14. September 2009, 20:26 Uhr

Bildungssysteme müssen fürs Lernen fit machen

Alsfeld (rs). Im Bewusstsein vieler Bürger sei die allgemeine Wirtschaftskrise noch nicht angekommen, konstatierte am Montag vormittag Prof. Bernhard Vogel, bei einer rund eineinhalbstündigen Diskussion im Parkcafe des Senioren- und Pflegehauses Rambachhauses.
14. September 2009, 20:26 Uhr
Locker und humorvoll packte Prof. Bernhard Vogel die Themen Wirtschaftskrise und demografischen Wandel an. (Foto: rs)

Alsfeld (rs). Im Bewusstsein vieler Bürger sei die allgemeine Wirtschaftskrise noch nicht angekommen, konstatierte am Montag vormittag Prof. Bernhard Vogel, bei einer rund eineinhalbstündigen Diskussion im Parkcafe des Senioren- und Pflegehauses Rambachhauses. Bei der Wahlveranstaltung des CDU-Kreisverbandes ging Vogel ferner auf die Themen soziale Sicherheit, Bildung und den demografischen Wandel ausführlich ein. Dabei konnte der 76-Jährige aus einen reichen politischen Erfahrungsschatz schöpfen, hat er doch bislang als einziger als Ministerpräsident in zwei Bundesländern (Rheinland-Pfalz und Thüringen) gewirkt.

CDU-Kreisvorsitzender Ulrich Künz (Kirtorf) zeigte sich sehr zufrieden, ein bundespolitisches Schwergewicht der CDU in den Vogelsberger Wahlkampf geholt zu haben und überzeugt, dass die CDU in 14 Tagen zufrieden auf eine gewonnene Bundestagswahl zurückblicken könne.

Angenehm überrascht war Referent Vogel von dem vollbesetzten Parkcafe zu so früher Stunde, neben Bewohnern der Einrichtungen waren auch rund zwei Dutzend andere interessierte Bürger gekommen, darunter die meisten der CDU bekanntermaßen verbunden. Seine Beziehung zur Region begründete Vogel mit zwei Hinweisen: Zum einen habe er als Kind und Jugendlicher seine schönste Zeit im nahen Gießen verbracht, zum anderen sei er in seit Zeit als thüringischer Ministerpräsident oft an Alsfeld vor beigefahren, wenn er nach Bonn oder in seine Heimatstadt Speyer gefahren sei. Mit der Region verbinde er zudem seinen alten politischen Freund Adolf Roth, Ehrenvorsitzender der Kreis-CDU, mit dem er einst gemeinsam als Messdiener gewirkt habe.

Aktuell auf die TV-Diskussionsrunde vom Sonntag mit Kanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier eingehend, warnte er vor einem Fortsetzen der großen Koalition, denn diese Konstellation würde die Extremisten an beiden Rändern der Gesellschaft bestärken. Andernorts würden Wähler unter Lebensgefahr wählen gehen, da sollte es in Deutschland kein Hindernis geben, seine Stimme abzugeben, appellierte Vogel. Denn von den Radikalen würden die Anhänger wählen gehen, je weniger aus der gesellschaftlichen Mitte wählen würden, um so größer sei das prozentuale Gewicht der Extremen. Die CDU sage klar, dass sie in der neuen Legislaturperiode mit den Liberalen zusammenarbeiten wolle, eine adäquate Aussage der SPD zu einem regierungsfähigen Bündnis fehle indes. An dieser Stelle gelte es Ehrlichkeit anzumahnen.

Zur Wirtschaftskrise schätzte Vogel ein, dass Folgen noch auf die Gesellschaft zu kommen würden. Sowohl Abwrackprämie als auch die Verlängerung von Kurzarbeit seien richtig gewesen, aber Autos, die jetzt gekauft worden seien, würden eben nicht im kommenden Jahr gekauft. Dem sozialen Netz maß Vogel eine grundlegende Bedeutung bei, aber Basis dafür sei, dass die Segnungen dieses Netzes erst einmal erwirtschaftet werden müssten. Und die Gesellschaft müsse bewirken, dass von der Öffentlichkeit Alimentierte nach Möglichkeit schnell wieder auf eigenen Füßen zu stehen kommen.

Schließlich befinde sich Deutschland in einem Wandel von einer Industrie- zu einer Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft, sagte Vogel, dem das Bildungssystem Rechnung tragen müsse. In den seit Jahrzehnten währenden Bildungssdiskussionen gehe es aber leider zu sehr um Strukturen als um Inhalte. Gerade in der moderenen Zeit, in der die Halbwertszeit von Wissen immer kleiner werde, dürften Bildungseinrichtungen nicht nur darauf abheben, Wissen zu vermitteln. Menschen müssten vielmehr Lernen lernen, um für die Zukunft gerüstet zu sein.

Schließlich kam Vogel auf die immer älter werdenden Menschen zu sprechen und dass ihr Anteil an der Gesellschaft steige. Für den Einzelnen sei das Mehr an Jahren sicher erfreulich, die Gesellschaft müsse darauf aber auch reagieren. So bei beispielsweise das Rentensystem von Bismarck eingeführt worden, als 95 Prozent der Bevölkerung zwischen 14 und 65 Jahren gearbeitet hätten. Zudem habe der durchschnittliche Rentenempfänger nur noch zweieinhalb Jahre seines Ruhestandes erlebt. Das lasse sich heute nicht mehr so finanzieren, 40 Prozent studierten, kämen so frühestens mit 25 Jahren ins Berufsleben, und der Schnitt scheide dort mit 59 Jahren aus, werde zudem deutlich älter als vor über 100 Jahren. Vor diesem Hintergrund müsse man die Menschen, die willens und in der Lage seien, länger zu arbeiten, dieses auch machen lassen. Hinzu komme, dass mit den weniger werdenden jungen Menschen beispielsweise Facharbeiter fehlen würden, auch dies sei ein Grund vermehrt auf die neuen jungen Alten zu setzen.

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