16. Dezember 2009, 18:16 Uhr

Milchprodukte und Babynahrung heiß begehrt

Alsfeld (ml). Mit vielen Problemen ist derzeit die Alsfelder Tafel belastet.
16. Dezember 2009, 18:16 Uhr
Von links Norbert Weinig, Karlheinz Zimmer und Dr. Johannes Pfann von der Alsfelder Tafel im Lagerraum. (Foto: ml)

Alsfeld (ml). Mit vielen Problemen ist derzeit die Alsfelder Tafel belastet. Gewaltige Lücken in den Lagerregalen, ein Mangel an Milchprodukten, enormer bürokratischer Aufwand und steigender Bedarf sind nur einige der aktuellen Fronten, an denen der Verein zu kämpfen hat. Man könne den rund 400 Kunden schon lange keine Vollversorgung mehr anbieten, erklärten die Vorstandsmitglieder Dr. Johannes Pfann, Norbert Weinig und Karlheinz Zimmer sowie die Vorsitzende Kerstin Buse-Wüstendörfer. Das Angebot für die Bedürftigen sei lediglich eine Ergänzung, man könne nur das verteilen, was man zufällig bekommt. Was bei der Tafel geleistet wird mit den über 50 ehrenamtlichen Mitgliedern, entspreche einem kleinen Betrieb. Seit gut drei Jahren besteht die Alsfelder Tafel und sie wird von Jahr zu Jahr mehr frequentiert. Ansprechpartner der Kunden sind in erster Linie Diakonie und Caritas. Dort müssen Bedürftige einen Antrag stellen.

Nach erfolgreicher Bedürftigkeitsprüfung kommen sie auf eine Warteliste. Nach einem Jahr werden die Kunden aus dem Bezug genommen, können aber einen Folgeantrag stellen. Und die Zahl der Bedürftigen sei größer, »da viele sich nicht trauen, einen solchen Antrag zu stellen«. Bei der Tafel hat man auch eine Zunahme deutscher Familien festgestellt, die einmal der Mittelschicht angehörten. Daneben gibt es viele weitere Nöte. Das größte Problem stelle die zunehmende Lageroptimierung der Supermärkte dar, so Vorstandsmitglieder.

Durch moderne EDV sei es den Märkten möglich, ihre Lagerhaltung zu optimieren, so dass für die Tafel weniger Waren übrig bleiben.

Dazu kommt der Trend, Waren, die kurz vor Erreichen des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen, auf »Wühltischen« zu ermäßigten Preisen anzubieten. Wertvolle Waren für die Tafel seien neben Babynahrung besonders Molkereiprodukte, an die schwer oder gar nicht heranzukommen sei, so Zimmer. Und man dürfe keine Lebensmittel zukaufen, das würde der Satzung widersprechen. Der Zweck des Vereins sei ausschließlich die Verteilung der Lebensmittel, die von Fahrern der Tafel teilweise sogar aus Frankfurt geholt werden. Die dortige Tafel stellt Überschüsse zur Verfügung. Fehlende Großhändler sind für die Region ein weiteres Problem. Daher sei die Zusammenarbeit und Vernetzung zwischen den einzelnen Tafeln immer wichtiger. In der Diskussion, so Buse-Wüstendörfer, sei ein zentrales Lager der hessischen Tafeln für größere Lieferungen von Lebensmittelherstellern. So habe man zum Beispiel eine Europalette Apfelmus bekommen. Weil dem Supermarkt die Farbe zu dunkel war, ging die komplette Lieferung an die Tafeln und Alsfeld bekam 1000 Gläser, die bis 2012 haltbar sind. In Alsfeld seien die Geschäftsleute sehr engagiert. Neben Märkten gehören Bäcker oder Metzger zu Partnern der Tafel. Die abgeholten Waren werden in den Lagerräumen untergebracht und dienstags und donnerstags können die Kunden gegen einen kleinen Obolus die Warenpakete abholen. Der Obolus sei nötig, um die Kosten zu decken und aus psychologischen Gründen. Wenn man für etwas bezahlen müsse, dann erhalte es einen höheren Wert. Durch die ausgedehnten Abholtermine seien »abwertende Warteschlangen« verhindert worden, so Pfann.

Den Kunden werde auch eine individuellere Versorgung geboten. Man bereite keine zusammengestellten Warenpakete vor, die man Kunden einfach aushändigt, die Abholer erhalten nur Waren, die sie vertragen und mögen. Gerade in der Weihnachtszeit fallen schon einmal Süßigkeiten an für die rund 140 Kinder. Die Tafel biete Kunden auch keine angefaulten Waren an. Bei Salatköpfen werden angefaulte Blätter entferent und man achte besonders bei Obst und Gemüse auf die Optik. Immerhin unterliege man den gleichen hygienischen Vorschriften und lebensmittelrechtlichen Bestimmungen wie Supermärkte und werde genauso geprüft. Das und der immer größer werdende bürokratische Aufwand machen die Arbeit noch schwieriger.

Der Bedarf nehme laufend zu. Waren es im letzten Jahr etwas mehr als 300 Kunden, so sei man mittlerweile bei 400 angekommen. Allein bei Kindern habe man eine Zunahme von etwa 40 Prozent. Die Schere gehe immer weiter auseinander. Die große Wirtschaftskrise für den Raum Alsfeld werde erst im nächsten Jahr losgehen. Und dass werde auch die Tafel zu spüren bekommen. Die sozialen Probleme der Gesellschaft könne man bei der Tafel hautnah erleben. Was dort geleistet werde von den ehrenamtlichen Helfern, entspreche einem Vollzeitjob. Finanziert werde die Arbeit über Mitgliedsbeiträge, Spenden und dem Obolus, den die Kunden zahlen müssen. Die monatlichen Fixkosten der Tafel liegen bei rund 1100 Euro, darunter sind Miet- und Fahrkosten sowie Strom eine große Belastung. Und das neue Müllsystem des ZAV hat die Tafel vor Probleme gestellt. Durch den Wegfall der Biomüll-Abholung musste man Biotonnen kaufen. Man habe es glücklicherweise geschafft, den Transport der Bioabfälle zu organisieren. Auch beim Personal bestehe Mangel, man stoße häufig an die Grenzen der Belastbarkeit. Man suche dringend weitere zuverlässige Helfer, sowohl in der Ausgabe als auch in der Vorbereitung. Ebenso händeringend werden Fahrer benötigt. Dort gebe es allerdings einige Kriterien.

Die Arbeit erfordere körperliche Fitness und ausreichende Fahrpraxis. Optimal, so Zimmer, sind ehemalige Lkw-Fahrer.



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