19. Oktober 2014, 21:48 Uhr

Musikalische Geschichten grandios erzählt

Alsfeld (mag). Unter anderem mit ihrem dynamischen Differenzierungsvermögen gelingt es dem Duo David Castro-Balbi (Violine) und Ekaterina Chernozub (Klavier), mit verschiedensten Kompositionen Geschichten zu erzählen.
19. Oktober 2014, 21:48 Uhr
David Castro-Balbi (Violine) und Ekaterina Chernozub (Klavier) gastierten mit beeindruckendem Spiel in Alsfeld. Foto: mag

Das gilt nicht nur für die Dramatik etwa bei Edvard Grieg, sondern auch bei den virtuosen Feuerwerken eines Pablo de Sarasate können sie über mehr erzählen als nur über Virtuosentum. In der Aula der Alsfelder Albert-Schweitzer-Schule gestalteten die beiden eine grandiose Saisoneröffnung der Reihe Alsfeld Musik Art.

Die Feinheiten von musikalischen Strukturen standen im Mittelpunkt, als das Duo mit Wolfgang Amadeus Mozarts Sonate in A-Dur KV 526 das Konzert begann. Hier ging es den beiden weniger um große Emotionen. Mit höchster Klarheit setzten sie die Feinheiten der Struktur um, und das gibt die Komposition so vollkommen her. Momente wie der leise Beginn des zweiten Satzes waren dabei ganz besonders faszinierend: Hier gingen David Castro-Balbi und Ekaterina Chernozub mit einer Behutsamkeit vor, die ihresgleichen sucht.

Große Emotionen gab es bei allen weiteren Programmpunkten des variantenreichen Abends. Bei der Sonate in g-Moll L. 140 von Claude Debussy zahlte es sich wieder auf andere Weise aus, wie feinfühlig und differenziert die Musiker mit Dynamik umgingen. Im ersten Satz bildete das Duo die starken Spannungen in der Komposition ab, ohne dabei das Sphärische zu beschädigen, das diese Musik ebenfalls in sich trägt. Unprätentiös und packend zugleich war es, als sich der Satz zum Ende hin noch einmal besonders steigerte.

Der zweite Satz war skurril und witzig. Nicht zuletzt wegen ihres geradezu telepathischen Zusammenspiels gelang es den Musikern, Stimmungen und ihre Wechsel auf faszinierende Art und Weise umzusetzen. Dritte und letzte Satz hatte die meiste Farbenpracht. Die extrem virtuosen Violinparts waren keine reine Show, sondern David Castro-Balbi nutzte sie als musikalisches Mittel, mit dem er Kraft und Spannung ausdrückte.

»Zapateado« op. 23, Nr. 2 von Pablo de Sarasate war erst recht ein virtuoses Feuerwerk. Ekaterina Chernozub spielte die Einleitung feurig, aber nicht zu knallig – und eröffnete so dem Gesang von David Castro-Balbis Geige einen schönen Raum. Das Streichinstrument tanzte virtuos, die Pianistin unterlegte dies locker, tänzerisch und gewitzt. Dabei klang ihr Instrument – wie schon bei der Mozart-Sonate – schön kompakt und niemals zu dick. Das Ergebnis war ein großer musikalischer Spaß, der wegen seines Feuers äußerst mitreißend war.

Faszinierendes Dialogspiel

Kurz vor Ende des zweiten Programmteils war ein weiteres Mal Sarasate an der Reihe, und zwar die berühmten »Zigeunerweisen«. Die beiden Interpreten scheuten keine Extreme, sondern gestalteten Ausgelassenes wie Sanftes jeweils ganz konsequent. Beide Sarasate-Kompositionen waren nicht ausschließlich virtuos, sondern wie bereits angesprochen, erzählten sie etwas.

Hoch dramatisch war die Sonate in c-Moll op. 45 von Edvard Grieg. Von der ersten Sekunde an war eine unglaubliche Spannung in der Interpretation. Ebenfalls spannungsreich und faszinierend war der erste leise Moment, der sehr bald folgte. Die Arbeit beider Interpreten mit extremen Kontrasten sowie mit stimmigen Übergängen hätte nicht packender sein können.

Der zweite Satz begann sehr sanft. Das war in seiner Wirkung genauso stark wie alles Infernalische im ersten Satz. Als sich die Musik ins Leidenschaftliche hineinsteigerte, blieb sie stets poetisch. Im dritten Satz faszinierte das Dialogspiel zwischen David Castro-Balbi und Pianistin Ekaterina Chernozub ganz besonders.

Sehr bekannt ist der Tango von Carlos Gardel, den David Castro-Balbi und Ekaterina Chernozub in einer Bearbeitung des Filmkomponisten John Williams spielten. Die dynamische differenzierte und spannungsreiche Interpretation war mit allem aufgeladen, was ein Tango typischerweise impliziert. Für den zu Recht herzlichen und lang anhaltenden Applaus bedankten sich die Interpreten mit einer hinreißenden Zugabe. Sie spielten »Hora staccato« von Grigora Dinicu, für Violine und Klavier bearbeitet von Jascha Heifetz.

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