03. November 2021, 21:53 Uhr

100 Jahre Geflügelzucht mit Höhen und Tiefen

03. November 2021, 21:53 Uhr
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Von Hannelore Diegel
Das Jubiläumsband 100 GZV Homberg/Ohm überreicht Vorsitzender Herbert Theiß (Mitte) für besondere Leistungen im Verein an Werner Haumann (l.) und an Markus Haumann (r.), der das Projekt »Hühner im Kindergarten« auf den Weg gebracht und unterstützt hat. FOTO: EVA

Jüngst hatte wieder einmal das Federvieh in der Stadthalle in Homberg »das Sagen.« Und das im wahrsten Sinne des Wortes, war doch das Krähen, Gackern und Gurren der verschiedenen Hähne-, Hühner- und Taubenrassen schon von Weitem zu vernehmen.

Die prächtigen Tiere wurden im Rahmen einer Geflügelschau präsentiert, zu der in Kooperation die Geflügelzuchtvereine (GZV) Homberg/Ohm und Umgebung und Großgemeinde Amöneburg eingeladen hatten.

Und was sich den Besuchern bot, war wieder prachtvoll. Die vielfältigen Zuchttiere, ob große Hühner, Zwerghühner, stolz umherschreitende und sich laut bemerkbar machende Hähne oder verschiedene Taubenarten, zeigten sich allesamt mit Grazie von ihrer besten Seite und machten ihren Züchtern alle Ehre. Neben der Geflügelschau gab es für beide Vereine auch einen Grund zum Feiern. Denn bereits seit 100 Jahren gibt es den Geflügelzuchtverein Homberg und der Geflügelzuchtverein Großgemeinde Amöneburg blickt dieses Jahr auf 40 Jahre Vereinstätigkeit zurück.

Teilweise über 100 Mitglieder

Zur Ausstellungseröffnung und einem kurzen Rückblick auf die 100-jährige Vereinsgeschichte des Homberger Vereins hieß Vorsitzender Herbert Theiß Besucher und Ehrengäste willkommen. Die Vereinsgeschichte des Geflügelzuchtvereins Homberg und Umgebung hatte genau am 1. Mai 1921 mit der Gründung durch Otto Södler, Konrad Krug, Georg Erb, Hubert Hübenthal, August Prätorius, Jakob Leich, Karl Rühl, Georg Rumpf, Reinhard Kraft, Wilhelm Pfalzgraf, Peter Erb und Paul Bocho begonnen.

»Wie das Auf und Ab im Leben nun einmal ist, so erging es auch unserem Verein«, resümierte Vorsitzender Theiß. Deutlich ersichtlich werde dies in Bezug auf den Mitgliederstand im Laufe der Jahre, der von zwölf bei Gründung des Vereins zwischendurch auch schon mal auf über 100 gestiegen war und sich derzeit auf 35 beläuft.

Eine der schwierigsten Zeiten für den GZV sei wohl zur Zeit der Inflation in den 1920er Jahren mit der Anschaffung der ersten Ausstellungskäfige gewesen, ein finanzieller Brocken, der nur durch die Ausgabe von Anteilscheinen an die Mitglieder habe bewältigt werden können. Während der Inflation sei der Verein aber auch schon mal »sehr reich« gewesen. So stehe unter anderem im Protokollbuch, dass der GZV am 23. Oktober 1923 einen Ehrenpreis im Wert von 50 Milliarden Mark stiftete. Nach dem Krieg wurde 1947 damit begonnen, »zusammen zu scharren, was noch möglich war«. Ein bis 1949 wieder beachtlich angesparter Kassenbestand von 434,88 DM ging durch die Währungsreform verloren.

Nachwuchs fehlt

1954 war unter dem damaligen Vorsitzenden Karl Strauch eine Brutmaschine angeschafft worden, deren Einsatz für den Verein in wirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht sehr erfolgreich war.

Im Laufe der Jahre wurden mehrfach Lokal- und Kreisschauen abgehalten und ab 1963 im Wechsel mit dem damaligen GZV aus Burg-Nieder-Gemünden sowie später mit dem GZV Schadenbach und seit 2019 mit dem GZV Großgemeinde Amöneburg Gruppenschauen durchgeführt.

In den 100 Jahren wurde der Verein von Otto Södler, Heinrich Klöß, August Prätorius, Hubert Hübenthal, Konrad Krug, Karl Strauch, Kurt Strauch, Karl-Hans Schlosser, Manfred Schleich und seit 2015 von Herbert Theiß geleitet. Als sehr erfreulich bezeichnete es Theiß, dass Züchter des Homberger Vereins schon zehnmal den »Siegerpreis der Nationalen Schau« nach Homberg holen konnten.

Von großer Bedeutung war es auch für den GZV, dass es Homberger Züchtern gelungen ist, in der Hühnerzucht zwei Farbenschläge (Italiener in blau und blau-rebhuhn-farbig) neu herauszuzüchten.

So wäre es wünschenswert, wenn sich auch im GZV Homberg noch mehr Züchter intensiver mit der Rassegeflügelzucht beschäftigen würden, betonte Theiß und meinte: »Nun hoffe ich, dass es auch in Zukunft Idealisten geben möge, die den Verein zusammenhalten, damit das Fortbestehen unserer Geflügelzuchtvereine gesichert ist.«

Doch ob dieser Wunsch in Erfüllung gehen wird, sei abzuwarten, da es überall an Nachwuchszüchtern fehle, meinte Theiß und das Thema kam auch insbesondere bei den Grußworten der Gäste zur Sprache. Ebenso, dass es immer schwerer wird, geeignete Ausstellungsräume zu finden und den Hygieneansprüchen gerecht zu werden. Letztendlich seien auch Corona und erschwerend die Geflügelpest für Vereine und Ausstellungen nicht förderlich gewesen.

»Wir haben unsere Zeit gehabt, es war eine schöne Zeit und wir sind im ganzen Land herumgekommen«, so Herbert Theiß, der seit 65 Jahren Geflügelzüchter ist und im Laufe der Jahre mit themenspezifischen Projekten den Kindern in Schulen Grundkenntnisse über die Geflügelzucht vermittelt hat.



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