15. Juni 2021, 21:50 Uhr

65 000 Euro pro Jahr durch Wind

Über riesige Windkraftanlagen in weitgehend naturbelassener Landschaft kann man streiten. Positive Erfahrungen hat man bereits vor über 20 Jahren in Ulrichstein gemacht, wenn Bürger oder Kommune von den Anlagen einen finanziellen Vorteil haben. In Mücke stehen neue Anlagen an und der Investor lässt die Kommune an den Einnahmen teilhaben.
15. Juni 2021, 21:50 Uhr
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Weitere geplante Windkraftanlagen auf dem Kratzberg im Dreieck der Orte Atzenhain, Merlau und Nieder-Ohmen sollen der Gemeinde Geld bringen. FOTO: JUWI

Mit der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) Ende 2020 griff die Bundesregierung eine langjährige Forderung der Windenergie-Branche auf. Die Gesetzesänderung ermöglicht nun eine stärkere finanzielle Beteiligung von Standortkommunen. 0,2 Cent je produzierter Kilowattstunde Strom und Jahr sollen Kommunen, deren Gemeindegebiet sich ganz oder teilweise in einem Radius von 2500 Meter um einen Windenergiestandort befindet, als sogenannte Kommunalabgabe zugutekommen. Auf dieser Grundlage hat juwi kürzlich der Gemeinde Mücke eine Zahlung von rund 65 000 Euro jährlich zur freien Verwendung angeboten, was etwa 21 500 Euro pro Windrad entspricht. Über die Betriebsdauer des Windparks hinweg wären allein dies deutlich mehr als eine Million Euro - vorausgesetzt alle drei geplanten Windenergieanlagen werden in Betrieb genommen.

»Für uns ist es wichtig, dass ein möglichst hoher Anteil an Wertschöpfung, der durch den Bau eines Windparks geschaffen wird, vor Ort bleibt«, sagt juwi-Projektleiter Hendrik Schäfer laut einer Pressemitteilung des Investors. »Daher ist es für juwi auch selbstverständlich, diese neu geschaffene Möglichkeit der finanziellen Teilhabe den Standortgemeinden anzubieten.« Über die Mittelverwendung können Gemeinden frei verfügen.

Bürgermeister Andreas Sommer sieht das juwi-Angebot positiv. »Über die Kommunalbeteiligung haben gerade kleinere Kommunen die Möglichkeit bekommen, ihre Finanzen nachhaltig zu verbessern und gezielt in den Ausbau der kommunalen Infrastruktur, der allen Bürgerinnen und Bürgern zugutekommt, zu investieren. Über 20 Jahre Betriebsdauer hinweg hat die Gemeinde Mücke nun die Aussicht auf eine zusätzliche und verlässliche Einnahmequelle. Über die genaue Verwendung der Mittel muss natürlich noch entschieden werden, ich könnte mir aber vorstellen, davon zunächst die Erweiterung der Kinderspielplätze im Ort zu finanzieren.«

Drei Anlagen mit je 5,5 Megawatt

Neben der Standortabgabe würde die Gemeinde als Verpächterin eines Fundamentgrundstücks sowie für die Verpachtung einer Reihe von Kabel- und Wegegrundstücken weitere Einnahmen über die Betriebsdauer der Windparks hinweg erhalten. Über die Betriebsdauer des Windparks hinweg könnte Mücke so mit insgesamt rund drei Millionen Euro planen, wenn der Windpark mit seinen drei Anlagen wie geplant umgesetzt wird.

Im Vorranggebiet 5412 des Raumordnungsplans Mittelhessen plant juwi den Bau von drei Windrädern des Typs General Electric (GE) 158 mit jeweils 5,5 Megawatt Leistung und einer Nabenhöhe von 161 Metern. Die Antragsunterlagen nach Bundesimmissionsschutzgesetz hat das Unternehmen mit Sitz im rheinhessischen Wörrstadt im September 2020 beim Regierungspräsidium Gießen eingereicht. Noch wartet juwi auf die Erklärung der Vollständigkeit, um das öffentliche Genehmigungsverfahren in Gang zu setzen.

Läuft alles nach Plan, könnten die drei Anlagen bereits Mitte des Jahres 2024 ans Netz gehen. Zusammen erzeugen sie dann jährlich mehr als 35 Millionen Kilowattstunden klimafreundlichen Strom. Das entspricht dem Jahresverbrauch von mehr als 11 000 Haushalten.



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