Vogelsbergkreis

Breitband-Ausbau verschoben: Ab Frühjahr 2017?

Vogelsbergkreis (hed/ks). Die Pläne der Telekom, die Wetterau mit Breitband zu versorgen, stellen das Konzept der Breitbandgesellschaft Bigo auf den Kopf. Nach zwei Gesellschafterversammlungen teilte Geschäftsführer Manfred Görig mit, dass die Bigo den Beginn der Glasfaserverlegung verschiebt. »Auf voraussichtlich Frühjahr 2017.«
16. September 2016, 10:13 Uhr
2 LOK VBKR 351 - B_170112_1
Mit der Bigo schneller ins Netz? Das ist jetzt wieder mit einem Fragezeichen versehen. Zumindest wird sich der Ausbau verzögern. (Foto: Archiv)

Eigentlich hatte es in diesem Herbst losgehen sollen – beispielsweise in Schotten. Im kommenden Frühjahr sollte Ulrichstein dran sein. Die ganze Angelegenheit ist heikel, so bittet Görig »um Verständnis, dass er für eine über diese Mitteilung hinausgehende Bewertung zurzeit nicht zur Verfügung steht«. Auch Teilnehmer der Gesellschafterversammlung wollten keine Einzelheiten nennen und verweisen auf die Geschäftsführung. Darauf habe man sich geeinigt. Klar ist laut Görig: »Der Bestand der Bigo steht auch nach den neuen Vorschlägen der Telekom nicht infrage.« Unklar ist allerdings, wie genau die beiden Kreise nun reagieren. Da die Telekom weiterhin an einer Erschließung des Vogelsbergkreises kein Interesse hat, steht die Frage im Raum, ob das interkommunale Gebilde überhaupt weiter Bestand haben kann. Denn baut die Telekom ihr Glasfasernetz in den zwölf beteiligten Wetterauer Kommunen wie angekündigt auf eigene Kosten aus, müssten diese die Bigo eigentlich verlassen, um nicht dem Vorwurf ausgesetzt zu sein, öffentliche Gelder unsinnig zu investieren. Der Wetter-aukreis hält jedoch mit 42 Prozent den größten Anteil an der Breitbandgesellschaft.

Viele offene Fragen

Gibt es gar ein juristisches Nachspiel? Schließlich hat die Telekom im Markterkundungsverfahren vor der Bigo-Gründung kein Interesse an einem Breitband-Ausbau im ländlichen Raum mitgeteilt. Oder wird man nun mit der Telekom mit dem Ziel verhandeln, dass diese ein von der Bigo errichtetes Netz kauft oder mietet? Telekom-Sprecher George-Stephen McKinney möchte das nicht ausschließen, betonte aber, dass der Konzern in der Regel seine Netze selbst ausbaue und betreibe. Eine Abweichung von dieser Praxis sei ihm bislang nicht bekannt. Landrat Manfred Görig und sein Wetterauer Kollege Arnold wollen weiter »mithilfe der Bigo das Bestmögliche für Unternehmen und Bürger herausholen, damit der ländliche Raum ein schnelles und modernes Internet bekommt«. Man suche nun konstruktiv nach Lösungen – »auch im Dialog mit der Telekom«. Eventuell wird sich Berlin einschalten. Schließlich haben Bund und Land Fördermittel in Höhe von fast drei Millionen Euro zugesagt, um auch die Gewerbegebiete, Schulen und öffentliche Einrichtungen ans Netz anzuschließen. Die Bigo wollte diesen Herbst beginnen, über 200 Orte in 29 Kommunen mit Breitband zu versorgen. Gut 50 Millionen Euro soll das kosten. Der Ausbauplan sah eine Erschließung bis Mitte 2018 vor.

»Wir waren sicher alle überrascht vom Sinneswandel beim großen Telekommunikationsunternehmen«, sagt Mückes Bürgermeister Matthias Weitzel. Leider sei der Vorgang sehr ärgerlich. Weitzel zum Sinneswandel aus heiterem Himmel: »Da plant man zwei Jahre lang und dann kommt ein privater Betreiber und versucht, alles über den Haufen zu werfen.« Teilweise müsse man das Geschäftsgebaren schon schizophren nennen. So sei Atzenhain bereits über den Kabelbetreiber Unitymedia versorgt worden, jetzt lege die Telekom ebenfalls los: »Aber das Gewerbegebiet lassen sie außen vor.« Besonders die Gewerbetreibenden haben sich von der Bigo viel versprochen. Auch Feldatals Bürgermeister Dietmar Schlosser sieht das Vorgehen der Telekom kritisch und er vermutet den Versuch, die Bigo aufzuspalten. Er setzt zudem ein Fragezeichen hinter die Ankündigung, ob die Telekom wirklich alle Gebiete in der Wetterau versorgen will. Das sei ja gerade das große Versprechen der Bigo – »nämlich 100 Prozent Versorgung und keine weißen Flecken mehr«.

Hombergs Bürgermeisterin Claudia Blum sagt, sie sei guter Dinge, dass man in Verhandlungen mit der Telekom etwas erreichen kann. Der Druck sei in Homberg nicht ganz so groß (außer in kleinen Dörfern), aber sie weiß, dass sich Gewerbebetriebe dringend größere Bandbreiten wünschen. Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule glaubt nicht, dass das Projekt Breitband-Ausbau grundsätzlich erschüttert wird. »Ich hoffe aber, dass es keine allzu große Verzögerung gibt.«

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/vogelsbergkreis/art74,180225

© Giessener Allgemeine Zeitung 2016. Alle Rechte vorbehalten. Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung