23. Dezember 2016, 18:51 Uhr

Karpfen und Mohndessert

Gans und Geschenke, geschmückter Baum und bei vielen auch der Gottesdienst. An den »Zutaten« für das Weihnachtsfest hat sich im Laufe der Jahrzehnte erstaunlich wenig geändert. Wenn auch die Geschenke größer und das Essen üppiger wurden. Wir schauen zurück und haben nachgefragt, wie Weihnachten früher so gefeiert wurde. Drei Homberger, zwei Frauen und ein Mann, waren so nett, davon zu erzählen.
23. Dezember 2016, 18:51 Uhr
Josef Hromatka
Auch heute noch, wo sie in Homberg wohnt, besorgt ihr Sohn dafür die Zutaten in einem speziellen Laden. In ihrer Heimat Oberschlesien wurde Kulinarik an Weihnachten ganz groß geschrieben: Karpfen, Kartoffeln, Sauerkraut und ein Mohndessert gehörten dann auf den Tisch. Gemeinsam mit der Familie wurde zu Hause gesungen, um anschließend um Mitternacht in die Kirche zu gehen, wo auch immer das Weihnachtslied »Stille Nacht« ein Programmpunkt war, auf den Ogrodnik sich immer schon vorher gefreut hat.
Lediglich solche Kleinigkeiten wie Plätzchen und Handschuhe wurden verschenkt. In Puncto Genügsamkeit stehen ihre Enkel ihr dabei in nichts nach, meinte sie, sie seien »sehr dankbar und würden keine großen Geschenkwünsche zum Weihnachtsfest äußern.
Deshalb hat er sich besonders über ein Paar Skier mit Stahlkappen gefreut, das er mit zwölf Jahren an Weihnachten bekommen hat. Heiligabend im heutigen Tschechien sei geheimnisvoller gewesen. Es wurde mit Glöckchen geläutet und die Geschenke durften erst abends nach einer Weihnachtsgeschichte oder einem Gedicht ausgepackt werden. Bei einem solchen Familienfest durfte natürlich auch der Weihnachtsbaum nicht fehlen.
»Wir waren ja Kriegskinder, da hat man sich sehr über ein Buch gefreut«, erinnert er sich. Nach einem deftigen Festmahl mit Karpfen und Kartoffeln folgten meist der Hefezopf und dazu gab es süßen schwarzen Tee mit Rum. Auch die Mette um 24 Uhr durfte nicht ausgelassen werden. Heute sehe das etwas anders aus, doch was sich nicht geändert hat, das ist die Gans am ersten Weihnachtsfeiertag.
»Ich habe sie gleich angezogen, um Muster in den Schnee zu laufen«, erinnert sie sich. Auch bei der aus Ratibor stammenden Frau wurde an Weihnachten mit der Familie gesungen. Ihre Mutter hatte vorher Bratheringe selbst eingelegt und als Vorspeise gab es immer Bohnensuppe und zum Nachtisch ein Dessert mit Mohn. Einen Weihnachtsbaum gab es zwar, doch anstatt des Weihnachtsmannes glaubte man bei ihr als Kind ausschließlich an das Christkind.
Vier Wochen vor Heiligabend zogen die Schulkinder jeden Tag um 6.30 Uhr mit Laternen vor der Schule in die dunkle Kirche, wo ein Gottesdienst abgehalten wurde. Auch an Weihnachten war die Kirche Teil des Programms: fünf Kilometer durch die Kälte lief die Familie, um an Mitternacht die heilige Messe mitzuerleben.
Ihren Enkeln schenkt sie gerne Bastelutensilien und was in der Weihnachtszeit nicht fehlen darf, ist das gemeinsame Plätzchenbacken. (Fotos: cc)

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