15. Dezember 2016, 12:00 Uhr

Vor der Haustür studieren

Vogelsbergkreis (jol). Ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist es ja schon, von der »Hochschule Vogelsberg« zu sprechen. Und dennoch sind fünf gestandene Unternehmer aus Lauterbach im Boot, einen Studienort zu etablieren. Dort sollen junge Leute Betriebswirtschaft und Maschinen mit Schwerpunkt Verpackung studieren können.
15. Dezember 2016, 12:00 Uhr
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Von Joachim Legatis

Das Projekt des »Fördervereins für Bildung, Wissenschaft und Forschung« und des privaten Bildungsträgers Steinbeis stellte Stephan Mölig im Hauptausschuss des Kreistags vor. Hintergrund ist ein Zuschuss des Kreises an den Förderverein für die Anschubphase, der in den Beratungen zum Haushaltsplan 2017 besprochen wurde.
Nun stellte Mölig als Vorsitzender des Fördervereins das Konzept vor. Demnach sind fünf Unternehmer seit drei Jahren an den Planungen für einen Hochschulstandort in Lauterbach, deshalb waren neben Architekt Mölig auch Norbert Lautenschläger von der Volksbank Lauterbach-Schlitz, Norbert Jäger, Apha GmbH, Aleksandar Stojanovic, STi, und Dr. Christian Rohm, Duo Plast, zur Diskussion gekommen. Das Vorhaben ist über die Planungsphase hinaus, der Vertrag mit der Steinbeis-Hochschule geschlossen. Nun geht es darum, weitere Unternehmen zu finden, die Studierende im dualen Studium an ihr Unternehmen binden wollen. Denn die Unternehmen tragen die Kosten für den Betrieb der Hochschule. Mölig rechnet mit rund 50 Studenten, damit sich der Standort trägt. Ein wesentliches Motiv der Unternehmergruppe ist die Sicherung von Fachkräften, zudem will man die Weiterqualifizierung von Mitarbeitern ermöglichen. Damit leiste die Hochschule einen Beitrag, die Abwanderung von Abiturienten zu vermindern.
Denn viele Familien könnten es sich nicht leisten, den Nachwuchs in eine Universitätsstadt zu schicken. Das Studium ist aber möglich, »wenn die jungen Leute zu Hause leben können,« erläuterte Mölig. Jäger hat in Gesprächen mit Schulleitern erfahren, dass es viele Jugendliche gibt, die aus finanziellen Gründen vor dem Studium zurückschrecken. Ohne Hochschule sei der Kreis weniger attraktiv, denn heutzutage studieren an die 60 Prozent eines Jahrgangs. Ein Nebeneffekt ist, dass Unternehmensgründungen möglich werden, wenn Studenten eine Geschäftsidee entwickeln. Die fünf Unternehmer haben über 400 000 Euro in die Idee investiert, ein geschäftliches Interesse verfolgt der Verein nicht, sagte Mölig. Nun will man mehr Unternehmen einbinden. Nach drei Jahren soll sich die Hochschule selbst tragen. Man habe mit der Hochschule Mittelhessen über das Einrichten einer Außenstelle gesprochen. Aber mit einer öffentlichen Hochschule wären noch mehr Studierende nötig, deshalb sei es richtig, mit dem privaten Bildungsanbieter Steinbeis zu starten.


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