21. Januar 2014, 14:13 Uhr

Vater und Sohn Urvalov als Meister der Übergänge

Alsfeld (mag). Die Vielfalt der russischen Klaviermusik führten die Pianisten Alexander und Viktor Urvalov (Vater und Sohn) in der Reihe Alsfeld Musik Art mit Werken von 18 Komponisten vor.
21. Januar 2014, 14:13 Uhr
Alexander (links) und Viktor Urvalov spielten bei Alsfeld Musik Art russische Klaviermusik. (Foto: mag)

Das Programm reichte vom 19. bis ins 21. Jahrhundert. Die Zuschauerreihen in der Aula der Alsfelder Albert-Schweitzer-Schule waren voll besetzt.

Beide Pianisten sind Meister der Übergänge und der Dramaturgie, wobei beide ihre eigene Spielweise haben. Das wurde von Anfang an deutlich. In der ersten Hälfte betraten sie die Bühne in ständigem Wechsel und spielten Musik des 19. Jahrhunderts. Das 20. Jahrhundert stand im zweiten Teil im Mittelpunkt, wobei jeder der beiden einen großen Block spielte. Bei den Zugaben kam auch das 21. Jahrhundert zum Zuge.

In einem Programm mit Komponisten aus der russischen Heimat der beiden Pianisten durfte natürlich Pjotr Iljitsch Tschaikowsky nicht fehlen. Ihm widmeten sich beide Interpreten, wobei die Unterschiede in ihrer Tongebung besonders deutlich wurden.

Viktor Urvalov spielte den »Karneval« und die »Barkarole« aus dem Zyklus »Jahreszeiten« op. 37a. Er wählte einen vergleichsweise dunklen Gesamtklang, dem er im Falle des »Karnevals« etwas leicht Durchdringendes verlieh. Niemals in diesem Stück ließ er den Ton sehr dick werden, sondern er verband Lockerheit und Leichtigkeit mit einer dezenten Derbheit. Sanft, verträumt und leicht klang die »Barkarole«. In Momenten mit mehr emotionalem und klanglichem Gewicht wischte der Pianist diese gewisse Leichtigkeit niemals ganz weg, so dass die Interpretation ein stimmiges Ganzes ergab.

Alexander Urvalov spielte Tschaikowskys »Nachdenken« op. 72,5. Sein Gesamtklang war heller als der Viktors, aber ebenfalls markig und mit einem soliden Fundament. Zu den Höhepunkten gehörte »Hopak« aus dem Zyklus »Der Jahrmarkt von Sorotschinzi« von Modest Mussorgski mit Viktor Urvalov. Dieses Stück ist sehr gewitzt und zum Teil fast skurril, wobei der Pianist diese Gewitztheit auf gelungene Weise mit einem warmen, weichen Klang verband.

Ein anderer Höhepunkt im ersten Programmteil war »Islamej. Orientalische Phantasie« von Mili Balakirew, gespielt von Alexander Urvalov. Die Komposition besteht aus einer großen, wellenförmig verlaufenden Steigerung, die der Interpret mit allen Nuancen und sehr spannungsreich inszenierte.

Auch aus dem 20. Jahrhundert, dessen Musik vielfach als »schräg« verschrien ist, gibt es ausdrucksstarke und eingängige russische Musik. Beim zwölften aus den Préludes op. 32 von Sergej Rachmaninow ließ Alexander Urvalov die gewisse Schwermut in der Komposition bestens durchkommen, ohne dass die Musik insgesamt schwer geklungen hätte.

Präludium und Fuge Nr. 3 in G-Dur aus op. 87 von Dmitri Schostakowitsch spielte Viktor Urvalov kräftig und mit einem sehr klaren Ton, was insbesondere den Strukturen der Fuge zugute kam. Den Schluss des zweiten Teils gestaltete Viktor mit Werken zweier lebender Komponisten. »Waldmusikanten« aus »Musical Toys« von Sofia Gubaidulina stammt aus dem Jahr 1971. Mit seiner Entrücktheit und einigen scharfen Dissonanzen ist das Stück zunächst nicht leicht zugänglich, aber Viktor Urvalov verstand es, die Musik seinen Hörern nahezubringen.

Eingängiger sind die »Zwei polyphonen Stücke« von Rodion Schtschedrin, geschrieben 1961. Das zweite Stück, »Basso ostinato«, hat viele skurrile Melodien sowie melodische Fetzen, doch die Bassfigur gibt der Musik eine klare und nachvollziehbare Struktur. Viktor Urvalov gab dies bestens wieder. Viktor Urvalovs Solo-Zugabe war »Alla pizzicato« von Schtschedrin, geschrieben 2005. Die zweite Zugabe spielten beide Pianisten gemeinsam: ein vierhändiges Klavier-Arrangement des »Säbeltanzes« von Aram Chatschaturjan – ein feuriges Stück, dargeboten in feurigem und packendem Zusammenspiel.

Sein Solostück außerhalb des offiziellen Programms hatte Alexander Urvalov bereits zu Beginn des Konzerts gespielt: Mit »Albumblatt« op. 45 von Alexander Skriabin gratulierte er der Vorsitzenden des Arbeitskreises von Alsfeld Musik Art, Annette Thon. Sie ist seit 25 Jahren im Amt und war aus diesem Grund Gast beim Neujahrsempfang des Bundespräsidenten.

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