20. August 2010, 19:34 Uhr

Ja zur Windenergie - aber nicht um jeden Preis

Vogelsbergkreis/Gießen (son). Die Energiewende muss kommen. Dem Ausbau regenerativer Energien steht auch der Naturschutzbund (Nabu) Hessen positiv gegenüber und bekennt sich in seinem neuen Positionspapier ausdrücklich dazu.
20. August 2010, 19:34 Uhr
Nabu-Landesgeschäftsführer Hartmut Mai zeigt am Donnerstag auf der Karte landesweit bedeutende Zugkorridore von Vögeln, die man aus naturschutzfachlicher Sicht von der Planung von Windkraftanlagen ausschließen sollte. (Foto: son)

Vogelsbergkreis/Gießen (son). Die Energiewende muss kommen. Dem Ausbau regenerativer Energien steht auch der Naturschutzbund (Nabu) Hessen positiv gegenüber und bekennt sich in seinem neuen Positionspapier ausdrücklich dazu. »Atomkraft muss endlich Geschichte werden«, sagte Nabu-Landesgeschäftsführer Hartmut Mai bei der Erläuterung der Grundsatzposition im Senatssaal des Uni-Hauptgebäudes. Nichtsdestotrotz sei ein sensibler Umgang mit dem Thema Windkraft notwendig. Der Nabu konzentriere sich dabei auf Natur- und Artenschutz.

Eine Grundforderung ist, nicht nur Vorranggebiete für Windkraft auszuweisen, sondern auch gleichberechtigte und klar definierte Vorrangflächen für den Erhalt der Artenvielfalt, die auf jeden Fall unangetastet bleiben sollten.

Derzeit drehen sich genau 603 Windkraftanlagen in Hessen. Um den Anteil an erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent zu steigern, müsste ihre Anzahl mindestens verdoppelt, wenn nicht verdreifacht werden. »Wir brauchen daher unbedingt eine landesweit einheit- liche Planung, damit es keinen ungeregelten Ausbau der Windenergie mehr gibt«, meint Mai. Genaue Vorstellungen hat der Nabu, welche Flächen in Hessen nicht infrage kommen. »Dazu gehören neben den Naturschutzgebieten, dem Nationalpark Kellerwald-Edersee und Vogelschutzgebieten mit einer Größe von weniger als 10 000 Hektar auch die landesweit bedeutsamen Zugkorridore von Vögeln«, zählt Mai auf. Überregional wichtige Brut- und Rastplätze und besonders wertvolle Waldgebiete sollten ebenfalls ausgenommen werden. Das Augenmerk sollte dabei auf die Lebensräume von Schwarzstorch, Rotmilan und Fledermäusen gerichtet sein. »Aus Landschaftsschutzgründen sollte es mit dem Biosphärenreservat Rhön und dem Waldeckischen Upland in Hessen auch zwei Regionen geben, in denen ein von Industrieanlagen ungestörtes Landschaftsbild erhalten bleibt«, fordert der Landesgeschäftsführer.

Karl-Heinz Zobich vom Nabu-Kreisverband Vogelsberg ergänzte: »Wir haben mit 175 Anlagen eine besonders hohe Dichte von Windkrafträdern im Kreis.« Zugleich sei der Vogelsberg reich an hochwertigen Flächen aus Sicht des Naturschutzes. Dieser Konflikt schlage sich derzeit in einer höchst »unsauberen Genehmigungsarbeit« bei den Planungsbehörden nieder. Dabei ziehe der Naturschutz meist den Kürzeren. Gerne würden sogenannte Abweichungsverfahren in Anspruch genommen, die den Bau von Windkraftanlagen auch in natursensiblen Bereichen erlaubten.

»Was ist dann noch die Regionalplanung wert, wenn solche Verfahren zur gängigen Praxis werden?«, fragte Zobich. Fehlplanungen seien beispielsweise bei den Ausweisungen in Ulrichstein, Freiensteinau und Helpershain zu beobachten. »Dabei ist der Ausbau der regenerativer Energien auch mit Berücksichtigung des Naturschutzes in Hessen machbar«, sagte Mai.

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