02. November 2010, 17:40 Uhr

Musik von Max Reger bis Queen

Alsfeld (ia). Es war ein schönes Abbild der regionalen Musikkultur und dabei auch noch für einen guten Zweck: das vom Lions Club Alsfeld-Lauterbach in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirchengemeinde Alsfeld veranstaltete Benefizkonzert der Chöre.
02. November 2010, 17:40 Uhr
Die »Jungen Vocalisten« aus Altenburg traten unter der Leitung von Sabine Spahn auf. (Foto: ia)

Alsfeld (ia). Es war ein schönes Abbild der regionalen Musikkultur und dabei auch noch für einen guten Zweck: das vom Lions Club Alsfeld-Lauterbach in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirchengemeinde Alsfeld veranstaltete Benefizkonzert der Chöre. Das jetzt fünfte Alsfelder, somit schon fast zur Tradition gewordene »Konzert der Chöre« unter klangschöner Mitwirkung von Musikgruppen aus Alsfeld und Umgebung, dieses Mal bereits am Reformationstag ausgerichtet, war insgesamt eine vorbildliche Gemeinschaftsleistung der Musikgruppen für eine gute Sache, wie auch Dr. Martin Noelke, Präsident des Lions Club Alsfeld-Lauterbach, in der Begrüßungsansprache zum Ausdruck brachte.

Feierlich eingeleitet worden war das knapp zweiundeinhalbstündige musikalisch facettenreich gestaltete Wohltätigkeitskonzert von der »show and brass band«-Bläsergruppe, von der Orgelempore intonierend, mit der »Trumpet Tune zu fünf Stimmen«.

Der Erlös des Konzerts werde für die Kinder- und Jugendfürsorge in Alsfeld verwandt, so Noelke in seiner Grußbotschaft an die Musikfreunde: »Helfen Sie uns dabei, denn es gibt noch viel zu tun.« Der Sprecher verlieh zugleich seiner Freude darüber Ausdruck, dass die Zuhörer mit ihrem Besuch dem Veranstalter die Treue gehalten hätten. Mit den Worten »wir wünschen Ihnen einen besonders gelungenen schönen Konzertabend, der hoffentlich lange nachklingt«, leitete der Clubvorsitzende zum konzertanten Teil des Spätnachmittags über.

Vom traditionellen Benefizkonzerttermin, dem zweiten Advent, waren die Veranstalter dieses Mal, wie mitgeteilt wurde, mit der Vorverlegung auf den für die evangelische Kirche so bedeutsamen Reformationstag abgewichen, sei der zweite Advent doch mit der Aufführung des »Weihnachtsoratoriums« belegt.

In dem farbenprächtigen und mit insbesondere kirchenmusikalisch-geistlich ausgelegten Beiträgen gestalteten Benefizkonzert wirkten instrumental die Bläsergruppe der »show and brass band« (Leitung: Rainer Kölsch) und das erfrischend-jugendlich musizierende Blasorchester der Geschwister-Scholl-Schule (Leitung: Volker Tost) sowie chorisch der mit eindrucksvoller Sängerzahl und erstmals hier auftretende »Konzertchor Alsfelder Singkreis« (Leitung in Vertretung von Thomas Walter: Hartmut Geist und Antje Margolf) sowie die beiden Vocalensembles »Voice Factory«, Altenburg, unter Leitung von Daniel Schuch und »Junge Vocisten«, Altenburg, unter Leitung von Sabine Spahn mit.

Einen ganz besonderen Akzent setzte im Benefizkonzert mit seiner dritten Teilnahme das Blasorchester der Geschwister-Scholl-Schule. Im Sinne einer gelungen Hommage an den unvergessenen Freddy Mercury und an die Rockgruppe Queen brachten sie in eindrucksvoller musikalischer Gestalt die berühmte »Bohemian Rhapsodie« zu Gehör, ein zweifellos sehr komplexes und anspruchsvolles Stück, das zu intonieren, noch dazu von einem Blasorchester, sicher eine große Aufgabe war. Für diesen ganz besonderen Hörgenuss, den das ambitionierte und qualitativ überzeugend aufspielende Blasorchester zu vermitteln wusste, ernteten die jungen Musiker verständlicherweise besonders großen Applaus des Auditoriums, wie generell auch alle weiteren Beiträge den dankbaren und reichen Beifall der Musikfreunde ernteten.

Einen ganz wesentlichen Part im Benefizkonzert hatte Alsfelds Dekanatskantor Simon Wahby übernommen. Wahby, ein unverzichtbarer Begleiter des »Konzerts der Chöre« von Anbeginn an, begleitete auf »seinem« Kircheninstrument nicht nur die Gemeinde bei den gemeinsamen Stücken (so bei »Nun freut euch, lieben Christen gmein« und, zusammen mit dem Blasorchester, bei den vier gesungenen Strophen von »Nun lasst uns Gott, dem Herren«), sondern legte mit der Soloorgeldarbietung der Choralfantasie, Op. 27 von Max Reger (1873 - 1916) einmal mehr eindrucksvoll Zeugnis seiner Meisterschaft an der Orgel ab. Die Choralfantasie Regers, maßgeschneidert für den Konzertermin von Wahby einstudiert, trägt die Überschrift »Ein feste Burg ist unser Gott« und kann somit als Verneigung vor dem Begründer der evangelischen Kirche und Texter dieses bekannten Kirchenlieds, Dr. Martin Luther, interpretiert werden. Luther hatte, wie Wahby in der Programmbeilage schrieb, das Kirchenlied nach Psalm 46 höchst persönlich gedichtet. Es sei Regers erste Choralfantasie, die sich exakt an der Textvorlage orientiere. Erst mit dem Beginn der vierten Strophe (»Das Wort sie sollen lassen stahn«) werde die geistige Haltung des berühmten Lutherliedes in eine, wie dann auch eindrucksvoll zu hören war, in eine fulminante Coda überführt. Die Choralfantasie habe Reger den Ausführungen des Dekanatskantors zufolge letztlich in Deutschland schlagartig berühmt gemacht: »Mit dieser Art von Choralfantasien traf er den Nerv seiner Zeit, indem es ihm gelang, eine Verbindung zwischen der absoluten Musik eines Johannes Brahms und der Programmmusik eines Richard Wagners herzustellen«, so die musikfachlich kompetente Bewertung des Dekanatskantors des von ihm glanzvoll intonierten Orgelstücks.

Das Benefizkonzert der Chöre wurde abgeschlossen mit einfühlsamen Worten zum Geleit von Alsfelds Pfarrerin Katja Dörge: »Musik berührt.« Die Pfarrerin brachte auch ihren Dank dafür zum Ausdruck, »dass man ein wundervolles Konzert hatte.«

Nach Konzertschluss erfolgte am Kirchenausgang die Spendensammlung - recht offensiv ausgelegt durch Einsammlung in offenen Körbchen von insgesamt vier Herren des Lions-Fördervereins. Wie auf Nachfrage der AZ Hans Wübbers (Alsfeld), Activity-Beauftragter des Lions Clubs, erklärte, habe das Benefizkonzert eine Bruttobareinnahme von etwa 2500 Euro erbracht.

Über den konkreten Verwendungszweck der Unterstützung im Bereich der Alsfelder Kinder- und Jugendfürsorge werde der Club dann zu gegebener Zeit berichten. Die Einnahmen seien allerdings noch nicht abgeschlossen, da sicher noch mit Überweisungen zu rechnen sei, so Wübbers. Er bedankte sich dabei zugleich auch namens des Lions-Fördervereins Alsfeld-Lauterbach für den »großartigen Besuch« und die »großzügigen Spenden« der vielen Konzertbe- sucher.



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