02. Juni 2015, 16:53 Uhr

Deutlicher Aufwind für Energiegenossen

Vogelsbergkreis (pm). Die Energiegenossenschaft Vogelsberg egv befindet sich im Aufwind, wie die jüngste Generalversammlung zeigte. Mehr Umsatz, mehr Gewinn und mehr Mitglieder.
02. Juni 2015, 16:53 Uhr
Für die Energiegenossenschaft berichtete Günter Mest (rechts) von Fortschritten, daneben Lorenz Kock und Ulrich Künz. (pm) (Foto: Red)

Der Einstieg in die erneuerbaren Energien und die Förderung der regionalen Wertschöpfung – mit diesen Zielen ist die Energiegenossenschaft Vogelsberg eG (egv) vor vier Jahren angetreten. Seither ist sie stetig gewachsen, so dass sie sich in der jüngsten Generalversammlung in Mücke über ein neues Mitgliederhoch von 464 freuen konnte. Genau 100 davon begrüßte Aufsichtsratsvorsitzender Ralph Kehl zu der Veranstaltung, darunter viele Vertreter von Vogelsberger Kommunen. Es gab ausführliche Jahresberichte, einige Abstimmungen und zufriedenstellende 3% Dividende.

Als eine »repräsentative und die gerechteste Art die Energiewende zu betreiben«, würdigte der Mücker Bürgermeister Matthias Weitzel das Engagement der Energiegenossenschaft. Vorstandsmitglied Günter Mest stellte die strukturellen Veränderungen in der Genossenschaft vor: 100prozentige Töchter der egv sind die VOBEG Solar GmbH (Komplementärin für Solar-Parks), die VOBEG Wind GmbH (Komplementärin für Wind-Parks) und die VOBEG Projekt GmbH (für Projektierung von Wind-Parks).

Die VOBEG Solar ist Komplementärin der Solarstrom Freiensteinau GmbH & Co.KG, die das größte von der egv realisierte Solarprojekt, den Solarpark in Ober-Moos, betreibt. Mit einer Leistung von mehr als 3000 kWp und einer Einspeisevergütung von rund 560000 Euro generiert der größte Solarpark im Vogelsbergkreis annähernd Zweidrittel des Gesamtumsatzes der egv-Gruppe im Jahr 2014 von rund 913000 Euro. Stolze Zahlen waren es also, die Mest präsentierte, darunter einen deutlichen Mitgliederzuwachs um 12%. Das Ziel für 2015 ist die 500er-Mitgliedermarke, kündigte Mest an.

Gewinn um 30 Prozent gesteigert

Die wirtschaftlichen Kennzahlen aus der Bilanz mit Gewinn- und Verlustrechnung machte deutlich, dass die Energiegenossenschaft Vogelsberg auf dem richtigen Weg sei: Der Anteil der Geschäftsanteile stieg um 31%, ebenso das Geschäftsguthaben, die Nachrangdarlehen stiegen um 37%. An Zinsen für Nachrangdarlehen an Mitglieder zahlte die Genossenschaft für das Jahr 2014 mehr als 107000 Euro aus, gleichzeitig sei der Gewinn um 30% gesteigert und die Ausschüttung somit mehr als verdoppelt werden, hob Mest bei seinen Ausführungen hervor. 2014 bezeichnete er als außerordentlich gutes Sonnenjahr.

Ungleich schwieriger als erwartet gestalteten sich jedoch die Planungen im Bereich Windenergie, wie Mest an späterer Stelle berichtete: Die egv projektiert derzeit vier Windparks – jeweils zwei in der Gemarkung Kirtorf und zwei in der Gemarkung Neustadt -, allerdings könne wohl keines der vier betreffenden Projekte, wie noch auf der letzten Generalversammlung prognostiziert, im laufenden Jahr installiert und angeschlossen werden. Die Realisierbarkeit sei laut RP und Projektierer zwar gegeben, so Mest, allerdings erlaube der Fortschritt der Genehmigungsverfahren aktuell keine zuverlässigen neuen Prognosen.

Im Kommunalwald Kirtorf will sich die egv mit 50% an der Errichtung dreier Anlagen beteiligen. Im Windpark Watzenrod möchte die Genossenschaft von sechs Anlagen eine übernehmen, im nahegelegenen Windpark DreiHerrenStein von sechs Anlagen drei. Bei diesen beiden Projekten profitiere man von der räumlichen Nähe, erläuterte Mest. Synergieeffekte ergäben sich unter anderem bei der Erstellung verschiedener Gutachten. Als viertes Projekt nannte Mest den Windpark Trillrodt. Hierbei plant die egv, eine von zwei Anlagen zu übernehmen. Mest skizzierte die Verhandlungsstände bei jedem einzelnen Projekt und gab auch einen Einblick in die komplizierte Gutachtensituation im Vorfeld der Planungen.

»Wir bewegen uns auf enormes Investitions-Potenzial zu«, betonte das Vorstandsmitglied. Insgesamt 33 Millionen Euro will die egv für ihre Beteiligungen an der Windenergie in den nächsten zwei bis drei Jahren schultern. Bürger und Bürgerinnen der betroffenen Regionen sowie Mitglieder der egv würden zu gegebenem Zeitpunkt Beteiligungsangebote erhalten, so Mest.

Dividende von 3 Prozent

Bevor die Versammlung der Tagesordnung folgend über die Verwendung des Jahresüberschusses abstimmte, dankte Aufsichtsratsvorsitzender Kehl dem Vorstand der Energiegenossenschaft Vogelsberg eG für dessen Leistung im Berichtsjahr. Die Zusammenarbeit bezeichnete er als stets konstruktiv, vertrauensvoll und zielführend. Die Versammlung sprach sich für die vom Aufsichtsrat vorgeschlagene Dividende von 3% aus. Der Rest des Überschusses soll in die Rücklagen der Genossenschaft eingestellt werden. Im Anschluss entlasteten die Mitglieder Vorstand und Aufsichtsrat einstimmig.

In einer weiteren Abstimmung sprachen sich die Anwesenden einstimmig für eine Satzungsänderung bezüglich des Turnus der Aufsichtsratswahlen aus.

Nach den Regularien der Generalversammlung skizzierte Gastredner Hans-Josef Fell, Autor des Entwurfs des EEG 2000 und Präsident der Energy Watch Group, in einem engagierten und äußerst informativen Vortrag die aktuelle Situation der Energiewende und gab einen Ausblick auf die Möglichkeiten, die auch nach den Novellen des EEG heute und in Zukunft für den Ausstieg aus der Atomkraft und den Umstieg auf 100% erneuerbare Energien bestehen.

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