06. Oktober 2021, 21:37 Uhr

Altenburg läuft für Altenburg

Es sollte ein kurzer Ausflug werden und wurde dann ein langer Spendenlauf. Ines Caspar und Tina Kröning aus Altenburg wären beinahe von der Flutkatastophe im Ahrtal betroffen worden. Weil in dem zerstörten Tal einer der Orte Altenburg heißt, haben die beiden Joggerinnen einen Spendenlauf organisiert.
06. Oktober 2021, 21:37 Uhr
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Aus der Redaktion
Sie laufen weiter: Ines Caspar (l.) und Tina Kröning vom Altenburger Lauftreff. FOTO: PM

Mehr als 3500 Kilometer und 10 000 Euro an Spenden - das ist die unglaubliche Bilanz des Spendenlaufs, den der Lauftreff unter dem Motto »Altenburg hilft Altenburg« ins Leben gerufen hat, um Spenden für den gleichnamigen Ort im Überflutungsgebiet an der Ahr zu sammeln.

Die Idee dazu hatten Ines Caspar und Tina Kröning, die just an dem Tag des Unglücks zu einer Wanderung auf dem Weg in die Region waren, zunächst weiterfuhren, dann aber doch von der Wucht der Katastrophe eingeholt wurden und den Rückweg antraten.

»Wir haben unsere Wanderung dann hier gemacht, aber der Gedanke an die Menschen dort ließ uns nicht los«, berichtet Caspar. Sie und Kröning hatten unterwegs zwar schon die Rettungsmannschaften mit den Booten gesehen, das ganze Ausmaß sahen sie aber auch erst später in den Nachrichten. »Uns war schnell klar, dass wir hier irgendwie helfen mussten«, blickt Caspar zurück, die direkt Kontakt mit Menschen vor Ort aufnahm und mit Unternehmen und dem Lions Club für erste praktische Hilfe sorgte: Eine Lieferung mit Gaskochern für Mütter mit kleinen Kindern verließ den Vogelsbergkreis, ebenso wie dringend benötigte Stirnlampen, für die ebenfalls Sponsoren gefunden wurden.

»Als wir dann erfuhren, dass es einen Ort namens Altenburg im Überflutungsgebiet gibt, war das noch einmal ein Extra-Auslöser«, erinnern sich die Initiatorinnen, die sich mit anderen im Dorf zusammensetzten und einen Spendenaufruf starteten. Eine Idee für die erste Aktion war schnell geboren: ein Spendenlauf, bei dem alle ihre gelaufenen, gewalkten oder gejoggten Kilometer angeben konnten und mindestens mit einem Euro oder mehr in der Spendenkasse quittieren sollten.

»Wir hofften, dass wir zumindest die Tausendermarke knacken würden«, berichtet Caspar, die wie ihre Mitinitiatorin Tina Kröning begeistert ist von der Hilfsbereitschaft der Menschen.

»Wir haben jetzt, zum Ende des Projekts über 10 000 Euro auf dem Spendenkonto«, freuen sie sich, hinzukommen in der Gesamtbilanz die 2600 Euro, die das Brückenfest einspielte. »Ich denke, von großer Bedeutung für die Spendenbereitschaft ist zum einen die Identifikation der Menschen über den gemeinsamen Ortsnamen, zum anderen auch die Gewissheit, dass unser Geld eins zu eins genau dort ankommt«, so Caspar.

Sie ist inzwischen im engen Kontakt mit dem Ortsverbandsvorsitzenden Werner Lanzerath, der - am Anfang skeptisch - voller Begeisterung über die Spendenbereitschaft eines einzelnen Orts ist. Sein Ort ist der einzige in der ganzen Region, in dem 100 Prozent der Gebäude geschädigt sind, ein Wiederaufbau wird lange dauern und den Menschen und Hilfskräften vor Ort noch viel abverlangen. In Altenburg an der Ahr gibt es inzwischen ein Gremium, das dafür sorgen will, dass die Spenden gerecht verteilt werden. »Das Geld soll in erster Linie Menschen ohne Versicherungsschutz zur Verfügung gestellt werden sowie Mieterinnen und Mietern, die von Hilfspaketen der Regierung nicht so stark profitieren wie Hauseigentümer«, so eine erste Idee zur Verwendung der Gelder.

»Natürlich wissen wir, dass wir mit unserem Spendenaufkommen ein Tropfen auf dem heißen Stein sind, aber wenn viele unserem Beispiel folgen, können wir viel bewirken«, werben Caspar und Kröning für die Idee und bedanken sich im Namen aller Beteiligten bei den Spendern und Sponsoren. Dies waren zahlreiche Firmen in der Region. »Wir möchten aber ganz besonders den Auszubildenden der Firma Krause danken: Sie haben in ihrer Firma eine Laufaktion ins Leben gerufen, die von den Inhabern mehr als großzügig unterstützt wurde«. berichten die Initiatorinnen.

Überhaupt sieht es so aus, als hätten alle Menschen auch persönlich von der Hilfe profitiert: »Helfen macht ein gutes Gefühl, ist teambildend und verbindet«, lautet eine Erfahrung aus der Aktion, die Caspar und Kröning auch mit ihren Lauftreff-Kolleginnen und -Kollegen teilen: »Ohne die tatkräftige Mithilfe unserer Läuferinnen und Läufer hätten wir das Projekt so nicht umsetzen können.«



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