27. Mai 2021, 21:44 Uhr

90 Jahre alt und noch fit

27. Mai 2021, 21:44 Uhr
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Von Jutta Schuett-Frank
Thea Rothe ist 90 Jahre alt.

Mücke-Nieder-Ohmen (sf). Begegnet man ihr beim Einkaufen oder bei einem Spaziergang auf der Straße, so wird man kaum glauben, dass diese Frau nun schon ein fast biblisches Alter erreicht hat, doch sie vollendete am Pfingstmontag tatsächlich ihr neuntes Jahrzehnt auf dieser Welt. Mit einem verschmitzten Lächeln in den Mundwinkeln und einem flotten Spruch auf den Lippen kommt Thea Rothe auf einen zu. Wegen der Corona- Pandemie hat sie sich Handschuhe übergezogen und reicht einem selbstbewusst mit einem festen Druck die Hand: »Heute bin ich eine ›von und zu‹, man sieht das an den weißen Handschuhen«, scherzt sie. »Schließlich gibt man sich die Hand, wenn man gratuliert, und das machen wir auch heute so. Das gehört sich so, und da will ich auch nicht drauf verzichten. Ich habe noch eine ganze Kiste von diesen Handschuhen, damals von der Arbeit. Da können ruhig noch ein paar Gäste kommen.« Mit dieser geradlinigen, aufrechten Haltung beeindruckt sie seit 1974 ihre Mitbürger in Nieder-Ohmen und anliegenden Gemeinden. Jeder weiß, die Thea hat das Herz am rechten Fleck und trägt es auch auf den Lippen, sie ist voller Energie und sagt immer, was sie denkt. »Davon können wir uns alle eine Scheibe abschneiden«, sagte ein Mitglied des Gesangsvereins. »So viel Power möchte ich in dem Alter auch gerne noch haben.«

Thea Rothe wurde am 24. Mai 1931 in Marburg geboren. Schon in jungen Jahren wurden sie und ihre drei Brüder zu Waisen, sodass sie ins Kinderheim Calmenhof in Idstein kam. Ihre Jugend verbrachte sie bei Pflegeeltern auf einem Bauernhof im Westerwald und arbeitete später als Hauswirtschafterin im Gießener Raum, wo sie in den 1950er Jahren ihren späteren Mann kennenlernte. Als 1956 der erste Sohn geboren wurde, zog die kleine Familie nach Kassel-Wehlheiden. Dort arbeitete der Ehemann als Beamter im Strafvollzug. Es wurden zwei weitere Kinder geboren, die Dienstwohnung wurde zu klein, und man beschloss nach Nieder-Ohmen zu ziehen und ein Haus zu bauen, weil der Vater, Joachim Rothe, dort seine Jugend verbracht hatte. Thea Rothe wechselte kurz vor ihrem Renteneintrittsalter noch einmal nach Gießen, weil die Firma in Nieder-Ohmen geschlossen worden war.

Nach dem Tod ihres Mannes 2007 fing sie verstärkt an zu reisen. Im Alter von fast 80 Jahren fuhr sie in Ägypten auf einem Quad durch die Wüste und umrundete die Pyramiden. Seit mehr als 25 Jahren genießt sie ihren Ruhestand und ist immer noch in Vereinen aktiv, nimmt am Seniorensport teil und geht einmal in der Woche ins Schwimmbad. »Das ist im Moment natürlich blöd. Durch Corona fällt mein Sport aus, und auch das Schwimmbad ist zu. Wird Zeit, dass das bald vorbei ist! Ich verliere ja ganz meine Form. Wird Zeit, dass die wieder aufmachen!« FOTO: SF



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