25. Februar 2017, 06:00 Uhr

Drogen bei Senioren

Alkohol wirkt im Alter stärker

Die Großmutter geht sehr wackelig, der Großvater ist nur schwer zu verstehen - Drogenmissbrauch wird meist mit jungen Menschen in Verbindung gebracht. Das ist falsch.
25. Februar 2017, 06:00 Uhr
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Aus der Redaktion
Etwa ein Viertel der über 70-Jährigen ist abhängig von Medikamenten wie Schlaf- und Schmerzmittel. (Foto: pm)

»Beim Thema Sucht werden ältere Menschen oft ausgeblendet«. Das stellte Matthias Gold, Leiter des Beratungszentrums Vogelsberg (ehemals Jugend- und Drogenberatung), dieser Tage bei einem Treffen mit dem Kreisseniorenbeirat fest. Welche Bedeutung haben Sucht und Abhängigkeit eigentlich für ältere Menschen? Dieser Frage wollte das Seniorengremium in seiner jüngsten Sitzung nachgehen. Die Seniorenbeauftragte des Kreises, Rosmarie Müller, warb dafür, das Beratungsangebot zu nutzen. Auch ältere Menschen und Profis in der Altenhilfe, die in ihrer täglichen Arbeit mit derlei Problemen konfrontiert sind, können Unterstützung erfahren.

Als ausgewiesener Fachmann mit langjähriger Berufserfahrung hatte Gold interessante Informationen: Bis zu 600 Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen kämen jedes Jahr ins Beratungszentrum. »Auffällig ist, dass nicht einmal fünf Prozent der Ratsuchenden über 60 Jahre alt sind. Weil Suchtprobleme in jedem Alter auftreten können, dürfte es aber wesentlich mehr Menschen geben, die eigentlich Hilfe benötigen. « Beim Thema Sucht blende die Gesellschaft ältere Menschen aus, zumal langjährig Suchtkranke ohnehin eine um zehn bis 15 Jahre geringere Lebenserwartung hätten. Der Referent stellte dazu einige landläufige Meinungen in den Raum: »Lassen wir ihn doch noch ein paar schöne Jahre trinken und verlangen nicht von ihm die Kargheit der Suchtmittelfreiheit«. Diese Haltung sei grundlegend falsch, stellte Gold klar. Abhängigkeitserkrankungen führten immer zu schlechter werdender Gesundheit und verminderter Lebensqualität. Während man im Allgemeinen beim Thema Sucht zunächst an illegale Drogen und Alkohol denke, spielten Nikotin und Medikamente ebenfalls eine wichtige Rolle. So sei festgestellt worden, dass bei fast einem Viertel über 70-Jährigen eine Medikamentenabhängigkeit vorliege. Insbesondere gehe es um Schlaf- und Schmerzmittelkonsum. Gerade bei Senioren gebe es oft Ereignisse, die eine Abhängigkeit begünstigten: Das Wegbrechen von sinnstiftenden Aufgaben, der Verlust des Partners und Vereinsamung könnten den Griff zu Suchtstoffen auslösen. »Das Fatale darin ist, dass Alkohol, Medikamente und Drogen für den Moment tatsächlich erleichternde und betäubende Wirkung haben können«, sagte Gold, »aber wegen der normalen altersbedingten Veränderungen im Körper erzeugen Suchtstoffe bei älteren Menschen stärkere Wirkung.« Was in jungen Jahren Konsumgewohnheit mit geringem Risiko war, entwickele sich zunehmend zu riskantem Konsum mit wachsender Gefahr einer Abhängigkeit. Die Folgen: Organschädigungen, Sturzgefahr, Gedächtnisprobleme und Einschränkungen bei geistigen und sozialen Fähigkeiten – Einbußen der Lebensqualität, die eigentlich bis ins hohe Alter erhalten bleiben sollte.



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