte zieht, fand ein von HessenForst initiiertes Monitoring bereits in den Jahren 2011 bis 2013 statt. Bisher haben die Wildkameras zwar keinen Luchs »ertappt«, doch im Forstamt ist klar: Wenn der Luchs kommt, soll er sich im Vogelsberg wohlfühlen. »Es ist wichtig, dass sich die Bevölkerung auf die Anwesenheit dieser faszinierenden Tierart einstellen kann« erklärt Ott. »Der Wille, den Luchs zu unterstützen, muss in der Region verankert sein. Nur wenn man aufklärt und um Verständnis wirbt, ist ein harmonisch Mit- einander möglich«.

»Ich glaube, dass der Luchs aus Nordost- hessen, eventuell über die Rhön und vielleicht über den Spessart einwandert«, äußert sich Bernd Ott gegenüber der AAZ. Das werde im Vogelsbergkreis wahrscheinlich nicht mehr lange dauern. Um eine möglichst breite Akzeptanz für den Luchs zu erreichen, ist Teamwork gefragt. Schnell war klar: Das geht nicht allein, hier müssen alle an einem Strang ziehen. Dazu arbeitet HessenForst eng mit örtlichen Naturschützern von BUND, Nabu und Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), Jägern und dem Schafhalterverein Vogelsberg zusammen. Im Oktober 2016 wurde der Fördervereins Vogelsberg-Luchs gegründet. Unter dem Motto »Aufklärung, Resonanz, Toleranz« wird die Bevölkerung künftig nicht nur rund um den Luchs informiert – sie kann auch mithelfen. Waldbesucher sollten Luchs-Beobachtungen per E-Mail oder telefonisch an die Luchsbeauftragten des Forstamtes Schotten melden. Hilfreich sind genaue Ortsbeschreibungen und Fotos. Die Luchsexperten von HessenForst geben die Meldungen an die AG Hessenluchs weiter.

Im Frühjahr verlassen die Jungtiere des Vorjahres ihre Mutter und machen sich auf die Suche nach einem eigenen Revier. Auf der Wanderung legen sie oft weite Strecken zurück, bis sich ein geeigneter, gut strukturierter Lebensraum gefunden hat. Wachsam sein beim nächsten Waldbesuch kann sich für Vogelsberger also lohnen: Haben Waldbesucher einen Luchs beobachtet, freuen sich der Förderverein Vogelsberg Luchs und HessenForst über entsprechende Hinweise – am besten mit Bild.



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