05. November 2010, 17:22 Uhr

Vortrag über modernen Antisemitismus und Gedenkfeier

Alsfeld (pm). Am 8. und 9. November 1938 brannten die Synagogen in Deutschland, wurden jüdische Geschäfte und Wohnungen zerstört, Juden misshandelt, in KZs verschleppt und ermordet. Mit Blick darauf lädt der Förderverein Jüdische Geschichte mit Stadt Alsfeld und Geschichtsverein Alsfeld zu zwei Veranstaltungen ein.
05. November 2010, 17:22 Uhr

Alsfeld (pm). Am 8. und 9. November 1938 brannten die Synagogen in Deutschland, wurden jüdische Geschäfte und Wohnungen zerstört, Juden misshandelt, in KZs verschleppt und ermordet. Mit Blick darauf lädt der Förderverein Jüdische Geschichte mit Stadt Alsfeld und Geschichtsverein Alsfeld zu zwei Veranstaltungen ein. Ein Vortrag über Rassimus und Antisemitismus von Prof. Micha Brumlik am Montagabend sowie die Gedenkveranstaltung an die Pogrome am Dienstag um 17 Uhr am Gedenkstein.

Ein Schwerpunkt des Novemberpogroms 1938 lag im hessischen Raum. Es passierte in den großen Städten und auch auf dem Lande, wie in den alten jüdischen Landgemeinden im Vogelsberg. Dieses antisemitische Pogrom und die nachfolgenden antijüdischen Gesetze leiteten in endgültig die Vernichtung der jüdischen Lebensgrundlagen in Deutschland ein. »In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die deutsche Bevölkerung auf die Probe gestellt. Die übergroße Mehrheit versagte kläglich. Ganz im Sinne Hitlers konnte sich die NS-Führungsriege durch das passive, feige Verhalten der nichtjüdischen Bürgerinnen und Bürger in ihrem menschenverachtenden Vorgehen gegen die Juden bestärkt fühlen,« erklärte Paul Spiegel 2004, damals Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Seit vielen Jahren wird in Gedenkveranstaltungen am 9. November den Opfern des Judenpogroms von 1938 gedacht und die Einsicht beschworen, dass man Lehren aus der Geschichte ziehen muss.

Doch die politische Entwicklung der letzten Jahre zeichnet ein anderes Bild. Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit nehmen zu und sind nicht auf die extreme Rechte am Rande der Gesellschaft beschränkt, wie es in der Einladung des Fördervereins heißt. Ganz aktuell stellt eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung fest: Über 10 Prozent der Befragten wollen einen »Führer«, der »Deutschland zum Wohle aller mit harter Hand regiert«. Ebenfalls etwa jeder Zehnte hält eine Diktatur »für die bessere Staatsform«. 13,3 Prozent der Befragten sehen die Deutschen »anderen Völkern von Natur aus überlegen«. Vor diesem Hintergrund lädt der Förderverein zur Diskussionsveranstaltung »Formen des Rassismus und Antisemitismus heute« mit Prof. Micha Brumlik. Der ehemalige Direktor des Fritz-Bauer-Instituts in Frankfurt spricht am Montag, 8. November, um 19.30 Uhr im Regionalmuseum Alsfeld. Die Gedenkveranstaltung für Opfer des Nationalsozialismus ist Dienstag, 9. November, um 17 Uhr am Gedenkstein der ehemaligen Alsfelder Synagoge in der Lutherstraße. Es spricht Bürgermeister Becker, Beiträge kommen von Schülerinnen und Schülern der Geschwister-Scholl-Schule, der Albert-Schweitzer-Schule sowie Konfirmanden.



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