23. Februar 2010, 19:18 Uhr

»Gute Chancen« für deutsche Intensiv-Landwirte

Alsfeld (jol). Gute Aussichten für Landwirte mit Intensivbetrieben sieht der Uni-Experte: Angesichts des Bevölkerungswachstums auf neun Milliarden Menschen, Wassermangel und Schwinden der landwirtschaftlichen Böden weltweit werde es künftig großen Bedarf an Lebensmitteln aus Deutschland geben, so Prof. Dr. Michael Schmitz.
23. Februar 2010, 19:18 Uhr
Vor gut 80 Landwirten stellte Prof. Schmitz die Chancen der Landwirtschaft heraus. (Foto: jol)

Alsfeld (jol). Gute Aussichten für Landwirte mit Intensivbetrieben sieht der Uni-Experte: Angesichts des Bevölkerungswachstums auf neun Milliarden Menschen, Wassermangel und Schwinden der landwirtschaftlichen Böden weltweit werde es künftig großen Bedarf an Lebensmitteln aus Deutschland geben, so Prof. Dr. Michael Schmitz. Der Agrarpolitik-Experte der Uni Gießen scholt bei der Ackerbau-Fachtagung von Raiffeisen Alsfeld-Kirchhain ein wenig die Politik, die mehr Wert auf Biogasanlagen als auf wirtschaftlich erfolgreiche Betriebe lege. Er verschonte auch nicht die Wissenschaft, »die gut Trends bis 2013 oder 2020 aufzeigen kann, den Landwirten aber nicht hilft, die kurzfristigen Marktschwankungen nach Dürre oder einer Finanzkrise besser zu meistern«. Deshalb sei ein gut informierter und flexibler Agrarunternehmer gefragt.

In der Begrüßung verwies Raiffeisen-Geschäftsführer Armin Pfeil bereits auf die geringen Erlöse in Milch- und Ackerbaubetrieben. Die Ackerbau-Fachtagung biete Vorschläge für besseres Wirtschaften. Dabei hatte Schmitz die Aufgabe, den großen Rahmen inklusive EU-Förderung und Chancen im Export zu umreißen. Wseitere Vorträge befassten sich konkreter mit den Betrieben. Dabei ging es um Getreide und Ölsaatenmärkte sowie die Frage, welche Kulturen Landwirte anbauen sollen.

Schmitz verwies besonders auf das große »Bedrohungspotenzial« durch Regelungen aus Brüssel, die von der deutschen Politik teilweise übereifrig umgesetzt werden. So sei Gentechnik sehr stark eingeschränkt, »das verzerrt den Wettbewerb«, ähnliches gelte für das Verbot der Legehennen-Käfighaltung. Er stellte solche Bedrohungen des Landwirtschaftsmarktes in den Zusammenhang der Wirtschaftslage: Zur Zeit kämen drei ökonomische Entwicklungen zusammen - die Finanzkrise, starke Preisschwankungen bei Landwirtschaftsprodukten und eine abflauende Weltkonjunktur. Ein Beispiel für die Wirtschaftsschwankungen ist der Milchmarkt, binnen kurzer Zeit sei in den Vorjahren ein stark angestiegener Weltmarktpreis für Butter und Milch wieder auf ein normales Niveau gefallen. Um die Risiken im eigenen Betrieb zu mindern, müsse ein Landwirt effektives Risikomanagement betreiben. Zurzeit verdient er noch relativ wenig, aktuell liege der Gewinn bei 24400 Euro/Jahr pro Arbeitskraft. Aber die Stimmung unter Landwirten sei positiv, das gelte auch für Milchbauern. 42 Prozent der Landwirte planen Investitionen, oft in Solar- oder Biogasanlagen.

Immerhin waren die Folgen der großen Finanzkrise auf die Landwirtschaft begrenzt, weil die Menschen nur begrenzt beim Essen sparen können und weil die Volks- und Raiffeisenbanken weiter Kredite geben. Positiv auch die Zahlen bei den Agrar-Exporten, die von Anfang 2008 bis Anfang 2009 um 12 Prozent gestiegen sind. Übrigens schätzt er die Bedeutung von Spekulanten auf die Agrarpreise nicht so hoch ein, da gebe es mehr Druck durch die hohe Subventionierung von regenerativen Energien - die treibe in manchen Regionen die Preise für Mais hoch, was das Viehfutter verteuert. Für die nächsten Jahre sieht er zwei Trends: Die Exporte werden zunehmen, weil breite Bereiche Nordafrikas und Südasiens unter Wassermangel leiden werden. Dann würden die Lebensmittel im entwickelten Norden erzeugt und in den Süden geliefert. In der EU werde die Unterstützung der Betriebe zurückgefahren, bis 2013 werden die Direktzahlungen für deutsche Bauern gemindert. Ein Problem ist die Ausrichtung auf Extensivierung der Landwirtschaft, die aus Zeiten der Agrar-Schwemme der 1970er Jahre herrührt. Nun sei es an der Zeit, die Förderung auf mehr Produktion aus nachhaltigen Intensiv-Betrieben auszurichten. Da sei der deutsche Agrarsektor stark, weil man umweltverträglich und dennoch intensiv wirtschaften könne. Sein Fazit: Durch extreme Wetterlagen und Krisen komme es immer wieder zu starken Schwankungen, aber deutsche Betriebe hätten gute Chancen angesichts des weltweiten Bevölkerungszuwachses. Die hiesigen Intensiv-Betriebe könnten mehr Lebensmittel erzeugen und das umweltverträglich, hingegen würde Öko-Landbau viel größere Flächen erfordern.

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