03. Februar 2021, 21:51 Uhr

Abschiede sind jetzt noch schwerer

Corona zieht sich wie ein roter Faden auch durch das Bestattungswesen. Um die Situation für die Angehörigen in den Altenheimen und Krankenhäusern zu erleichtern, geben sich die Bestatter viel Mühe, denn große Trauerfeiern können nicht stattfinden. Dennoch soll der Abschied von einem lieben Menschen in einer Ausnahmesituation passend begleitet werden.
03. Februar 2021, 21:51 Uhr
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Von Jutta Schuett-Frank
Bei Menschen, die mit oder an Covid-19 verstorben sind, müssen die Bestatter besondere Schutzvorkehrungen ergreifen. Dies ist für die Angehörigen oft ein befremdlicher Anblick. FOTOS: SF

Wohl niemand hätte mit Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 damit gerechnet, dass man jetzt, knapp ein Jahr später, an so einem kritischen Punkt steht. Und die derzeitige Situation zerrt auch am Nervenkostüm der Bestatter, wie das Mücker Unternehmen Euler bestätigt.

Birgit Euler und auch ihr Sohn André (22), angehender Bestattermeister, kümmern sich im Todesfall um eine schnelle Abwicklung und sie erledigen die nötigen Formalien für die Angehörigen. »In Corona-Zeiten muss man dafür mehr Zeit aufwenden und auch andere Wege gehen«, sagt Birgit Euler. Die digitale Übermittlung von Daten ist jetzt möglich, während man früher nur mit Originaldokumenten arbeiten konnte.

Ihr Weg führt die Eulers in diesen Tagen auch in Heime. »Wenn wir in Pflegeheimen sind«, berichtet André Euler, »herrscht dort eine unheimliche Stille. Die Senioren sitzen isoliert in ihren Zimmern, in Gängen und Gemeinschaftsräumen herrscht eine unheimliche Leere und Ruhe.«

Die Trauerarbeit hat sich durch Corona geändert. Das Bestattungsunternehmen ist meist der erste Kontakt bei dem Abschiednehmen. Birgit Euler: »Bei verstorbenen Angehörigen, die an Covid-19 erkrankt waren, ist ein persönlicher Abschied leider nicht mehr möglich.«

Schutzanzüge oder auch FFP2-Masken seien ja schon immer im Bestand eines Bestatters gewesen. Doch nun kommen weitere Schutzmechanismen wie Einwegoveralls hinzu. So ausgestattet ist der Besuch nicht nur für die Angehörigen befremdlich, »sondern auch für uns selbst«, sagt Birgit Euler.

Auch der gesamte Tagesablauf hat sich geändert. Die beiden Bestatter müssen wesentlich flexibler reagieren und häufig telefonieren, um Überführungstermine zu koordinieren. Dazu kommen Vorgaben aus den Kliniken, Altenheimen oder Krematorien.

»Feinabsprachen mit den Familien und Angehörigen werden teilweise über Familien-Whatsapp-Gruppen geregelt, dann kann man alle Betroffenen erreichen«, berichtet Birgit Euler. Die persönlichen Gespräche vor Ort haben sich reduziert, und oftmals finden Gespräche auch über das Smartphone statt. Online-Dienste haben im Bestattungswesen Einzug gehalten.

Eine weitere Herausforderung ist die Beisetzung, denn auch dort ist es wichtig, dass man bei den Angehörigen auf Verständnis stößt. Es müssen die Vorgaben eingehalten werden. Während der Pandemie ist die Anzahl der Trauernden in den Trauerhallen stark minimiert, und man muss sich mit den Ordnungsämtern absprechen.

Filme für die Risikopatienten

Auch wenn gegenwärtig alles Kopf steht, ist es ein Anliegen der Familie Euler und deren Team, Angehörigen und Trauernden Unterstützung zu gewähren und ihnen den nötigen Beistand zu geben, um für einen würdevollen Abschied zu sorgen. »Fehlender Gesang bei Trauerfeiern wird oftmals durch die Lieblingsmusik ersetzt. Sie wird mit den Angehörigen ausgesucht und dann abgespielt«, berichtet André Euler.

Die Trauerfeiern sind im kleinen Kreis mit viel Abstand sowie mit Mund-Nase-Bedeckung möglich. Risikopatienten und ältere Bürger sind meistens nicht dabei. Nadine Euler dreht bei der Trauerfeier kleine Filme, um sie später denen zu zeigen, die nicht teilnehmen konnten.

Die Eulers teilen sich aus Sicherheitsgründen in zwei Teams, auch haben sie den großen Vorteil, Sargträger aus ihrer Schreinerfirma in Anspruch nehmen zu können. Denn wegen der Corona-Regeln sind Träger aus der Nachbarschaft wegen des zu geringen Abstands am Sarg nicht zugelassen.

Auch das Thema Desinfektion und Reinigung von Büro- und Geschäftsräumen, Bestattungsfahrzeugen und Kühlraum habe eine noch höhere Priorität und bedeute einen Mehraufwand für das gesamte Team.

»Es tut trotzdem gut, den Menschen helfen zu können, sie in den schweren Tagen zu begleiten«, sagen Birgit und André Euler wie aus einem Mund. Die außergewöhnlichen Zeiten lehren, schwierigen Herausforderungen zu meistern.



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