Vogelsbergkreis

Alter Mast trägt nun Storchennest

Das Feldatal ist seit kurzem um eine Attraktion reicher. Gesorgt hat dafür Bastler und Tüftler Rudi Falk, der bereits den Brutkasten für den Tumfalken im Kirchturm, die »XXL- Bank« in Groß-Felda und auch das Kunstwerk »Gespicknis« baute. Dieses Mal sollte es ein Storchennest werden.
28. März 2021, 20:28 Uhr
Herbert Schott
F_Aufbau_Storchennest2_2903
Bei Groß-Felda haben Rudi Falk und Helfer den Mast mit Storchennest aufgestellt. FOTO: HSO

Das Feldatal ist seit kurzem um eine Attraktion reicher. Gesorgt hat dafür Bastler und Tüftler Rudi Falk, der bereits den Brutkasten für den Tumfalken im Kirchturm, die »XXL- Bank« in Groß-Felda und auch das Kunstwerk »Gespicknis« baute. Dieses Mal sollte es ein Storchennest werden.

Angeregt wurde Rudi Falk für dieses Projekt durch eine Bus- und Fahrradreise in die Masuren. Dort hatten ihn die hunderten von bewohnten Storchennestern auf den Dächern der Ortschaften so beeindruckt, dass daraus die Idee einer Nisthilfe für den Weißstorch in seiner Hneimatgemeinde entstand. Es wurde geplant, das Material beschafft und anschließend verbaut. Selbstverständlich holte Falk auch die behördliche Genehmigung ein.

Weiterhin musste ein passendes Grundstück gefunden werden, auf dem das Nest aufgebaut werden konnte. Ein Areal in der »Au« sagte schließlich der Landwirt Joachim Zaumsegel zu und der Bau konnte somit beginnen. In rund 30 Arbeitsstunden entstand das Nest mit einem Durchmesser von 1,30 Meter.

Mit Bärenschutz

Der Boden besteht aus Lärchenholz, als Umrandung sind gedrechselte Holzstützen angesetzt, durch die Falk dann Haselnussstecken geflochten hat. Der Boden wurde mit altem Heu ausgepolstert und mit Holzstücken fixiert. Einen rund 10 Meter hohen Telegrafenmast für das Storchennest organisierte Dieter Stein aus Groß-Felda. Gerhard Decher vom Feldataler Gemeindebauhof baggerte das Loch aus und unterstützte das Aufrichten des Masts mit dem Bagger.

Mit dabei war auch Ortsvorsteher Hans Jürgen Schneider, der rund drei Tonnen Schotter für die Verfüllung der Grube anlieferte. Bürgermeister Leopold Bach ließ es sich nicht entgehen, beim Aufbau dabei zu sein. Nach dem Aufrichten des Mastes wurde eine Blechmanschette als »Waschbär-Schutz« angebracht. Nun bleibt zu hoffen, dass demnächst ein Storchenpaar vorbeikommt und Gefallen an dem Angebot findet.

Rudi Falk hat sich im Vorfeld mit »Meister Adebar« beschäftigt und kann einiges dazu berichten. Erfahrungsgemäß dauert es einige Jahre, bis eine Nisthilfe angenommen wird. Das Gelände in der »Au«, wie die Gemarkung auch genannt wird, ist durchaus geeignet für die Futtersuche.

Die Rückkehr des Weißstorches gehört laut Falk zu den großen Erfolgsgeschichten des hessischen Naturschutzes. Vor 30 Jahren war der Wappenvogel des Naturschutzvereins NABU fast ganz aus Hessen verschwunden. Mit Schutzprojekten wie dem Aufstellen von Storchenmasten und der Sicherung von Feuchtwiesen als Lebensraum konnten sich die Bestände wieder erholen. Seitdem brüten jedes Jahr immer mehr Weißstörche in Hessen und ziehen ihre Jungen groß. Im letzten Jahr waren es insgesamt 832 Brutpaare mit über 1 611 Jungtieren.

Vielleicht kommt auch bald im Feldatal ein Storchenpaar dazu, zeigt sich Rudi Falk sehr zuversichtlich. Im Vogelsberg gab es im Jahre 2019 vier Weißstorchbruten und bereits in 2020 ist die Zahl auf neun gestiegen.

Bürgermeister Leopold Bach nahm die Gelegenheit beim Aufbau des Storchenmastes wahr, Rudi Falk und seinen fleißigen Helfern für ihren Einsatz für den Naturschutz zu danken. Besonders diese kleinen Projekte seien geeignet die eigene Heimat liebens- und lebenswert zu machen. Das Feldatal sei nun wieder um eine Attraktion reicher und kann so immer mehr zum Anziehungspunkt von Besuchern aus Nah und Fern werden.

Rudi Falk versprach den Anwesenden abschließend, dass er bereits ein neues Projekt im Kopf haben, welches er ab Herbst 2021 realisieren wolle. Was es werden soll, verriet er natürlich noch nicht.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/vogelsbergkreis/alter-mast-traegt-nun-storchennest;art74,729852

© Giessener Allgemeine Zeitung 2016. Alle Rechte vorbehalten. Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung