03. Juni 2009, 20:10 Uhr

Mit wenig Geld leckere Mahlzeiten zaubern

Alsfeld (ks). Fleißig schnipselt die junge Köchin den Eisbergsalat klein, das sieht gesund aus, aber bei ihr macht sich leichte Skepsis breit: »Naja, so richtig gesund wohl nicht, aber so halbgesund auf jeden Fall!« Nachher soll der Salat nämlich mit Nachos, Hackfleisch und Schmand zu einer Mahlzeit werden. Gemeinsam mit ihrer Mutter nimmt das Mädchen an einem Kochtreff teil, der im Rahmen der Familien-Bildung am Nachmittag vom Caritasverband ins Leben gerufen wurde.
03. Juni 2009, 20:10 Uhr

Alsfeld (ks). Fleißig schnipselt die junge Köchin den Eisbergsalat klein, das sieht gesund aus, aber bei ihr macht sich leichte Skepsis breit: »Naja, so richtig gesund wohl nicht, aber so halbgesund auf jeden Fall!« Nachher soll der Salat nämlich mit Nachos, Hackfleisch und Schmand zu einer Mahlzeit werden. Gemeinsam mit ihrer Mutter nimmt das Mädchen an einem Kochtreff teil, der im Rahmen der Familien-Bildung am Nachmittag vom Caritasverband ins Leben gerufen wurde. Anders als zum Beispiel in Großstädten heißt er nicht »Hartz-IV-Kochkurs«, gleichwohl soll er Menschen mit kleinem Einkommen helfen, für ihre Familie »gesund, lecker und günstig zu kochen.« Gebruzzelt, gebacken und gerührt wird in der Schulküche der Max-Eyth-Schule. Diesmal gab es außer dem gehaltvollen Nacho-Salat noch Suppe, »Boller« (dänische Küchlein) und Obstsalat.

In Zusammenarbeit mit der »Alsfelder Tafel« und der »KinderKiste« hatten die Helfer festgestellt, dass eine Lücke im Angebot klafft. Nicht jeder kann mal eben - aus welchen Gründen auch immer - im Handumdrehen aus Lebensmitteln, die gerade verfügbar sind, eine nahrhafte Mahlzeit zaubern. So soll Nutzern der Tafel - aber nicht nur ihnen - gezeigt werden, wie man mit knapper Haushaltskasse gesunde und leckere Mahlzeiten kocht und dabei auf frisches jahreszeitliches Obst und Gemüse setzt. Denn: »Wenn es der Geldbeutel zulässt, dann ist es keine große Kunst, originelle Gerichte zuzubereiten.« Dass es auf der anderen Seite auch gelingen kann, sich mit wenig Geld gesund und lecker zu ernähren, das soll der Kochkurs beweisen.

Gestartet wurde mit zwölf Teilnehmerinnen, jetzt sind noch acht von ihnen dabei, die Frauen kommen unter anderem aus Lauterbach, Homberg oder Schlitz. Dabei steht nicht bei jeder Frau das Kochen lernen im Vordergrund. »Ich freue mich einfach, dass ich mal ‘rauskomme,« erzählt eine Teilnehmerin. Für Kinder werde ja schon eher etwas angeboten, »aber für die Muttis gibt es wenig. « Ihr Mann arbeitet die Woche über fernab der Familie, sie verrichtet nachts noch Schichtarbeiten und versorgt die Kinder und einen pflegebedürftigen Schwiegervater: »Da fällt einem manchmal zu Hause die Decke auf den Kopf.« Sie hat ihre Tochter dabei, die ganz froh ist, »die Mama auch mal für sich zu haben.« Das Töchterchen hat gerade mit Elan den Teig gerührt, aus dem die »Boller«-Küchlein nach dänischem Rezept werden sollen. Nebenan wird Obst für den Nachtisch geschnitten oder Hackfleisch angebraten, während schon der Duft einer exotischen Linsensuppe durch den großen Raum zieht. »Jede der Teilnehmerinnen darf ihr Lieblingsrezept vorstellen,« erzählt Christine Streich-Karas, Sozialpädagogin der Caritas-Beratungstelle in Alsfeld. Am Ende wird aus allen Rezepten ein kleines gebundenes Büchlein zum Mitnehmen, in dem unter anderem peruanische Ofenkartoffeln oder Broccoli-Lachs-Nudeln ihren Niederschlag gefunden haben.

»Ich rühr’ zwischendurch mal rasch einen Kuchen«: Man merkt Doris Becher an, dass sie ihr Metier versteht. Die Hauswirtschaftsmeisterin war früher an der Max-Eyth-Schule tätig und ist auch jetzt noch gerne bereit, ihr Wissen weiter zu geben. Sie schaut den Teilnehmerinnen des Kochkurses und den mithelfenden Kindern über die Schulter, gibt Tipps, und wird dabei unterstützt von Schülerinnen des Fachbereichs Sozialassistenz. Und wer von den insgesamt zwölf mitgebrachten Kindern nicht beim Kochen helfen möchte, der wird als Extra-Service in einem separaten Raum betreut.

Auch wenn der Zuspruch insgesamt noch größer sein könnte, möchte man gegen Ende des Jahres einen weiteren Kochtreff starten, erzählte Christine Streich-Karas, dann werden vorweihnachtliche Leckereien im Mittelpunkt stehen. Bei den Treffen geht es aber nicht nur ums gemeinsame Kochen, auch auf das Decken des Tisches und das bewusste gemeinsame Genießen der Mahlzeiten wird Wert gelegt. Nebenbei wird ein wenig Ernährungskunde vermittelt. Zudem wird von den Teilnehmerinnen ein kleiner Obolus entrichtet. Der Löwenanteil wird allerdings durch einen Zuschuss der Diözese Mainz finanziert. Der Kochtreff soll ein Baustein auf dem Weg hin zu einem größeren Angebot sein, so Streich-Karas. So ist ein Elterntreff geplant, der sich auch anderen Themen widmet, etwa Kindererziehung, Schuldenvermeidung oder dem Beantragen von Elterngeld. »Wie regele ich Alltagsprobleme, bevor es ‘brennt’« ist die Devise.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Caritas
  • Eisbergsalat
  • Hackfleisch
  • Köche
  • Mahlzeiten
  • lecker
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen