11. Juni 2008, 19:54 Uhr

Nach hartem Sparkurs »Firma wieder gesund«

Alsfeld (ks). »Sehen, vor welchen Herausforderungen Unternehmen heute stehen, wie die Arbeits- und Lebensverhältnisse sind, wie es den Menschen in den Betrieben geht.« Zu diesem Zweck lädt das katholische Bistum Mainz regelmäßig zum »Tag der Arbeitswelt« ein.
11. Juni 2008, 19:54 Uhr
Ceka-Mitarbeiter Michael Böck führte die Besuchergruppe durch das Werk, vorne ganz in Schwarz Generalvikar Dietmar Giebelmann aus Mainz. (Foto: ks)

Alsfeld (ks). »Sehen, vor welchen Herausforderungen Unternehmen heute stehen, wie die Arbeits- und Lebensverhältnisse sind, wie es den Menschen in den Betrieben geht.« Zu diesem Zweck lädt das katholische Bistum Mainz regelmäßig zum »Tag der Arbeitswelt« ein. Bei der Visitation mit Generalvikar Dietmar Giebelmann an der Spitze führte der Weg die katholischen Pfarrer, Mitarbeiter der Betriebsseelsorge Oberhessen, Dekanats- und Gemeindereferenten, Vertreter von Kolpingfamilien, Caritas und Bildungswerk am Mittwoch zum Büromöbelhersteller Ceka. Hinter dem Unternehmen liegen schwere Jahre mit einem harten Sanierungskurs, der aber Früchte trage, die Firma sei »wirtschaftlich wieder gesund.« Das sagte Norbert Wieck, neben Dietmar Krause einer der beiden Geschäftsführer, in der Vorstellung des Unternehmens im Altenburger Industriegebiet.

Generalvikar Giebelmann überbrachte zunächst die Grüße von Kardinal Lehmann. Heute seien Arbeitnehmer mit anderen Problemen als früher konfroniert - etwa notwendiger Mobilität - was auch die Kirche vor neue Herausforderungen stelle. »Es wird auch immer schwerer, produzierende Werke für einen Besuch zu finden, denn diese werden weniger,« so Giebelmann.

Ceka-Geschäftsführer Norbert Wieck beleuchtete die wechselvolle Geschichte des 1900 von Carl Krause gegründeten Unternehmens - »ein typischer Mittelständler.« Die Firma habe bis 2000/2001 sehr erfolgreich am Markt agiert, geriet aber dann in einen Abwärtssog durch den Niedergang des Neuen Marktes und das Platzen der Börsenblase. Für die Büromöbelbranche sei dies eine harte Zäsur gewesen - der Markt sei in jener Zeit um 50 Prozent eingebrochen. Wurden in den Jahren zuvor »unendlich viel Neumöbel angeschafft«, so gab es plötzlich ein riesiges Überangebot bei den Herstellern, was Ceka in eine Existenz bedrohende Krise stürzte.

Die Geschäftsleitung reagierte und stellte 2004 eine Managerin ein, die in den Folgejahren einen harten Sparkurs fuhr: »So ist es oft, erst kommen die Sanierer und dann die Konsolidierer, und zu Letzteren zähle ich mich,« meinte Wieck, der am 1. Januar 2007 seine Arbeit aufgenommen hatte.

Wieck räumte ein, dass es für die Entlassenen eine schwere Situation gewesen sei, zumal in der Nähe keine adäquaten Arbeitsplätze zur Verfügung standen.

Zudem sei in den drei Jahren, »in denen der Rotstift regierte,« nicht viel übrig geblieben, was Ceka vorher am Markt interessent gemacht habe, nämlich das Marketing. Immerhin verlassen heute rund 36 000 hochwertige Büroarbeitsplätze pro Jahr die Firma, allerdings nicht mehr mit Fahrzeugen des eigenen Fuhrparkes, sondern mit einer beauftragten Spedition.

Die Firma sei heute wirtschaftlich wieder gesund, dies ging allerdings mit einem enormen personellen Aderlass einher. Bei Ceka arbeiten heute noch 180 Beschäftigte - vor der Krise waren es zwischen 500 und 600 gewesen. Im vergangenen Jahr wurde ein Umsatz von 33 Millionen Euro erzielt. Leider gehe das Geschäft heute oft nur noch über den Preis, kritisierte Wieck. Einkäufer im Handel wollten vorzugsweise »hochwertige Möbel zum Ramschpreis.« Dies sei aber nicht Ceka-typisch und das könne man auch vor den eigenen gut ausgebildeten Schreinern der Firma nicht vertreten.

Zu den Kunden zählen jeweils etwa zur Hälfte der Fachhandel und Großkunden als Direktabnehmer. Ceka sei hier weiter führend bei Arbeitsplatzsystemen, Stauraumsystemen oder Dienstleistungen - das drückt sich auch in der Kundenreferenzliste aus mit Namen wie Siemens, Deutsche Bank, Metro, Evonik oder Nokia. Ceka hat sich bereits Qualitäts- und Umweltmanagementprogramm sowie einem Zertifizierungsverfahren unterzogen, um dem guten Ruf am Markt treu zu bleiben.

Es schloss sich ein Rundgang der katholischenBesuchergruppe durch das Unternehmen an und ein abschließendes Gespräch mit Unternehmensleitung und Betriebsrat. Das Mittagessen nahm die Gruppe dann bei der Neuen Arbeit Vogelsberg ein.

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