13. Januar 2013, 18:58 Uhr

Künftig keine Ritterspiele mehr auf Burg Herzberg

Breitenbach/Alsfeld (pm). Keine Ritterspiele des hessischen Ritterbundes mehr auf Burg Herzberg nahe Lingelbach. Wie der Hessische Ritterbund und Das Artefakt mitteilen, zieht man sich mit sofortiger Wirkung aus allen Veranstaltung auf Burg Herzberg zurück.
13. Januar 2013, 18:58 Uhr
Die Veranstalter des Ritterfestes auf Burg Herzberg (oben eine Szene von 2011) sehen keine Möglichkeit, mit den beliebten Mittelalter-Veranstaltungen dort weiterzumachen. (pm)

Damit kündigen das Artefakt und der Hessische Ritterbund eine 18 Jahre andauernde Zusammenarbeit mit der Dörnberg’schen Stiftung Burg Herzberg auf.

Was 1995 als kleine, fast familiäre Veranstaltung begann, entwickelte sich rasch zu einer der größten und bekanntesten mittelalterlichen Veranstaltungen in Deutschland. Dies war nur durch viel Idealismus und ausdauerndes Engagement einer Gruppe von Leuten möglich, die das Gelände der Burg Herzberg in ehrenamtlicher Arbeit für Veranstaltungen nutzbar machte und Jahr für Jahr in Stand hielt. So heißt es in der Mitteilung der Gruppierungen weiter.

Trotz des einzigartigen Ambientes, das die Burg Herzberg bietet, gab es grundsätzliche Schwierigkeiten mit ihrer Infrastruktur: Es mangelte an Parkmöglichkeiten, an der Wasserversorgung und sanitären Anlagen. Zudem ist der einzige Zufahrtsweg zur Burg schmal und schlecht ausgebaut. Bei schlechtem Wetter mussten häufig Fahrzeuge von den durchnässten Wiesen geschleppt werden. Zudem kamen auf die Veranstalter hohe Ausgaben für Feuerwehr, Sanitätsdienst und den Pendelbus-Verkehr vom zwei Kilometer entfernten Besucher-Parkplatz zum Veranstaltungsgelände zu. Sicherheitsauflagen sorgten für einen hohen Aufwand im Vorfeld: Eine Burg für Großveranstaltungen abzusichern ist kein leichtes Unterfangen. All diese Punkte trieben die Ausgaben für die Veranstaltung in die Höhe.

Bereits seit geraumer Zeit waren die Organisatoren mit dem relativ hohen Eintrittsgeld unzufrieden, wollte man doch Mittelalter für Familien mit Kindern erlebbar machen. Seit der ersten Veranstaltung war die Finanzierung immer ein großes, privat getragenes Risiko. Weder die Freiherrlich von Dörnberg’sche Stiftung, in deren Eigentum die Burg Herzberg steht, noch die Gemeinde Breitenbach hätten sich finanziell an der Veranstaltung beteiligt, obwohl durch sie für beide Vorteile entstanden. Auch die Suche nach Sponsoren sei in der strukturschwachen Gegend weitgehend erfolglos geblieben. So mussten die gesamten Kosten durch Eintrittsgelder gedeckt werden. Obwohl die Arbeiten ehrenamtlich geleistet wurden, war eine kostendeckende Durchführung der Veranstaltung oft nicht möglich.

Trotz der vielen unentgeltlichen Arbeit, die letztendlich auch in Form von Instandhaltungs- und Infrastrukturarbeiten zugunsten der Burg Herzberg selbst geleistet wurde, war es im vergangenen Sommer zu unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten über Art und Durchführung der Veranstaltungen zwischen der Freiherrlich von Dörnberg’schen Stiftung und den Veranstaltern gekommen. Dem seit Jahren anhaltenden Zuschauerschwund wollten Artefakt und der Hessische Ritterbund mit einem neuen Veranstaltungsformat begegnen, das leider schon nach einem Jahr am Veto der Burgbesitzer scheiterte.

Nun ziehen die Beteiligten die Konsequenz, keine Veranstaltungen mehr auf der Burg Herzberg durchzuführen. Dies bedeutet das Aus für Ritterspiele, Frühjahrsmarkt, Weihnachtsmarkt und leider auch für das beliebte Schulprogramm, die »Kinderwochen«. »Wir hatten tolle Jahre gemeinsam auf der Burg, aber man muss auch erkennen, wenn eine Ära zu Ende geht. So bleibt uns nur, uns bei allen Besuchern, Helfern und Freunden für die schöne Zeit und die Unterstützung zu bedanken,« heißt es in der Mitteilung weiter

Doch der Rückzug sei keine Kapitulation: Das neue Konzept »Einblick ins Mittelalter« wird weiter verfolgt. »Wegen der Schwemme an mittelalterlichen Spektakeln und dem sich dadurch seit mehreren Jahren abzeichnenden Besucherrückgang wollen wir ein neues Konzept etablieren, welches ein Alleinstellungsmerkmal in der Region und ganz Hessen haben wird. »Einblick ins Mittelalter« soll dem Besucher Informationen über das Mittelalter vermitteln und Geschichte historisch korrekt erlebbar machen ohne dabei oberlehrerhaft oder langweilig zu sein. Das neue Konzept führt weg vom allseits bekannten Mittelalter-Fantasy-Klamauk hin zu fundierter Information und zeitgenössischer Unterhaltung aus der Zeit des 11. bis 14. Jahrhunderts und soll an einem neuen Standort etabliert werden.

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