21. Januar 2016, 11:33 Uhr

Miss Germany und Euro-Krise: Bosbach bei CDU-Empfang

Lauterbach (jol). Er startete mit der Geschichte, wie er an der Bar eines thailändischen Hotels in die Jury von »Miss Germany« geriet und schloss mit einer lebhaften Schilderung der Umstände eines Interviews mit Maybrit Illner ab. Dazwischen machte Wolfgang Bosbach deutlich, weshalb er zu den beliebtesten Politikern in Deutschland gehört.
21. Januar 2016, 11:33 Uhr
»Wer nix im Boden hat, der muss mehr im Kopf haben«, so lautete einer der griffigen Sätze des bekannten Innenpolitikers Wolfgang Bosbach. (Foto: Joachim Legatis)

Beim Neujahrsempfang der Lauterbacher CDU wandte er sich gegen milliardenschwere Finanztransfers nach Griechenland, forderte Integration von Flüchtlingen und sang ein Loblied auf Patriotismus.

Das brachte dem Bundestagsabgeordneten Riesenapplaus von gut 200 Besuchern im restlos gefüllten Saal ein. Doch er bediente nicht nur die Erwartungen der Vogelsberger Christdemokraten. So warb er für mehr Bildung nach dem Motto »Wer nix im Boden hat, muss mehr im Kopf haben« und bekundete Respekt für Kanzlerin Angela Merkel in der Flüchtlingsfrage.

Andere Positionen als Merkel

Rhetorisch brillant deckte der Innenpolitiker die großen Zukunftsfragen der Bundespolitik ab, die da wären: Flüchtlinge, Europapolitik und Globalisierung. Einen Politiker mit festen Werten und klarer Kante hatte Stadtverbandsvorsitzender Felix Wohlfahrt angekündigt. Das löste Bosbach unterhaltend ein. Die Mischung aus Witz und politischen Statements prägte seinen Auftritt. Mal schimmerte der Rheinländer durch, der riet, »wählen Sie nie einen Menschen der nicht von Herzen lachen kann, sonst haben Sie später nichts zu lachen«.

In Sachen Politik und Arbeit sei er 100 Prozent Preuße, bekannte er. Wichtig ist dem Politiker das Vertrauen, denn das stehe im Mittelpunkt einer Wahl. Das bedeutet für ihn, seinen Haltungen treu zu bleiben, auch wenn er dabei andere Positionen vertrete als Kanzlerin Merkel, vor der er »großen Respekt« habe. Eine Volkspartei wie die CDU müsse verschiedene Strömungen vereinen, wie er an der Euro-Frage verdeutlichte. Bei der Einführung des Euro habe die CDU die Position vertreten, dass man eine gemeinsame Währung einführen wird, aber keine Haftungs- und Transferunion. Und man könne nicht die »Staatsschuldenkrise in Europa« durch immer mehr Schulden bekämpfen. Es sei falsch, Griechenland immer mehr Kredite zu gewähren, weil dort eine konkurrenzfähige Wirtschaft fehle. Das Ergebnis sei dann eine noch höhere Verschuldung – trotz des Schuldenschnitts.

Länger befasste er sich mit der Position Deutschlands in der Welt. Die deutsche Vereinigung sei zur Erfolgsgeschichte geworden, seit 1990 hätten sich die ostdeutschen Länder toll entwickelt. Seither seien aber auch die Konflikte näher gerückt, nur zwei Flugstunden entfernt in der Ukraine wolle Russland die Grenzen korrigieren. Und vier Flugstunden entfernt herrsche ein blutiger Krieg in Syrien und Irak.

Der innerislamische Konflikt zwischen Islamisten und gemäßigten Muslimen dürfe nicht in Deutschland ausgetragen werden, sagte Bosbach mit Blick auf Bombenanschläge des IS. Er wandte sich gegen »Toleranz an der falschen Stelle«. Wenn Islamisten die Sharia höher stellten als das Grundgesetz, seien sie im falschen Land. Er warb für Patriotismus, grenzte sich aber vom Nationalismus ab, der großes Leid über das Land gebracht habe. Sorge bereitet ihm dabei nicht eine Islamisierung, sondern eher eine Entchristianisierung Deutschlands.

Das Land habe in den vergangenen zwölf Monaten mehr Flüchtlinge aufgenommen als in den vorangegangenen zwölf Jahren. Deshalb sei die Grenze der Aufnahmefähigkeit absehbar, diese Sorgen müsse man ernst nehmen. Die EU sei hier keine Hilfe, die vereinbarte Verteilung von Flüchtlingen sei bisher nicht erfolgt und die Außengrenzen würden nicht geschützt. Zum Jahresbeginn gab es auch einen Blick in die Zukunft. So beklagte Bosbach, dass die deutsche Industrie einst bei technischen Neuerungen führend war, heute werden die Trends von Konzernen in Kalifornien gesetzt. Man sei im Übergang zur Wissensgesellschaft, »nötig ist Bildung, Bildung, Bildung«, um im Wettbewerb mithalten zu können.



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