09. September 2010, 17:40 Uhr

Alle sind nur so stark wie das schwächste Glied

Alsfeld (aaz). Sieht man eine Gruppe Jugendlicher, die mit einem Strick ein Auto von seinem Parkplatz entfernt, dann scheint der Gedanke an eine kriminelle Handlung zunächst nicht abwegig.
09. September 2010, 17:40 Uhr

Alsfeld (aaz). Sieht man eine Gruppe Jugendlicher, die mit einem Strick ein Auto von seinem Parkplatz entfernt, dann scheint der Gedanke an eine kriminelle Handlung zunächst nicht abwegig. Wer kommt schon auf die Idee, dass die Teamfähigkeit der Gruppenmitglieder und nicht das Auto selbst im Vordergrund dieser Aktion steht? So und nicht anders geschah es am Mittwoch Morgen auf dem Gelände der Großsporthallen. Organisiert von der Sparkasse Oberhessen, der Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen und dem Landessportbund wurde der so genannte »Sportsfun-Teamday« der Max-Eyth-Schule ausgerichtet. Mit der Unterstützung vieler Lehrkräfte im Rücken nahmen rund 400 Jugendliche teil.

Mehr als 40 Schulen hatten sich landesweit für die Veranstaltung beworben. Zwölf von ihnen dürfen sie dieses Jahr erstmalig austragen. An insgesamt 21 kreativen Spielstationen, die von der hessischen Sportjugend für sie vorbereitet und aufgebaut worden waren, konnten die Schüler der Jahrgangsstufen zehn bis zwölf ihr sportliches Können und ihre Teamfähigkeit unter Beweis stellen. Denn genau dabei setzt das Konzept der Organisatoren an: Die Kommunikation und die Zusammenarbeit unter den Schülern soll gefördert werden und durch ein gemeinsames Erfolgserlebnis zu einem guten Teamgeist führen. Die Strategie schien aufgegangen zu sein. Trotz unschöner Wetterverhältnisse ließen sich die Schüler nach anfänglichem Missmut und Skepsis schon bald von den kreativen Ideen der Veranstalter anstecken. Abwechselnd liefen sie der Reihe nach von Station zu Station, wo ihnen jeweils 40 Minuten Zeit blieb, die dortige Herausforderung zu meistern.

So zum Beispiel an der Station Seilbrücke: Die Gruppe Schüler stand dabei vor der Aufgabe, über ein langes Seil zu balancieren, um auf die andere Seite zu gelangen. Erst wenn jeder Schüler die andere Seite erreicht hatte, war die Aufgabe erfolgreich beendet. Vor dem ersten Versuch gab man den Jugendlichen zunächst fünf Minuten Zeit, sich gemeinsam eine Strategie zu überlegen. Besonders interessant zu beobachten war dabei die Auflösung der gewohnten Klassenhierarchie: Anfangs noch zurückhaltende Mitschüler entwickelten schnell genug Selbstbewusstsein und beteiligten sich ebenso rege an der Suche nach einer Lösung wie die gewohnten Klassenanführer. Ohne Teamgeist kam man nämlich nicht weiter. Auch als es galt, die zusammen erarbeitete Strategie umzusetzen, wurden wieder alle helfenden Hände benötigt, denn nur als Gemeinschaft konnte die Herausforderung bewältigt werden. Die übrigen Spielstationen des Parcours’ hatten einem ähnlichen Ablauf.

Berührungsängste wurden bald überwunden, das Vertrauen untereinander sorgfältig aufgebaut. Die Schüler merkten rasch, dass die gesamte Gruppe nur so stark war wie ihr schwächstes Glied. Sofort boten sie sich gegenseitige Unterstützung an, um ihre Schwächen auszugleichen, und das gemeinsame Erfolgserlebnis bestätigte sie immer wieder in ihrem Verhalten. Auf diese Weise fand jeder einzelne schnell Gefallen und Spaß an der Veranstaltung.

Großes Interesse zeigten die Jugendlichen vor allem an der Kletterstation im Freien. Dabei traten die verschiedenen Schulklassen im Wettbewerb gegeneinander an, indem sie den vertikalen Parcours möglichst schnell und fehlerfrei abschlossen. Die Sieger gewannen im Anschluss an den »Sportsfun-Teamday« ein halbtägiges intensives Training, geleitet von einem professionellen Trainer der Sportjugend Hessen. Gestiftet wurde der Preis von der Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen. Bei der Siegerehrung überreichte Sparkassenvertreter Thomas Goss den stolzen Siegern den Scheck und nannte die Aktion eine »coole Sache«. Teamfähigkeit sei im späteren Berufsleben ganz wichtig. Das Gelernte werde den Schülern auch in Zukunft von großem Nutzen sein. Und Spaß hatte man zuätzlich beim Lernen für’s Leben. »Die Schüler waren ganz begeistert bei der Sache«, berichtete eine Sportlehrerin der Schule und gestand ein, anfangs ebenfalls skeptisch gewesen zu sein, ob das Konzept aufgehen würde.

In den Augen des Vertreters des Landessportbundes, Martin Weingart, ist es das ohne Zweifel: »Wenn wir sehen, wie die Kooperation und das Vertrauen untereinander wächst und die Schüler voranbringt, dann haben wir unser Ziel erreicht, auch wenn die Aufgabe nicht fehlerfrei gelöst wurde.«

Auf den Erfolg an den Stationen kam es im Grunde also gar nicht an. Viel schwerer wog die Tatsache, dass die Schüler frei von jedem Leistungsdruck dennoch - oder vielleicht gerade deshalb - eine Gemeinschaft entwickeln konnten, die sie hoffentlich in den Schulalltag retten werden. Denn erst dann wird sich zeigen, ob sie wirklich für’s Leben gelernt haben.

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